Einsamkeit und Sex und Mitleid

In Helmut Kraussers neuem Roman sind alle Figuren miteinander verbunden.
Sie nehmen mich, von vorn bitte, bis ich erneut gekommen bin.» – «Ist mir eine Ehre. Eventuell ein wenig Dirty Talk erwünscht?» – «Nein. Duzen Sie mich nicht. Ich will auch nicht als Hure bezeichnet werden, schliesslich bin ich es, die hier bezahlt.» Julia bestellt beim Escort Service, obwohl sie mit Uwe einen feurigen Mann hat. Doch sie trennt sich von ihm – er ist Marktleiter bei Karstadt und ihr, der Unternehmensberaterin, so unterlegen wie ihre Callboys. Uwe tröstet sich mit der Tanzlehrerin Janine, die Vivien unterrichtet, welche ihrerseits mit Julias Lieblingscallboy Vincent zusammen ist. Alle Menschen sind verbunden, durch «Einsamkeit und Sex und Mitleid». So bleibt der Reigen in Schwung. Böse, witzig, manchmal hoffnungslos, wie man das von Helmut Krausser («Fette Welt», «Eros») kennt. Aber leichter als sonst, fast versöhnlich, betrachtet er die Kapriolen seiner Figuren – und lässt einen der Enttäuschten am Ende sogar Besonderes fühlen: «Ihm war, als berühre gerade der Finger einer bedingungslosen, umfassenden Liebe alle Dinge, Tiere und Menschen dieser Welt.»

— Helmut Krausser: Einsamkeit und Sex und Mitleid. Du-Mont-Verlag, Köln 2009, 224 Seiten, ca. 35 Fr.