Heft 19/15

Kosmetik verbessert das Leben: Interview mit Clinique Präsidentin Jane Lauder

Interview: Niklaus Müller; Fotos: Francesco Lagnese

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«Kosmetik verbessert das Leben», Jane Lauder

Jane Lauders Lieblinge

Smarte Produkte für smarte Frauen: Seit Jane Lauder Präsidentin von Clinique ist, hat sie unter anderem das Smart Custom-Repair Eye Treatment, eine seidige Augencrème, sowie den Pop Lip Colour and Primer, Lippenstift und Primer in einem, lanciert.

Seit Jane Lauder denken kann, ist Beauty Teil ihres Lebens: Heute ist die jüngste Enkelin von Estée Lauder Präsidentin der Kosmetikmarke Clinique. Ein Gespräch über Familie und Visionen.

Knapp 42 und bereits Präsidentin von Clinique, der grössten Kosmetikmarke des Lauder-Konzerns. Nach 19 Jahren im Unternehmen bekleidet die New Yorkerin damit einen der wichtigsten Posten des familieneigenen Beautyhauses. Jane Lauder wirkt sehr grazil, zart und sieht mit ihren langen dunkelbraunen Haaren jünger aus. Erst im Gespräch mit ihr merkt man, wie überlegt, entscheidungsfreudig und hartnäckig sie ist. Qualitäten, die man bereits ihrer Grossmutter Estée bescheinigte.

annabelle: Jane Lauder, würden wir heute auch hier sitzen, wenn Ihre Grossmutter vor siebzig Jahren eine Autopneufirma gegründet hätte?
JANE LAUDER: Wahrscheinlich nicht! Seit ich denken kann, habe ich mich für Kosmetik und Schönheit interessiert. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass mich beides seit meiner Kindheit begleitet. Mit Autopneus hätte ich jedenfalls bedeutend weniger anfangen können.

Können Sie etwas genauer beschreiben, was Ihre Faszination für Kosmetik ausmacht?
Kosmetik ist etwas, das mit wenig Aufwand Leben und Selbstbewusstsein verbessern kann. Eine gute Pflege, ein passendes Make-up, das genügt bereits. Will sich eine Frau mit einem neuen Badeanzug etwas Gutes tun, dann besteht das Risiko, dass sie alle möglichen Modelle probiert und trotzdem keinen findet, in dem sie sich gefällt.

Ihre Grossmutter Estée Lauder gilt als clevere Unternehmerin und Beautylegende. Was bewundern Sie vor allem an ihr?
Sie hat diese Firma 1946 gegründet und in einer Zeit aufgebaut, als für Frauen noch andere Aufgaben vorgesehen waren. Sie haben nicht gearbeitet, sie hatten Familie und Kinder. Aber Estée hat beides unter einen Hut gebracht.

Wie haben Sie Ihre Grossmutter privat erlebt?
Sie war beruflich wie privat sehr charismatisch und enorm hartnäckig. Sie konnte uns dazu bringen, Dinge zu essen, die wir nicht unbedingt mochten. Aber wenn sie fand, dass sie gut für uns waren, keine Chance! Ihr starker Wille hat sie nie aufgeben lassen, wenn sie etwas erreichen wollte, dann hat sie kein Nein akzeptiert.

War es für Sie immer klar, dass Sie ins Familiengeschäft einsteigen?
Bereits als Schülerin habe ich in den Ferien immer für unsere Firma gearbeitet, insofern wusste ich irgendwann, wo mich mein beruflicher Weg hinführt. Mir war aber wichtig, zunächst auch andere Jobs auszuprobieren, bevor ich mich für unser Unternehmen entscheide. Und so habe ich beispielsweise in einer Werbeagentur gearbeitet.

Machen Sie doch einmal Werbung für Clinique: Was unterscheidet diese Marke von allen anderen?
Zu einer Zeit, wo es darum ging, hübsche Kosmetikprodukte mit einem guten Duft herzustellen, lancierten meine Grossmutter und Carol Philips eine schlichte, seriöse Kosmetiklinie ohne Parfum, die von Dermatologen mit dem Ziel entwickelt worden war, die Haut sichtbar zu verbessern. Das war 1967 eine kleine Revolution.

Seit eineinhalb Jahren sind Sie selbst Präsidentin von Clinique. Vor welche Herausforderungen sehen Sie sich gestellt?
Früher haben sich Frauen ausschliesslich am Kosmetikcounter oder durch Frauenzeitschriften über Beautypflege und neue Produkte informiert. Heute tun sie das vermehrt im Internet, vor allem die junge Generation. Darauf müssen wir uns einstellen. Hinzu kommt, dass wir inzwischen auch von Dermatologen und Schönheitschirurgen konkurrenziert werden.

Haben sich auch die Erwartungen an ein Kosmetiklabel verändert?
Nein, nicht wirklich, nach wie vor werden von uns Problemlösungen und Hilfestellungen erwartet. Dabei sind die Konsumentinnen aber sehr viel besser und schneller informiert als früher. Dank dem Internet.

Sie haben unter dem Titel «The Truth About Happiness: What Women Want» rund 8000 Frauen in 15 Ländern dazu befragt, was sie sich wünschen, was ihr Glück ausmacht. Definieren wir denn Glück weltweit so unterschiedlich?
Was die Kosmetik und unsere Erwartungen an sie betrifft, schon. Eine Chinesin will ihre Haut beispielsweise nicht nur vor der Sonne schützen, sondern auch gegen die Verunreinigung durch die Umwelt. Mit unserer Umfrage wollten wir in erster Linie unsere Kundinnen besser verstehen, indem wir herausfinden, was Frauen genau von Kosmetik wollen.

Was für eine Chefin ist Jane Lauder?
Ich bin sehr detailversessen, will möglichst viel über ein Projekt wissen und sehr gut informiert sein. Weiss ich, was ich wissen muss, dann lasse ich die Leute arbeiten. Das kann ich mir auch deshalb leisten, weil ich versuche, immer die besten Leute zu bekommen.

Ihre Schwester Aerin arbeitet auch im Konzern. Was haben Sie für ein Verhältnis zu ihr?
Ein sehr enges, das bleibt nicht aus, wenn man sich jahrelang ein Zimmer teilt. Aber wir sind sehr unterschiedlich, Aerin ist viel extrovertierter als ich. Sie geht mehr auf die Leute zu, während ich viel introvertierter, analytischer bin. Mein Interesse gilt vor allem der Produkteentwicklung und den Details, Aerin legt eher auf die Präsentation Wert. Wir ergänzen uns also sehr gut. Und – ganz wichtig – wir gehen sehr ehrlich miteinander um.

Niklaus Müller

Kosmetik und Schönheit haben den annabelle-Beautychef schon immer fasziniert. Aber auch andere schöne Dinge des Lebens interessieren den Basler: gutes Essen, Musik, Film und Reisen.

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