TV-Kaiser der Schweiz

Text: Stefanie Rigutto
Fotos: Vera Hartmann
Erstellt: 26. November 2009

Er hat mit 3+ geschafft, woran schon Grosskonzerne scheiterten: Ein erfolgreiches Schweizer Privatfernsehen. Beim gemeinsamen Zappen haben wir ihn über sein Rezept, die Konkurrenz und seine Pingeligkeit befragt.

Hallooo! Hallohallohallo», sagt Dominik Kaiser und hält seinen Mund ganz nah an das iPhone, welches das Interview aufnehmen soll. «Es schlägt aus, wie richtig!» Beruhigt lehnt er sich zurück. Wir sitzen auf dem schwarzen Ledersofa in seinem Büro am Stadtrand von Zürich und starren in einen grossen Fernseher, einen sehr grossen. Dominik Kaiser hat seine blonden Haare mit Gel nach hinten gezähmt, er trägt Jeans und weisse Good-Year-Turnschuhe. Sein schwarzes, eng geschnittenes Hemd ist makellos gebügelt («nicht von mir, das käme nicht gut»). Wir wollen mit ihm, dem TV-Profi, durchs Vorabendprogramm zappen. Er hat sich vorbereitet und eine Liste mit Sendungen aus dem Internet ausgedruckt, seine Favoriten mit dem Leuchtstift markiert.

Die Sekretärin steckt den Kopf ins Büro. Dominik Kaiser springt auf. «Pass auf, was du sagst», ruft er lachend, «du wirst aufgenommen!» Sie will sich lediglich verabschieden. Er setzt sich wieder, nimmt die Fernbedienung in die Hand und fragt: «Wie machen wir das jetzt? Stellen Sie mir Fragen?» – «Nein, Sie kommentieren einfach, was wir schauen.» – «Aha, gut.» Er schaltet das Gerät ein. «Also, das ist der Monk. Auf 3+ natürlich. Der Fernsehkommissar mit den meisten Phobien, ein Supertyp, quasi der Nachfolger von Colombo.» Pause. «Ja, das wäre der Monk.» Er drückt weiter, auf SF 1, wo die Spielshow «5 gegen 5» läuft. «Was soll ich dazu sagen?» – «Warum haben Sie es im Programm angestrichen?» – « Mmh, weil es täglich läuft. Und gut läuft. Und weil es unser Schweizer Starmoderator moderiert, Sven Epiney.» Wie findet er den? «Gegen Erfolg kann man nicht viel sagen, oder?» Kaiser beisst in einen Apfel. «Ich hoffe, das schmatzt jetzt nicht zu fest in der Aufnahme!»

Dominik Kaiser, vierzig Jahre alt, hat mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit das erreicht, woran das Verlagshaus Tamedia und Medienprofi Roger Schawinski trotz aller Seriosität gescheitert sind: Er betreibt mit 3+ seit drei Jahren ein nationales Schweizer Privatfernsehen. Diesen September etwa erreichte er 5.3 Prozent Marktanteil und lag damit hier zu Lande gleichauf mit Pro Sieben. Mehr Zuschauer zählten nur SF 1, SF 2 und RTL. Statt ein Vollprogramm wie das gescheiterte TV3 anzustreben, setzt er auf Unterhaltung. Auf US Hitserien wie «CSI: Las Vegas» oder Spielfilme wie «James Bond: Goldeneye» oder «Borat». Daneben lancierte er wenige Eigenproduktionen, etwa «Supermodel», «Bumann, der Restauranttester» oder den Quotenhit «Bauer, ledig, sucht …», von dem Anfang 2010 die vierte Staffel startet.

Auf RTL kommt jetzt «Explosiv». Dominik Kaiser setzt sich gerade hin: «Klatsch! Das finde ich lustig, die reinste Comedy!» Der Bericht dreht sich um einen Hundeladen in Zürich, der Mäntelchen für die Vierbeiner verkauft. Dominik Kaiser rollt mit dem Bürostuhl zum Computer, öffnet die Google-Seite. «Obs den Shop wirklich gibt? Das hat RTL doch nicht nur erfunden!» Der nächste Beitrag: «Miss Brutalo ist wieder da», sagt die Moderatorin. Kaiser: «Ah, Naomi Campbell! Was hat sie wieder angestellt? Das müssen wir jetzt nicht wissen.» Er zappt weiter. «Oha, die Simpsons, die sind auch immer lustig. Leider läuft die Serie nicht auf 3+, sondern auf Pro Sieben und SF 2.»

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