Da hilft nur die Quote: Esther Girsberger über eine gesetzliche Frauenquote
Da hilft nur die Quote: Esther Girsberger über eine gesetzliche Frauenquote
Text: Esther Girsberger
Illustration: Paul Blow

annabelle setzt sich ein für eine befristete Frauenquote von 30 Prozent. Hier finden Sie alle weiteren Artikel dazu:
Total unsexy, eine gesetzliche Frauenquote für die Führungsetagen der Unternehmen. Aber wirtschaftlich gewinnbringend, legt unsere Autorin dar. Und so gesehen eben doch – total sexy.
Es brauchte Mut, sich auf das Inserat in der «Neuen Zürcher Zeitung» zu melden: «Wir suchen redaktionelle Mitarbeiter.» Eine Zeile darunter, in Klammern: «Es darf auch eine Frau sein.» Wie viele Frauen sich bewarben, entzieht sich meiner Kenntnis. Immerhin: Mir bot das Blatt in der Folge ein Volontariat an, das nach drei Monaten in eine feste Anstellung mündete.
Das war vor gut zwanzig Jahren. Heute hat sich einiges geändert. Die NZZ beschäftigt selbst im traditionell männerdominierten Wirtschaftsressort fünf Redaktorinnen. Das entspricht einem Drittel. Die Inserate sind nicht nur bei der NZZ geschlechtsneutral formuliert. Zudem sind einzelne Firmen dazu übergegangen (endlich, ist man versucht zu sagen), Teilzeitmodelle zu entwickeln und Stellen selbst auf oberster Kaderstufe nicht mehr ausschliesslich hundert Prozent auszuschreiben, wodurch sich nun auch erwerbstätige Mütter angesprochen fühlen können.
Frauen in allen Funktionen und Positionen sind nicht mehr nur geduldet, sondern gesucht. Der Geburtenrückgang, die Überalterung der Gesellschaft und der Mangel an Fachkräften lassen nichts anderes zu. Vor allem aber sind Frauen heute gleich gut ausgebildet wie Männer. Seit einigen Jahren schliessen sogar mehr Frauen als Männer ein Hochschulstudium ab. Zudem stellten unverdächtige Untersuchungen wie die Studie «Women Matter» der globalen Unternehmensberaterfirma McKinsey schon 2007 fest, dass Firmen mit mindestens drei Frauen im Topmanagement höhere Renditen erzielten als vergleichbare Unternehmen ohne diesen Anteil.
Zumindest auf dem Papier haben die Arbeitgeber also begriffen, dass sie auf das Potenzial der Frauen nicht verzichten können. Alles andere wäre unternehmerischer und volkswirtschaftlicher Unsinn. Wenn der Staat in lange und teure Ausbildungen investiert und diese hoch qualifizierten Frauen später im unteren oder mittleren Kader versauern, ist das so sinnvoll, wie mit einem Porsche immer nur durch Tempo-30-Zonen zu fahren.
Etwas anders sieht das Ulf Berg, Verwaltungsratspräsident der Ems-Gruppe, der sich im «Schillingreport 2012» wie folgt zitieren lässt: «Wir haben heute ein Verhältnis von 129 Frauen zu 100 Männern an den Universitäten, was bedeutet, dass wir in zwanzig Jahren bedeutend mehr Frauen im Management haben werden, was sich wiederum in dreissig Jahren auf die Boards auswirkt.» Dreissig Jahre? Klingt fast ein wenig nach Sciencefiction.






















Kommentare
11:07 Uhr
Liebe Esther wir kennen uns jetzt schon einige Jahre und mir gefällt dieser artikel total! ich weiss noch wie uns mal eine junge frau in einem podium nach unserer einstellung zur quote befragte :-) hier bei uns, einem der grösstern TELCO unternehmen der schweiz, haben wir uns eine Zielerreichung auferlegt. wir wollen in den nächsten 2-4 jahren von 11% auf 20% frauenanteil im management kommen - auf allen stufen, nicht nur im VR oder im Top!. danke für deine unterstützung, auch ich bin der meinung, wir dürfen nicht auf 50% der talente in der schweiz verzichten - die frauen!
13:31 Uhr
Unsexy doch sexy? Frau Girsberger, was soll das denn bitte?
14:38 Uhr
Huch, es erinnert ein bisschen an russische Verhältnisse. Mein erster Beitrag wurde gelöscht. Wie gemein! Also liebe Frau Girsberger und Frau Feldmann und ihr alle die ihr so sehr das Bedürfnis habt alles zu ändern und zu verbessern. Macht es doch einfach. Ja bitte. Kämpfen Sie an vorderster Front für alle Frauen sexy oder unsexy. Endlich! Obwohl Frau Feldmann ist ja deutsch, dann werden Sie es wohl selber in die Hand nehmen müssen. Aber Sie sind schnell überfordert zuviele neue Situationen etc. Ist ja egal, einfach mal anfangen, wenns dann zu aufwendig wird, kann man immer noch aussteigen/abspringen. Oh was? Die Frauen sind doch nicht glücklicher?! Nein, dann wird es wohl tatsächlich nicht daran gelegen haben, dass die Frauenquote nicht so hoch ist. Ich bin jetzt schon auf ihr nächstes Buch gespannt. Natürlich erst nach dem Fiasko...
09:55 Uhr
Liebe Esther, Gut gebrüllt Löwin! An der DV von allianceF hat aBR Maicheline Calmy Rey dargelegt, dass es ohne Quoten noch über 900 Jahre dauern würde bis zur Gleichstellung der Frauen in Wirtschaft und Politk. Die Vertreterinnen von 400 000 Frauen, habe sich deshalb für eine Quote von mindestens 30% in Führungsfunktionen ausgesprochen. Das Beispiel Norwegen beweist, dass sich ein Land, welches die Talente der Frauen wirklich nutzt, bestens entwickelt.
09:55 Uhr
Liebe Esther, Gut gebrüllt Löwin! An der DV von allianceF hat aBR Maicheline Calmy Rey dargelegt, dass es ohne Quoten noch über 900 Jahre dauern würde bis zur Gleichstellung der Frauen in Wirtschaft und Politk. Die Vertreterinnen von 400 000 Frauen, habe sich deshalb für eine Quote von mindestens 30% in Führungsfunktionen ausgesprochen. Das Beispiel Norwegen beweist, dass sich ein Land, welches die Talente der Frauen wirklich nutzt, bestens entwickelt.
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