Petra Kröni...
annabelle: Petra Kröni, Sie sind eine der ersten Lebensassistentinnen der Schweiz. Wie assistieren Sie beim Leben?
Petra Kröni: Ich helfe hochbetagten Menschen, ein abwechslungsreiches und selbstbestimmtes Leben zu führen - ohne Agenda und Zeitdruck.
Was bedeutet das konkret?
Es gibt etwa keine fixen Weck- und Essenszeiten, sondern der alte Mensch entscheidet, wie der Tag ablaufen soll. Sagt er etwa «Heute stehe ich erst um zehn Uhr auf», stelle ich mich darauf ein und bespreche dann mit ihm, wie er seine Zeit verbringen will: Ausflüge, Einkaufen, Kultur.
Assistieren Sie auch bei alltäglichen Verrichtungen?
Ja, natürlich. Ich helfe bei der Körperpflege, beim Anziehen und beim Kochen. Zudem unterstütze ich den alten Menschen in Alltagsangelegenheiten oder führe Aufgaben stellvertretend für ihn durch: Ich hole die Zeitung, gehe mit dem Hund spazieren und entferne Stolperfallen wie Eselsohren bei Teppichen. Stürze sind bei alten Menschen die häufigste Ursache für Invalidität. Die gilt es zu vermeiden. Ich zeige meinem Kunden aber auch, wie er nach einem allfälligen Sturz selber wieder aufstehen kann. Dieses Training verleiht mehr Sicherheit und Autonomie.
Sie sprechen von Kunden, nicht von Patienten?
Unbedingt. Denn eine Lebensassistentin ist weder Dienstmädchen noch Ersatztochter oder Freundin, sondern eine speziell ausgebildete Dienstleisterin. Ich achte sehr darauf, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt.
Gibt es Grenzen der Assistenz?
Sexuelle Dienstleistungen. Doch ich besorge gern Hilfsmittel oder Spielzeuge, falls erwünscht. Sinnlichkeit und Sexualität sind für die Lebensqualität zentral - auch im Alter.
Die Lebensassistenz ist ein neuer Beruf und gründet in der Eden-Alternative. Was will die Initiative?
Die Eden-Alternative wurde Anfang der Neunzigerjahre vom Arzt William Thomas in den USA entwickelt und fordert einen Paradigmenwechsel im Umgang mit betagten Menschen. Sie sollen nicht mehr in Heimen versorgt werden, sondern bis zum Schluss möglichst autonom und in vertrauter Umgebung ein lebenswertes Leben führen. Gleichzeitig sollen meine Kunden aber auch ihre Fähigkeiten weitergeben und einen aktiven Beitrag an die Gesellschaft leisten können.
Neuer Lehrgang in Wien
Die Aargauerin Petra Kröni (35) war Hauswirtschaftsleiterin FA und fand über Umwege zum Betreuungsberuf. 2005 liess sie sich im Rahmen eines Pilotprojekts zur Lebensassistentin ausbilden und arbeitete im Wohn- und Pflegeheim Zollikon ZH. Heute leitet sie in Wien die Konzeptarbeit für einen berufsbegleitenden Lehrgang zur Lebensassistenz, der europaweit anerkannt sein wird und auch als E-Learning-Programm angeboten werden soll. Einige Schweizer Pflege- und Altersheime haben begonnen, ihre Arbeitsphilosophie nach der der Lebensassistenz zu Grunde liegenden Eden-Alternative auszurichten.
www.eden-europe.net


















