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Amanda Seyfried in "Letters to Juliet" - /kultur/filme/amanda-seyfried-blondinen-benachteiligt-11861
Im Film "Dear John" - /kultur/filme/amanda-seyfried-blondinen-benachteiligt-11861
Mit Julian Moore in "Chloe"
Amanda Seyfried - Blondinen benachteiligt?
Wer hüftlanges, goldenes Haar hat, gilt unter Filmkritikern schnell als verdächtig – Ausnahme-Talent Amanda Seyfried sollte deshalb bei ihrer Rollenwahl besonders sensibel vorgehen.
Der Name Amanda Seyfried sagte bis vor kurzem vielen Menschen nichts. Jetzt ist er gleichbedeutend mit «Das nächste grosse Ding». Denn so ist das in Hollywood: Ein neuer Monat ist rum, ein paar neue Filme sind draussen, die «Vanity Fair»-März-Ausgabe erscheint; jene alljährliche Hollywood-Ausgabe mit Klappcover, das die wichtigsten Schauspieler des Moments zeigt, diesmal mit der Titelzeile «Ein neues Jahrzehnt, ein neues Hollywood».
Und plötzlich war sie da, ausgerufen – die neue Schauspielergeneration. Die Uma Thurmans, Cate Blanchetts und Nicole Kidmans heissen dieses Jahr Kristen Stewart, Carey Mulligan, Anna Kendrick oder eben: Amanda Seyfried. Genau, die aus «Mamma Mia!», «Chloe», «Dear John» und – demnächst im Kino – «Letters to Juliet». Heute kennt jeder ihren Namen.
Wie muss sich das anfühlen? Wie wirkt jemand, der Hollywoods nächstes grosses Ding ist, was kann er ausstrahlen? Doch wohl bitte schön: Etwas Enigmatisches? Etwas Jeunesse-dorée-haftes? Etwas Jetziges, Atemloses, Vorfreudiges? Auf jeden Fall etwas Selbstgewisses, vielleicht sogar schon: Grössenwahnsinniges.
Und wenn man vor so jemandem sitzt, der das nächste grosse Ding ist: Ist man alarmiert? Kommt man dann nicht fast um vor Neid? Hat man nicht sofort den Wunsch zu erleben, wie es ist, wenn dieses warme Scheinwerferlicht aus allgemeinem Interesse auf einen gerichtet ist? Ist es so, wenn man vor Amanda Seyfried sitzt? Antwort: Nö, nö und nö.
Wenn Amanda Seyfried für das neue Hollywood steht, wächst da vor allem ein sehr ernsthaftes, pflichtschuldiges neues Hollywood heran. Während Carey Mulligan als die Ehrgeizige gilt, Anna Kendrick als die Selbstsichere und Kristen Stewart als die Massenkompatible, ist Amanda Seyfried wohl die Schönste, Anmutigste dieser neuen Generation. Ihre Augen leuchten meergrün auf der Leinwand, ihr Teint ist puppenhaft perfekt, ihre in schwarze Spitze gehüllte Figur hat Pin-up-Format, jedenfalls in einer «Esquire»-Titelgeschichte.
In der Realität ist alles etwas anders. Amanda Seyfrieds Gesicht ist durchscheinend blass. Sie trägt ein fleischkäsefarbenes Fairtrade-T-Shirt, ein Billigschal verhüllt den Hals, graue Jeans spannen über grashüpferdünne Beine, die in schwarze Motorradstiefel münden. Wie momentan fast alle in Hollywood lebt sie nach der Raw Food Diet. Von der Fruchtplatte, die ihr ein Kellner des Berliner Hotel de Rome gebracht hat, angelt sie sich als Erstes alle Brombeeren. Und sie wirkt ein bisschen ratlos, als keine mehr da sind.
Sie antwortet schnell und guckt dabei ins Leere; vielleicht liegt das aber auch nur an der Farbe ihrer Augen. Sie wirkt jedenfalls nicht andächtig, auch nicht euphorisch oder sonst wie charismatisch, nein, eher pragmatisch und pflichtbewusst. Während des Interviews checkt Amanda Seyfried nicht nur die E-Mails auf ihrem Blackberry, nein, sie beantwortet sie auch gleich. Seltsamerweise kommt das nicht in erster Linie unhöflich rüber, sondern eher aufschlussreich, um nicht zu sagen folgerichtig. Man muss da jetzt wahrscheinlich sehr dranbleiben als Amanda Seyfried, als nächstes grosses Ding, im Internetzeitalter. Interviews geben allein reicht nicht mehr.
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