DJ Bobo, wie schafft man es 14 Millionen CD's zu verkaufen?
Dazu brauchts etwas Glück, eine gesunde Portion Selbstzweifel und den Willen, immer noch besser zu werden, sagt DJ Bobo.
annabelle: DJ Bobo, wann haben Sie auf dem Weg zum Erfolg Glück gehabt?
Immer. Am Anfang setzte ich einfach zur richtigen Zeit auf die richtige Musik, den Eurodance. Dass dieser Musikstil so populär geworden ist, war reines Glück.
Strategie ist also unwichtig?
Sie wird erst später wichtig, am Anfang versetzt man mit dem Willen Berge.
Man muss also an sich glauben?
Ja, natürlich.
Sie reden öffentlich über Ihre Defizite als Sänger und Tänzer. Wie kann man an sich glauben, wenn man gleichzeitig an sich zweifelt?
Das schliesst sich nicht aus. Ich zweifle ständig an mir. Wenn ich sehe, dass andere besser sind als ich, spornt mich das an.
Glück, Wille, Selbstzweifel, welche Ingredienzen braucht es noch für den Erfolg?
Für mich ist das Wichtigste, dass ich mich mit Leuten verbünden konnte, die gleich gut oder besser sind als ich. Allein kommst du nur bis an einen gewissen Punkt.
Man neigt dazu, sich mit Leuten zu umgeben, die schlechter sind als man selbst.
Ja, es ist auch für mich nicht einfach, auf der Bühne zu tanzen und zu wissen, dass alle Tänzer um mich herum besser sind. Aber ich muss die ganze Show im Auge behalten.
Mussten Sie auf dem Weg nach oben Menschen hinter sich lassen?
Nein, ich bin sehr loyal, will alle mitziehen. Fast alle, die gegangen sind, gingen von selbst.
Will man als Künstler erfolgreich sein, um vom Publikum geliebt zu werden?
Ich glaube, dass alle Künstler irgendwie gestörte Typen sind. Sie holen sich auf der Bühne Liebe und Emotionen, weil sie irgendetwas kompensieren müssen.
Was kompensieren Sie?
Das hat wahrscheinlich mit meiner Kindheit zu tun. Ich denke, ich hatte mehr drauf, als ich zeigen durfte. Deshalb musste ich aus dem Dorf ausbrechen. Ich machte Breakdance, weil ich anders sein und auffallen wollte.
Was verdanken Sie Ihrer Mutter?
Meiner Mutter hat die Tatsache, dass wir Salat aus dem eigenen Garten assen, mehr bedeutet als jeder wirtschaftliche Erfolg. Ihr verdanke ich die Demut vor der Natur und meine bodenständige Einstellung. Ich bin immer dankbar, wenn die Halle voll ist, weil mir bewusst ist, dass es nicht selbstverständlich ist.
Interview: Julia Hofer
14. Juli 2010


























