Alexandra Maurer ...

annabelle: Sie haben zum ersten Mal einen grossen Kunstpreis gewonnen. Was ist das für ein Gefühl?
Alexandra Maurer: Ich bin extrem überrascht worden. Für den Manor-Kunstpreis bewirbt man sich ja nicht, man erhält einfach einen Anruf aus heiterem Himmel. Ich bekam diesen Anruf während einer Lichtprobe im Grand Théâtre in Genf, wo ich als Lichtregisseurin arbeite. Ich habe mich natürlich sehr gefreut!

Sie haben eine künstlerische Technik erfunden, die Sie Peinture animée nennen. Wie funktioniert sie?
Am Anfang entwickle ich eine Choreografie und setze sie gemeinsam mit einer Schauspielerin oder einer Tänzerin um. So werden die Bewegungen und Gemütszustände, um die es mir geht, festgehalten. Die Szenen filme ich, aus dem Filmmaterial male ich wiederum Stills ab. Die in dünnen, tropfenden Farben gemalten Bilder reihe ich erneut aneinander, fotografiere sie und montiere daraus einen Film.

Wie sind Sie auf diese Technik gekommen?
Ich habe vorher gestische, expressive Wandmalereien gemalt. Das hatte den Nachteil, dass ich meine Arbeiten immer wieder übermalen musste. Am Medium Video hat mich fasziniert, dass das Gestische erhalten bleibt.

Was passiert bei der Transformation von einem Medium ins andere?
Die knalligen Farben deformieren den Körper und stellen ihn dadurch in Frage. Letztlich geht es mir um eine Abstraktion der menschlichen Bewegungen.

Sie zeigen Frauen oft als verzweifelte, ohnmächtige Wesen. Geht es Ihnen um Rollenbilder?
Nicht immer. In «Muro» etwa geht es eher um die Grenzen der Kommunikation zwischen Mann und Frau.

Was würden Sie sagen: Sind Frauen in unserer Gesellschaft eher Opfer oder Täterinnen?
Leider werden Frauen bei gewissen Entscheidungen, zum Beispiel, wenn es um die Karriere oder die Organisation der Kinderbetreuung geht, immer noch benachteiligt.

Wäre es für Sie schwierig, Kunst und Kinder unter einen Hut zu bringen?
Ich beobachte, dass immer einer zurückstecken muss, wenn Künstlerpaare Kinder bekommen.

Sind das dann auch meistens die Frauen?
Am Anfang schon. Aber später forciert meistens derjenige seine Karriere, der gerade die besseren Chancen hat.

Vor einem Karrieresprung

Die 1978 in St. Gallen geborene Alexandra Maurer hat die École Supérieure des Beaux-Arts - heute Haute École d'Art et de Design - in Genf besucht und lebt und arbeitet in Genf. Die Einzelausstellung und die Publikation, die mit dem Manor-Kunstpreis verbunden sind, haben andere Kunstschaffende wie Pipilotti Rist oder Christoph Büchel in ihrer Karriere einen entscheidenden Schritt weitergebracht. Alexandra Maurer wird im Rahmen des Kunst-preises im November 2010 im Kunstmuseum St. Gallen ausstellen. Das Porträt auf dieser Seite hat sie selbst illustriert.

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