Sade - Schön, ist sie wieder da
Während ihr Debüt «Diamond Life» 1984 die Welt eroberte, hockten die Paparazzi auf Bäumen, um die schöne Sängerin besser ins Visier zu bekommen. Mit ihren erotisch-rauchigen Fernwehballaden war die damals 25-jährige Sade auf dem besten Weg, ein Superstar in der Grössenordnung von Madonna zu werden. Nur Diplomatie gehörte nicht zu ihren Stärken. «Die Mehrheit der Popstars», so vertraute sie unbekümmert den Journalisten an, «sind in jeder Hinsicht komplette Idioten.»
Auch heute noch gibt sie keinen Deut auf die Gepflogenheiten der Branche. Zwar ist nun endlich ihre neue Platte da, doch seit ihrem letzten Werk «Lovers Rock» sind ganze zehn Jahre vergangen – eine endlos lange Zeit im Popgeschäft. Interviews zum neuen Album gibt sie keine. «Ich bin nicht scheu oder zurückhaltend, ich verbringe meine Zeit nur lieber mit guten Freunden als mit Journalisten.» Immerhin durfte sich die Weltpresse die CD in einem Londoner Edelhotel in Abwesenheit der Sängerin bei teurem Mineralwasser zu Gemüte zu führen. Der erste Eindruck: «Soldier of Love» ist vielleicht das schönste Sade-Album überhaupt. Es knüpft an die zeitlose Eleganz von «Diamond Life» an. Nicht nur die Sängerin, die ganze Band, die aus den immer noch gleichen Musikern besteht, hat an Tiefe, Gefühl und Ausdruck hinzugewonnen.
Sade kam 1959 als Helen Folasade Adu in Ibadan, Nigeria zur Welt und ist die Tochter eines nigerianischen Uni-Dozenten und einer englischen Krankenschwester. Sie wuchs in der englischen Grafschaft Essex auf, damals eine Hochburg der britischen Soulszene, und studierte am Londoner Central Saint Martins Modedesign. Es war in den frühen Achtzigerjahren, als Punk gerade mit allen Konventionen gebrochen hatte und sich in den Klubs von Soho bereits verhaltene Opposition gegen die Punk-Ästhetik rührte. Sade versuchte sich erst als Backgroundsängerin, dann als Frontfrau einer Londoner Neojazz- und Funkband. Sie habe damals nie daran gedacht, Sängerin zu werden, erzählte sie 1985, aber sie habe es genossen, Songs zu schreiben.
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