Superhirne unter sich

Text: Barbara Achermann
Foto: Ornella Cacace

24. August 2010

Die Klügsten des Landes treffen sich hier zum Grillplausch oder Spielabend: Die Organisation Mensa, eine Mischung aus Gehirnturnverein und Selbsthilfegruppe, nimmt ausschliesslich Menschen mit extrem hohem IQ auf.

Bitte vervollständigen Sie folgende Reihe: 3968, 63, 8, 3, … – Falls Sie diese Aufgabe nicht lösen können, haben Sie vermutlich keinen Zutritt zum Verein Mensa. Mittels eines IQ-Tests ermittelt Mensa die vermeintlich intelligentesten zwei Prozent der Bevölkerung – die oben gestellte Aufgabe ist vergleichsweise einfach. Die richtige Antwort lautet übrigens 2. Aber egal. Für diese profane annabelle-Reportage müssen Sie keinen Test bestehen. Lesen Sie ruhig weiter, Sie werden schon verstehen.

Kommen wir zur nächsten Frage: Was wurde zuerst erfunden: Coca-Cola, Käse oder Verhütungsmittel? Sie dürfen sich für die Antwort zwei Absätze Zeit lassen.

Sechs Mensaner sitzen an einem schwach beleuchteten Holztisch im Restaurant Ali Baba in Bern. In der Hand halten sie je einen Stapel Kärtchen des Wissensspiels «Anno Domini». Sie trinken Hagebuttentee und essen Erdnussflips. Einer will gerade seine Karte mit dem ersten Geschäftsergebnis der Firma Coca-Cola ins Spiel bringen, als unverhofft die Tür des Lokals aufgeht und zwei junge Männer hereinspazieren. «Gehört ihr zu uns?», fragt Ute Blasche, die Präsidentin von Mensa Schweiz, und ihre Stimme hallt durch das beinahe leere Restaurant. Die Eindringlinge sind verdutzt. Blasche belehrt sie, heute Abend sei geschlossene Gesellschaft. Die Mensaner wollen unter sich sein.

Kommentar lesen (4)
Mensa als Organisation versteckt nichts - es möchten lediglich nicht alle unserer Mitglieder mit Name und Foto in der Presse genannt werden. Bei Mensa finden sich VertreterInnen der verschiedensten Berufe - nicht nur Akademiker. Mensa ist politisch und religiös neutral; es gibt weder Tempel oder Tempelarbeit, Grade oder andere Zeichen und beitreten kann jede(r) bei Bestehen eines unserer öffentlich ausgeschriebenen Aufnahmetests. PS: Die Idee zu der Einstein-Fotografie ist nicht von Mensa, sondern von der Bildredaktion.
Was haben die Mensaner zu verstecken? Wieso stellen sie sich als harmlose Durchschnittsbürger dar? Offensichtlich handelt es sich um einen geschlossenen Club von Akademikern in wichtigen Fach- und Führungspositionen. Werden hier heimlich die Fäden der Schweiz gezogen? Der Bericht erinnert mich an die verharmlosende Selbstdarstellung der Freimaurer-Logen.
Mensa Schweiz setzt seit einigen Jahren an den Gruppentests einen anderen Test ein als früher. Der "alte" Test hat auch Werte in diesem Bereich ergeben. Die ermittelten Werte sollten auch nicht überinterpretiert werden und sondern mehr als Anhaltspunkt dienen, wie es die Redaktorin bereits im Text dargestellt hat.
IQ 156? Nach welcher Skala? Mensa Schweiz testet jedenfalls gar nicht in dieser Größenordnung.
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