Kunst - Weshalb sind wir Weltspitze?

Bice Curiger über die grosse künstlerische Freiheit in einem kleinen Land.

annabelle: Bice Curiger, warum ist aktuelle Kunst aus der Schweiz momentan international so erfolgreich?
Ganz einfach: weil es hier so viele gute Künstler gibt. Und das ist wirklich ein Phänomen.

Woran liegt das?
Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen ist das Schweizer Ausbildungssystem sehr offen. Anders als etwa in Deutschland gibts hier keine starren Strukturen, die klar definieren, was Kunst ist. Diese Tradition des Autodidaktischen prägt die junge Schweizer Kunst. Sie ist wilder, anarchischer, freier. Zudem haben wir hier eine unglaubliche Dichte von Kunsträumen mit international beachteten Programmen. Optimale Voraussetzungen für junge Künstler, um wahrgenommen zu werden.

Welche Trends sehen Sie in der aktuellen Schweizer Kunst?
Das Wort Trend mag ich nicht, weil Kunst nicht der Logik der Mode folgt. Auffallend aber ist, wie erfolgreich sich die junge Szene derzeit mit der Gründung von neuen Kunsträumen, Projekten oder Galerien eigene Strukturen schafft, in denen sie sich intensiv international vernetzt.

Bice Curiger (61) ist Direktorin der 54. Kunstbiennale in Venedig. Die Zürcher Kunsthistorikerin arbeitet als freie Kuratorin am Kunsthaus Zürich und ist Chefredaktorin der Kunstzeitschrift «Parkett», die sie 1984 mitbegründete.

Lesen Sie auch die Hit-Liste der Schweizer Kunstschaffenden von Dietrisch Roeschmann.

Text: Dietrich Roeschmann

13. Juli 2010

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