Interview

Natalie Portman über die Liebe

Interview: Jacqueline Krause-Blouin; Fotos: David Bellemere for Parfums Christian Dior

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Seit sechs Jahren Miss Dior: Schauspielerin Natalie Portman (36)

Natalie Portman beim Dreh zum aktuellen Spot

(v.l.) Der Duft im Lauf der Zeit: 1947 wurde er erstmals veröffentlicht; ab Anfang der Fünzigerjahre erschien er in neuem Flacon; «Miss Dior» 2017 riecht nach wilden Rosen und ist eine Ode an die Liebe. Ab ca. 95 Fr.

Für die Liebe würde sie bis ans Ende der Welt gehen. Sagt Natalie Portman bei unserem Treffen in Frankreich. Die Schauspielerin und Dior-Botschafterin über Familie, Düfte und Romantik.

Sie ist viele Frauen auf einmal, diese Natalie Portman. Jackie Kennedy, der schwarze Schwan oder Königin Amidala. Eine Oscar-Gewinnerin, ein Hollywoodstar. Und sie ist Miss Dior, die Verkörperung des neu aufgelegten Eau de parfum aus dem französischen Traditionshaus. Heute aber, an diesem warmen Tag in Cap d’Antibes, rennt Portman so gar nicht ladylike lachend und barfuss einem Ball hinterher, umarmt dann stürmisch ihren kleinen Sohn Aleph, während ihr Mann im Bademantel im Türrahmen steht und zusieht und das neugeborene Familienmitglied wahrscheinlich selig schläft. Die Szene wäre ein Fest für jeden Paparazzo, aber daran, dass sie möglicherweise beobachtet werden könnte, scheint Natalie Portman nicht zu denken. Unterbrochen wird das morgendliche Spiel von einem Hotelangestellten mit einem Frühstückswagen. Trotzdem zeigt dieser kurze Einblick, was man vielleicht schon hatte ahnen können: Natalie Portman, von vielen als beste Schauspielerin ihrer Generation gefeiert, sieht zwar aus wie gemalt und kann sich wie eine Ballerina bewegen, ist aber alles andere als eine unnahbare Diva.

Das zeigt sich auch später, als wir sie zum Interview in einer Suite treffen. Perfekt drapiert auf einer Chaiselongue, begrüsst sie zu Beginn. Doch nach nur fünf Minuten sitzt sie im Schneidersitz und lacht dreckig und ansteckend aus dem Bauch heraus.

annabelle: Natalie Portman, Miss Dior soll Liebe in Form eines Dufts sein. Was würden Sie auf keinen Fall für die Liebe tun?
Natalie Portman: Alles, was die Sicherheit meiner Familie gefährden könnte.

Und was würden Sie tun?
Natürlich bis ans Ende der Welt gehen. Sie nicht? (lacht)

Sie haben schon in vielen Liebesgeschichten mitgespielt. Ihre liebste?
Die von mir und meinem Ehemann!

Wie halten Sie und Ihr Mann Benjamin Millepied eigentlich die Romantik am Leben – mit all Ihren Projekten und zwei kleinen Kindern?
Ich bin romantisch, das ist mir ausgesprochen wichtig. Liebe geht für mich über die Kunst. Wir mögen es, einander Gedichte zu schreiben oder vorzulesen, Bilder zusammen zu analysieren. Diese Dinge zu teilen, ist für mich eine wunderbare Art zu kommunizieren. Wir gehen auch manchmal zu zweit tanzen und haben schon Tanzstunden genommen, obwohl mein Mann Tänzer ist. (lacht) Ich würde aber lügen, wenn ich sagen würden, dass wir in letzter Zeit auch nur das Kleinste unternommen hätten. Wir haben ja ein sehr kleines Baby zuhause.

Was tun Sie nur für sich?
Ich gehe zur Akupunktur, löse das «Sunday Times»-Kreuzworträtsel, und manchmal gehe ich mit meinen Freundinnen wandern. Das brauche ich, weil das Tempo als arbeitende Mutter wirklich intensiv ist. Ich bin nicht die Erste, die das merkt, ich weiss. (lacht)

Wie hat sich Ihr Konzept von Liebe entwickelt?
Ich habe gemerkt, dass Liebe viel mit Geduld zu tun hat. Es ist wirklich so, dass man Samen sät und die Liebe dann wachsen sieht. Es geht nicht um extravagante Gesten, es geht um die konstanten kleinen Dinge. Dass man jeden Tag versucht zu schätzen, was man hat; das macht eine Beziehung stark. Klingt einfacher, als es ist, aber man muss den Partner akzeptieren, wie er ist, damit man zusammen aufblühen kann.

