"Dank Adrenalin überlebt"
Christiane Amanpour
Interview und Informationen zu der wahrscheinlich bekanntesten Journalistin.
Sie hat einen gefährlichen Job und ist wahrscheinlich die bekannteste Journalistin der Welt: Christiane Amanpour, Star des Nachrichtensenders CNN, über ihre neue TV-Show, den Ruf von Journalisten und das Gefühl, als Mutter in ein Kriegsgebiet zu reisen.
Mit ihren markanten Wangenknochen, der pechschwarzen Bobfrisur und den ausdrucksstarken Augen ist Christiane Amanpour das Gesicht des US-Nachrichtensenders CNN. Wo immer es in der Weltpolitik in den letzten zwanzig Jahren gebrannt hat, stand sie an vorderster Front. Sie stellte ihre furchtlosen Fragen auf Englisch, Französisch oder in Farsi, der Sprache ihrer Kindheit – in letzterem Fall war ihr Gesicht für gewöhnlich von einem Kopftuch eingerahmt. Gerade befindet sie sich in London, wo sie einen Dokumentarfilm über muslimische Jugendliche in Palästina und Afghanistan fertig stellt.
Dass Christiane Amanpour im Journalismus landete, war Zufall. Eigentlich sollte die Tochter aus wohlhabendem persischem Haus Ärztin werden. Obwohl sie von ihren Eltern ins Internat nach England geschickt wurde, brachte sie es nicht auf die Noten, die für ein Medizinstudium erforderlich gewesen wären. So driftete Amanpour einige Jahre im trendigen London herum, arbeitete in Bars, genoss das Leben. Die kleine Schwester hatte sich derweil für einen Sommerkurs in Journalismus eingeschrieben, verlor aber noch vor dem ersten Tag die Lust hinzugehen. Damit das bereits bezahlte Kursgeld nicht vergeudet war, trat Christiane an ihre Stelle.
Das Fach behagte ihr mehr als Biologie und Anatomie. Von London zog sie bald in die USA, um an der Universität von Rhode Island ein dreijähriges Journalismusstudium zu absolvieren. Während der Ferien arbeitete sie für BBC Radio, 1983 trat sie dann in Atlanta ihren ersten Assistenzjob bei CNN an. Bekannt wurde Amanpour Anfang der Neunzigerjahre durch ihre Berichterstattung vom ersten Irakkrieg. Sie war vor Ort, als die Truppen von Saddam Hussein Kuwait überrannten und die USA im Irak einmarschierten. Während des Bosnienkriegs wurde sie beinahe von einer Granate getroffen und sorgte weltweit für Aufsehen, weil sie als Erste von Völkermord sprach. Seither hat sie für ihre Dokumentarfilme nicht weniger als neun Emmy Awards bekommen. Im Jahr 2007 zeichnete die Queen sie mit dem Verdienstorden Officer of the British Empire aus.
Das Londoner Büro von CNN befindet sich mitten in Soho. Die Räumlichkeiten präsentieren sich so, wie man sich das vorstellt: überall Bildschirme und Stimmen, die man vom Fernsehen her kennt. Die für die Medienbetreuung zuständige junge Frau setzt sich ans andere Ende des Konferenztischs. Sie werde sich Notizen machen, «nicht, um Sie zu kontrollieren, sondern nur, weil es uns interessiert, was die Leute denken». Eine vertraute Stimme hallt durch den Korridor. Wenig später betritt Christiane Amanpour mit forschem Schritt den Raum. Ihr Lächeln ist zu gleichen Teilen Zeichen der Freundlichkeit und Signal zum Arbeitsstart.
Die vielleicht berühmteste Journalistin der Welt hat letztes Jahr ihren fünfzigsten Geburtstag gefeiert. Ihre Gesichtszüge sind etwas fülliger geworden, aber die Mimik ist deswegen nicht minder dramatisch. Ihr Gesprächston signalisiert Dringlichkeit. Sie kann kaum warten, bis eine Frage zu Ende gestellt ist, lässt sich nur von einer weiteren Frage unterbrechen. Dabei beweist sie ihr Talent zum Multitasking: Während sie referiert, fällt ihre Halskette auseinander, die ersten Kügelchen springen auf dem Tisch herum. Ohne den Redefluss zu verlangsamen oder mit ihrer temperamentvollen Gestik zu sparen, setzt sie die Kette wieder zusammen.
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