Kosmetik aus dem Kloster

«Die Kräuter sammeln wir nicht selbst»

Text: Kerstin Hasse 

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Bekannt für den Klostergarten:

Das Kloster Leiden Christi liegt in Jakobsbad, Appenzell. Zur Zeit leben neun Schwestern in dem Kapuzinerkloster. 

Die hauseigene Linie:

Die Produkte der Linie Isis enthalten vor allem Aloe Vera und werden von Hand im Kloster hergestellt. 

«Es ist uns wichtig, dass die Produkte natürlich sind»:

Schwester Dorothea ist vor rund 40 Jahren in das Kapuzinerkloster eingetreten. 

Naturkosmetik aus Klöstern ist gefragt. Doch wie werden diese Produkte hergestellt? Wir haben im Appenzeller Kloster Leiden Christi nachgefragt und ehrliche Antworten erhalten.  

Kosmetik, die an einem heiligen Ort hergestellt wird! Allein die Vorstellung von Schwestern, die geduldig und mit Hingabe Kräuter im Klostergarten sammeln und diese dann zu Crèmes verarbeiten, erfüllt alle romantischen Erwartungen eines Stadthipsters. Kein Wunder also, dass Klosterprodukte im Kommen sind. Wir wollen Naturprodukte benutzen, von denen wir wissen, wo und wie sie produziert wurden. Doch wo genau kommen diese Kosmetikartikel her und wie werden sie hergestellt? Was ist drin? Und wie viel Tradition und Handwerk ist mit der Produktion heute noch verbunden?

Wir haben uns auf den Weg ins Appenzell gemacht, nach Jakobsbad, wo zwischen verschneiten Hügeln das Kloster Leiden Christi thront. Der Schnee rieselt vom Himmel, irgendwo kräht ein Hahn. Beim Betreten der Klosterapotheke ertönt eine Klingel, Schwester Dorothea erscheint im Türrahmen. «Ah Sie sind schon da!» Eigentlich passe es ihr grad gar nicht. Die Weihnachtszeit sei immer die stressigste, sagt sie. Sie huscht durch den Laden, vorbei an Regalen voller Sirupen, Crèmetöpfen, Honiggläsern und Weihnachtskarten und setzt sich aufrecht an einen alten Holztisch. «Fangen wir an», sagt sie bestimmt. «Dann kann ich danach wieder an die Arbeit.»

annabelle.ch: Schwester Dorothea, wie kam das Kloster Leiden Christi zu seiner Apotheke?
Schwester Dorothea: Die Klosterapotheke gibt es seit etwa 1920, der Klosterladen in der heutigen Grössenordnung ist 2010 entstanden. Meine Vorgängerinnen haben die Weichen gelegt und als ich vor rund 40 Jahren ins Kloster eingetreten bin, habe ich diese weitergeführt. Ich habe eine Apothekerausbildung absolviert und weiss deshalb über pflegende und heilende Produkte Bescheid. Ich habe mich gerne dieser Aufgabe angenommen.

Viele stellen sich sicher vor, dass Sie alte, schwere Rezeptbücher hervorgeholt haben, in denen geheime Klosterrezepte niedergeschrieben stehen.
(lacht) So war es aber nicht. Wir haben neue, eigene Rezepturen entwickelt. Es gibt zwar gewisse Rezepte, die auf altem Wissen beruhen, wie zum Beispiel Ringelblumensalbe oder Pravadidinsalbe. Wir wissen, welche Inhaltsstoffe was bewirken können, aber unsere Produkte basieren nicht auf geheimen Rezepturen. 

Woraus bestehen Ihre Produkte?
Heute ist ein wichtiger Bestandteil Aloe Vera. Wir haben in den Neunzigerjahren die Zusammensetzung nochmals angepasst. Vorher enthielten die Pflegeprodukte zum Beispiel viel Vaseline, das ist heute nicht mehr so. Die Crème soll ja nicht nur fetten, sondern auch pflegen. Mir ist die Qualität sehr wichtig. Wir wählen die Rohstoffe, die wir einkaufen, sorgfältig aus.

Sie kaufen die Rohstoffe. Das heisst, man muss sich auch von der Vorstellung verabschieden, dass Sie die Kräuter in Ihrem bekannten Kräutergarten sammeln?
Wir haben einen schönen Garten, aber die Kräuter für unsere Crèmes kommen nicht von dort, wir kaufen sie ein. Wenn wir alle Kräuter selbst sammeln müssten, wäre der Aufwand viel zu gross. Und auch die damit verbundenen Auflagen könnten wir nicht einhalten. Aber wir stellen alle Pflegeprodukte hier im Kloster her.

Dann sind das tatsächlich einfach romantische Vorstellungen, die durch unsere Köpfe schwirren.
Ja, das ist so. Die Leute denken fälschlicherweise, dass bei uns andere Regeln gelten. Wir stellen Pflegeprodukte her und müssen genauso professionell vorgehen wie andere Produzenten. Es ist uns wichtig, dass es natürliche und gesunde Produkte sind, die pflegen und gut riechen. Sie werden von Hand und möglichst umweltverträglich hergestellt. 

Die Verpackung der Isis-Linie ist sehr simpel.
Ja, das ist bewusst so gewählt. Wir wollten nicht jedes Töpfchen nochmal in Plastik oder eine weitere Schachtel einpacken. Man muss an die Umwelt denken.

Für wen eignen sich Ihre Produkte besonders?
Viele Kundinnen und Kunden, die gereizte oder empfindliche Haut haben, kommen regelmässig wieder, weil sie sagen, dass unsere Crèmes ihnen am besten helfen.

Sie haben sogar eine Augenfaltencrème im Sortiment.
Ja, aber die hilft nicht besonders gut gegen Falten. Man hat nach einem solchen Produkt verlangt, also haben wir es hergestellt.

Sie sind sehr ehrlich.
Ja, das bin ich. Die Crème pflegt die sensible Haut unter den Augen, aber ich würde nie behaupten, dass sie Falten entfernt.

Das Kapuzinerkloster Leiden Christi wurde 1851 gegründet.  Zurzeit leben neun Schwestern in dem Kloster, das in Jakobsbad liegt. Neben der hauseigenen Linie Isis stellen die Schwestern auch pflegende Salben und Tinkturen und Lebensmittel wie Konfitüren und Guetsli oder Sirupe und Punsch her. Wer nicht bis ins Appenzell reisen will, kann die Klosterprodukte online bestellen. 

 

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihre Generation gerade stellt. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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