Klimawandel: Mann, iss mehr Gemüse!

Text: Julia Hofer
Illustration: Container

31. August 2010

Neue Studien zeigen: Der männliche Lifestyle forciert den Klimawandel – Frauen haben das Nachsehen. Energieexpertin Sabine Bock sagt, was falsch läuft.

annabelle: Sabine Bock, sind die Männer schuld am Klimawandel?
Sabine Bock: Okay … (lacht) … das ist jetzt ziemlich direkt, also, ich würde sagen: Nein.

Das überrascht mich jetzt.
Schuldzuweisung bringt nichts. Frauen und Männer können den Klimawandel nur gemeinsam abschwächen, weil man, wie ein chinesisches Sprichwort sagt, nur mit beiden Augen richtig sieht.

Männer fahren aber mehr Auto, lieben protzigere Modelle und essen auch mehr Fleisch.
Stimmt. Viele Männer mögen grosse Autos, weil sie sich für Technik begeistern. Sie fahren mehr Auto als Frauen, weil sie öfter einer Erwerbsarbeit nachgehen und weil ihre Mobilität, wie man sagt, wenig differenziert ist: Sie fahren mit dem Auto zur Arbeit und zurück. Die Wege der Frauen sind differenzierter, sie bringen die Kinder in den Kindergarten, kaufen ein, besuchen danach ihre Eltern oder fahren zur Arbeit. Diese kürzeren Strecken legen sie öfter mit dem öffentlichen Verkehr, dem Velo oder zu Fuss zurück.

Warum ist der Konsum von Fleisch für das Klima problematisch?
Die globale Viehzucht verursacht 9 Prozent der CO2- und 37 Prozent der Methan-Emissionen. Zudem benötigt man ungefähr acht Kilo Getreide, um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, was nicht nur weniger Menschen satt macht, sondern auch schlecht für die Umwelt und das Klima ist: Der Regenwald wird für den Anbau von Futtersoja-Monokulturen abgeholzt.

Man versucht, das Methan, das den Mäulern und Hintern der Kühe entweicht, mit Futterzusätzen zu verringern, etwa mit Tannin. Eine typisch männliche Strategie?
Ja, mit diesem Ansatz ist eine gewisse Technikgläubigkeit verbunden. Wir sollten uns besser wieder darüber klar werden, was uns wirklich wichtig ist: Wir wollen und Genuss – also ändern wir unser Essverhalten.

Auf das Fleisch müssen wir verzichten.
Man kann den Fleischkonsum auch einfach einschränken. Ich persönlich bin Vegetarierin und erlebe das nicht als Verzicht, mir schmecken Gemüse, Tofu und Soja – es kommt auf die Zubereitung und die Gewürze an. Beim Verkehr ist es dasselbe: Weniger Autofahren kann auch mehr Lebensqualität bedeuten. Die Strasse wird wieder ein Ort der Begegnung, man kann eine Bank vor die Tür stellen, muss keine Angst um die Kinder haben. Eine Frage der Perspektive.

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