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Juli 2009
Alexandra Shulman - Chefin der britischen "Vogue"
Klar, sie trägt gern Prada. Doch mit einer Teufelin hat sie nichts gemein: Die Chefin der britischen "Vogue" ist schon fast beängstigend normal.
Diese Feststellung hat Alexandra Shulman schon oft gehört: "Sie sehen ja gar nicht wie eine 'Vogue'-Chefredaktorin aus!" Ebenso bestimmt wie entspannt entgegnet sie darauf: "Aber schauen Sie mich an, genau so sieht eine 'Vogue'-Chefredaktorin aus!" Die führende Feder der englischen Ausgabe präsentiert sich mit einer Handbewegung - elegant, sanfte Kurven - , sodass man auf den ersten Blick eher die Journalistin und Geschäftsfrau erkennt, erst dann ihre Kompetenz in der Mode.
Das mag eine oberflächliche Betrachtung sein, oder gibt es im Ernst auch feste Ansichten darüber, wie man als Ärztin oder als CEO eines Chemiemultis auszusehen hat? Aber in der Mode,wo exklusiver Schein die Grundwährung ist, wo das Auge zählt un der schöne Überfluss der Welt, dürfte die Bemerkung nicht belanglos sein. Ausserdem muss zuerst geklärt werden, worum es überhaupt geht, und das allein ist trickreich. "Es ist nicht leicht, Mode zu definieren", schreibt Alexandra Shulman in der Mai-Ausgabe, "natürlich geht es grundsätzlich um Kleider, aber wir alle wissen, dass es um etwas viel Mächtigeres und Flüchtigeres geht als das. Es geht darum, die Fantasie zu beflügeln, etwas zu kreieren, damit die Menschen an einer Vision teilhaben wollen."
"Vogue": Der Name steht für eine mächtige Modestimme und einen der berühmtesten Brands. Er ruft Bilder von Glamour und Glitz hervor und von der umwerfenden Nonchalance, mit der man Stilsicherheit trägt. Der Name inspiriert. Die "Vogue" und Anna Wintour, die Chefin der amerikanischen Ausgabe, gaben dem Spielfilm "The Devil Wears Prada" seinen Stoff. Die "Vogue" und eine britische Chefredaktorin in extravaganten Hüten spielten auch in Robert Altmans Satire "Prêt-à-Porter" eine Rolle.
Schönheit ist die Quelle der Visionen. Princess Diana auf dem Cover, Claudia Schiffer, nackt und schwanger. Die "Vogue" tritt unbeirrbar auf, undemokratisch kreativ. Vor bald 120 Jahren in den USA gegründet, kam erst die britische Edition hinzu, heute erscheint das Magazin in 18 Ländern und in einer lateinamerikanischen Ausgabe. Die jüngste, in der Türkei, ist eben gestartet.
Das Flagschiff, die amerikanische "Vogue", hat als eines der ersten Magazine Celebrities inszeniert und die Fusion von Stars und Mode eingeleitet. Nun gehören "Vogue"-Grössen selbst zu den Berühmtheiten: Anna Wintour mit Pagenschnitt, Sonnenbrille und einem makellosen Auftritt. Oder Carine Roitfeld, Chefredaktorin der französischen Ausgabe, tiefschwarz umrandete Augen, hohe Absätze offenbar de rigueur. Dieses Bild der stilbildenden Chefin durchbricht Alexandra Shulman. Etwas mehr Chanel, etwas bessere Bekanntschaft mit ihrer Haarbürste, fasste die "New York Times" die spitzen Bemerkungen der britischen Presse zusammen, nachdem der Modeneuling seinen Posten angetreten hatte. Anna - wie ihre berühmte amerikanische Kollegin von allen genannt wid - hat Mode hingegen immer schon geliebt, wusste früh, dass sie zur "Vogue" wollte.
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