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«Männergehirne sind im Schnitt 120 Gramm schwerer als Frauengehirne. Das heisst aber keineswegs, dass Männer klüger wären» - /gesundheit/gesundheit/alles-im-kopf-gesprach-mit-dem-hirnforscher-gerhard-roth-21011
«Mit der geistigen Fitness ist es wie mit der körperlichen: Es zählt nur, was anstrengend ist»
Alles im Kopf: Gespräch mit dem Hirnforscher Gerhard Roth
Haben Frauen andere Gehirne als Männer? Kann man mit siebzig noch Chinesisch lernen? Warum sortieren Männer die Wäsche nicht? Ein Gespräch mit dem grossen deutschen Hirnforscher Gerhard Roth.
Der Hirnforscher ist unter die Geschäftsleute gegangen. Zum Interview empfängt Gerhard Roth standesgemäss in einer Villa in Bremen – hier hat er sich mit seiner Firma Roth GmbH, Applied Neuroscience, eingemietet. Er wolle jetzt, mit 69, endlich umsetzen, was er sein Leben lang erforscht habe, sagt er. Im Auftrag von grossen Firmen führt Roth Interviews durch mit Leuten, die eingestellt oder befördert werden sollen. Dabei versucht er herauszufinden, was für eine Persönlichkeit jemand ist.
Die herkömmlichen Bewerbungsgespräche von Firmen seien dazu ungeeignet, sagt Roth. «Da wird etwa gefragt, ob man Versagensängste habe. Das bringt doch nichts. Es wäre einer ein Vollidiot, wenn er mit Ja antworten würde.» Viel besser seien offene Fragen, die man nicht unterlaufen könne. «Ein gutes Beispiel ist ‹Wie gehen Sie mit den Gefühlen anderer Menschen um?›», sagt Roth. «Da wissen die Leute nicht, was man hören will. Und an ihren Reaktionen kann man ablesen, wie sie ticken.»
Diese Arbeit tue er, weil sie ihm Spass und Befriedigung verschaffe, sagt Gerhard Roth. Zu arbeiten bräuchte er nicht mehr: Dank der Pension und seinen zahlreichen Büchern, etwa über Willensfreiheit oder Intelligenz, deren Auflagen in die Hunderttausende gehen, könnte er sich längst in sein Haus in Italien zurückziehen. Aber wie ein Rentner wirkt der hochwache Roth keine Sekunde lang. Auch an der Universität Bremen lehrt und forscht er nach wie vor. «Das Angenehme ist, dass dort inzwischen meine Frau meine Vorgesetzte ist», sagt er verschmitzt. «Sie ist Abteilungsleiterin, und ich bin einer der Mitarbeiter ihrer Abteilung.»
ANNABELLE: Gerhard Roth, Männerhirne, Frauenhirne – was unterscheidet sie?
GERHARD ROTH: Schwierige Frage. Vor zehn Jahren hätte ich gesagt, Männerhirne und Frauenhirne seien ziemlich unterschiedlich. Inzwischen bin ich vorsichtiger geworden.
Warum?
Nehmen Sie etwa die Intelligenz. Bis vor einigen Jahren lagen Frauen in Intelligenztests im Schnitt immer fünf bis sechs Punkte hinter den Männern. Aber mittlerweile ist dieser Unterschied beinah verschwunden. In Gebieten wie Mathematik und Naturwissenschaften, wo die Männer stets als besser galten, haben die Frauen mächtig aufgeholt.
Was sind die Ursachen?
Die Mädchen werden heute in der Schule und in Hochbegabtenprogrammen gezielt gefördert, besonders in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Bei den Noten liegen sie heute deutlich vor den Knaben. Die Frage ist: Hat man die Mädchen früher entmutigt, und indem man sie nun fördert, verschwinden die unnatürlichen Unterschiede? Oder ist vielmehr diese Gleichheit ein Kunstprodukt, das aus der einseitigen Förderung der Mädchen resultiert?
Zu welcher Ansicht neigen Sie?
Zu gar nichts. Ich bin Empiriker.
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