Schönheitswahn

Dank OP zum Kussmund

Text: Daniel Haller; Foto: istock

Lidkorrektur, Bleaching und Lipreduction erfahren in Südkorea einen Boom. Doch warum unterziehen sich so viele junge Koreanerinnen einer Schönheitsoperation? Und: Zeichnet sich auch für die Schweiz ein Trend ab?

Plastische Chirurgie gehört in Südkorea vor allem bei der Jugend zum guten Ton. Auf der Halbinsel werden ganze TV-Formate mit der Rundumerneuerung gefüllt. Auch die lokale Musikindustrie greift das Thema auf. Die K-Pop-Girlband Six Bomb hat sich unters Messer gelegt und präsentiert im neuen Clip nicht nur einen Song über plastische Chirurgie, sondern auch gleich das Ergebnis am eigenen Leib. Die Girlband ist wohl symptomatisch für das Bedürfnis der südkoreanischen Jugend, sich stetig zu verbessern, oft auch nach westlichem Vorbild. Gemäss einem Bericht der BBC haben 60 Prozent der Frauen in ihren späten 20ern Schönheitsoperationen durchführen lassen. Südkorea ist damit eines der Länder mit den höchsten Eingriffsquoten. Durch diese hohe Rate steigt auch die Qualität der Operationen. Denn Chirurgen können ihre Fähigkeiten permanent optimieren. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Südkorea als beste Adresse für Schönheitsoperationen im asiatischen Raum etabliert und sich ein Chirurgie-Tourismus entwickelt hat. Angeboten wird alles, was die Kunden wünschen: von Augenlidkorrektur über Nasenop bis zur kompletten Remodellierung der Gesichtsknochen.

Der neuste Trend heisst Lipreduction und kommt, wie so üblich in der heutigen Zeit, mit einem Hashtag daher. Auf Instagram kann man beinah live dabei sein, wenn sich Patientinnen die Lippen in Herzform modellieren lassen. Dafür werden Ober- und Unterlippe mittels eines Schnitts reduziert und wieder zusammengenäht. «In der Schweiz werden Lipreductions äusserst selten durchgeführt und wenn, dann eher bei der Korrektur von alten oder falsch gespritzten Lipfillern. Die Schönheitschirurgie hierzulande ist noch immer dominiert von Brustops, Liposuktionen und Optimierungen der Haut. Aktuell sind Skinbooster sehr gefragt. Auch bei uns möchten sich vermehrt junge Menschen optisch verändern – oft um den Vorbildern in den Social Media nachzueifern. Lippen werden aufgespritzt oder permanente Tätowierungen und Microblading durchgeführt», sagt Colette Camenisch, Fachärztin für ästhetische, plastische und rekonstruktive Chirurgie in der Clinic Beethovenstrasse in Zürich. Oft muss die Chirurgin dort übertriebene Eingriffe anderer Fachkolleginnen und -kollegen ausbessern. Für sie steht fest: «Menschen sollten sich genau überlegen, wie sie sich verändern wollen. Dies setzt eine gewisse Reife voraus. Oft gehen Patientinnen und Patienten zu wenig achtsam mit ihrem Körper um und lassen sich zu extremen oder auch unüberlegten Eingriffen im Ausland hinreissen, ohne zu reflektieren, was die Konsequenzen sein könnten und dass Korrekturen dieser Fehlentscheidungen oft schwierig und schmerzhaft sind.»

Daniel Haller

Online-Praktikant Daniel Haller beschäftigt sich gern mit Beauty und Mode, interessiert sich aber auch für aktuelle Geschehnisse und das Thema Gleichstellung.

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