Interview mit Maje-Gründerin Judith Milgrom

«Die Pariserin folgt keinen Modetrends»

Judith Milgrom ist Mutter und Businessfrau. 2004 gründete sie das französische Modelabel Maje. Wie sie Job und Familie unter einen Hut bringt, verrät sie uns im Interview.

annabelle: Judith Milgrom, Sie arbeiten viel und müssen gleichzeitig an mehreren Fronten präsent sein. Das kann ermüdend sein. Welcher Gedanke bringt Sie morgens aus dem Bett? 
Judith Milgrom: Meine Kinder! Sie geben mir die Energie aufzustehen und den neuen Tag zu meistern.

Wie vereinen Sie Job und Familie?
Die Zeit mit meiner Familie ist mir sehr wichtig. Deshalb braucht es eine gute Organisation und Planung und viel Disziplin, um sich auch daran zu halten. Dabei sind meine Mitarbeiter ein wichtiger Faktor – ich kann mich voll auf mein Team verlassen. Auch wenn meine Tage sehr ausgelastet sind, ist mein Zeitmanagement optimal organisiert.

Und wenn Sie Zeit haben, sich zu entspannen, wo gelingt Ihnen das?
Ich brauche einen grünen Fleck und ein bisschen Freiraum – der Jardin du Luxembourg ist mein idealer Rückzugsort. Ausserdem beruhigt mich das Lesen – dabei geniesse ich jeden Moment. Wenn ich Zeit habe, treibe ich Sport, um die Toxine zu eliminieren.

Und um in Form zu bleiben, oder? 
Ja, dafür gehe ich auch so oft es geht zu Fuss. Die Pariserin geht sehr schnell, und so verbrenne ich Kalorien ohne grossen Aufwand.

Wie sehen Sie die typische Pariserin?
Wenn ich das wüsste! Diese Frage stelle ich mir oft – vor allem, was die Pariserin so einzigartig macht. Ich kann es nur schwer in Worte fassen. Die Pariserin ist nicht perfekt. Sie spielt mit ihren Vorzügen, aber folgt keinen Modetrends, sondern geht ungezwungen mit der Mode um. Anders als die Amerikanerin, die auf einen Total-Look setzt, um sich keinen modischen Fauxpas zu erlauben. Die Pariserin liebt den Stilmix und ist authentisch in ihrem Styling. Sie hat eine Aura, sie fällt auf und ist nicht zu übersehen.

Wer verkörpert diesen Mythos am besten?
Françoise Hardy, Wahl-Pariserin Jane Birkin und ihre Tochter Lou Doillon, die bereits mehrere Male für Maje-Kampagnen posierte.

Und was macht Sie persönlich zur Pariserin?
Ich bin Ende der Achtzigerjahre von Marokko nach Paris gezogen und fühle mich als Pariserin. Paris ist sehr offen für andere Kulturen und Einflüsse. Der Zugang zu Kunst und Kultur ist allgegenwärtig – man kann ins Theater oder ins Kino gehen, eine Ausstellung besuchen oder einfach nur durch die Strassen flanieren und die Geschichte aufnehmen. Und das tue ich oft. Ich liebe es, mit meiner Familie im Jardin du Luxembourg zu spazieren, Stunden auf dem Flohmarkt Puces de Saint-Ouen zu verbringen oder die Galerie Perrotin zu besuchen. Aber es gibt auch die Kehrseite: Ich bin oft zu spät – eindeutig eine schlechte Pariser Angewohnheit!

Sie sind in der Modebranche tätig. Gibt es einen Power-Look, in dem Sie sich besonders wohlfühlen?
Ein Oversize-Strickpullover, ein plissierter Midijupe und ein Offiziersmantel. Mein idealer Begleiter: die Handtasche. Mein persönlicher Favorit ist das Modell M von Maje – diese Tasche lässt sich vielseitig tragen und passt tagsüber im Büro, aber auch abends zum Cocktail. Mein Lieblingsteil und fester Bestandteil meiner Garderobe ist ein figurbetonter Blazer in Schwarz oder Navy sowie eine weisse Bluse. Mein Beautyprodukt ist ein Lippenstift von By Terry – die Pariserin schminkt sich nur sehr diskret.

www.maje.com

annabelle-Paris-Korrespondentin Tanja Ursoleo berichtet für uns regelmässig über das, was die typische Pariserin ausmacht. In ihrem Lifestyleblog Missindustrious.ch lesen Sie weitere spannende Interviews und Backstage-Reports aus der Welt der Mode. 

Interview: Tanja Ursoleo; Foto: Lionel Gasperini

Tanja Ursoleo,
Pariskorrespondentin
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