Apropos Blühen, Sie standen in Grasse selbst im Feld der Rose de Mai und haben sich angesehen, wie das Parfum, das sie verkörpern, entsteht. Was fasziniert Sie daran?
Parfum hat so eine Kraft, Gerüche können Ur-Emotionen auslösen. Was mich fasziniert, ist das Handwerk hinter so einem Duft. Dieser Prozess hat eine Besinnlichkeit, eine Langsamkeit, die heute selten ist. Die Rose de Mai blüht nur für wenige Wochen im Jahr und muss umsichtig kultiviert und von Hand gepflückt werden. Für mich ist der Duft Couture in einer Flasche. Es ist die Antithese zu unserer schnelllebigen Zeit, zu unserer Wegwerfgesellschaft. Mich berührt es zu sehen, wie etwas mit so viel Sorgfalt hergestellt wird.

Die neue Kreativchefin Maria Grazia Chiuri haucht der Dior-Mode frisches Leben ein, ihr berühmtes T-Shirt mit dem Schriftzug «We Should All Be Feminists» steht sinnbildlich für eine neue Weiblichkeit. Ihr Rat an die Frauen dieser Welt?
Dem folgen, was man selbst will, und nicht für irgendjemanden versuchen, anders zu sein. Das ist schwer als Frau, es wird einem ständig eingetrichtert, dass man schön für andere, dass man höflich, dass man ein gutes Mädchen sein soll. Das bewirkt leider, dass sich viele Frauen darum sorgen, was andere denken, anstatt sich auf sich selbst zu konzentrieren. Ich bin ein grosser Fan von Maria Grazia Chiuri, sie gibt Mode Bedeutung. Ich bin froh, dass die Wiedergeburt des Feminismus auch im Mainstream Anklang findet. Feminist oder Feministin zu sein, bedeutet einfach nur, dass man daran glaubt, dass alle die gleichen Rechte und Chancen haben sollten. Das ist gar nicht kompliziert oder radikal. Ich finde es befremdlich, wenn sich Menschen vom Feminismus distanzieren. Damit sagt man schliesslich, dass man nicht an Menschenrechte glaubt.

Wer war die einflussreichste Frau in Ihrem Leben und warum?
Meine Mutter. Ich habe Glück, dass ich eine wundervolle Mutter habe. Ich weiss nicht, wie jemand anderes mehr Einfluss auf einen haben kann. Die Mutter ist die Frau, die man schon als Kind ganz nah und ungefiltert beobachten kann.

Übernehmen Sie in Sachen Erziehung Ansichten Ihrer Mutter?
Das hoffe ich doch. Es ist so: Ich versuche immer, so zu sein wie sie. Weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es eine bessere Mutter auf der Welt gibt.

Miss Dior hat auch eine rebellische Seite, wie man in den Kampagnenfilmen sehen kann. Wie rebellisch sind Sie?
Ja, das hat sie. Ich mag die Szene am liebsten, in der Miss Dior zu dieser freien Frau wird und von ihrer eigenen Hochzeit wegrennt. Diese Frau, die schrecklich verliebt in die Liebe ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich mich in den sechs Jahren Zusammenarbeit mit der Figur Miss Dior mitentwickelt habe. Miss Dior ist unabhängig, ich auch. Ich wusste schon immer genau, was ich will. Das haben wir gemeinsam. Das Rebellischste, was ich persönlich je getan habe, war, nach Marokko abzuhauen, als ich 18 war. Meine Eltern waren dagegen, aber ich musste das tun.

Nun leben Sie wieder in Los Angeles, nachdem Sie einige Jahre in Paris verbracht haben. Hat der vielbeschworene Stil der Pariserinnen Sie geprägt?
Französische Frauen betonen, statt zu kaschieren. Das finde ich faszinierend. Wenn man in den USA ein Muttermal oder eine grosse Nase hat, versucht man, das zu verstecken. In Frankreich jedoch benutzt man so etwas als Alleinstellungsmerkmal und betont es bewusst. Der Stil der Pariserinnen hat mich geprägt, früher habe ich jeden Tag Trainerhosen getragen, heute würde ich die nicht mehr ausserhalb des Hauses tragen, niemals!

Jacqueline Krause-Blouin

Die stellvertretende Chefredaktorin interessiert sich für Mode, Musik, Theater und alle Facetten der Popkultur. Und für aussergewöhnliche Frauen: berühmt oder berüchtigt, tot oder lebendig.

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