Preisunterschied

Pink Tax: Wofür Frauen mehr bezahlen

Text: Jennifer Bosshard; Foto: iStock 

Rosa Steuer
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Obwohl Frauen bis zu 20 Prozent weniger verdienen, bezahlen sie im Schnitt mehr Geld für Kosmetikprodukte als Männer.

Duft

Dieses Parfüm kostet für Frauen doppelt so viel: 24.90 Franken bezahlen Männer für 30ml. Bei Frauen ist der Preis gleich, die Flasche enthält aber nur halb so viel Produkt.

Deodorant

Auch beim Deo wird oft beim Inhalt geschummelt: 150 ml vom Produkt für Männer kosten 4.95 Franken. Das Deo für Frauen kostet 4.85 Franken für 75 ml, also fast gleich viel für halb so viel Inhalt.

Bodylotion

Bei Körpercrème ist der Preisunterschied geringer: Für 250 ml bezahlen Männer 3.55 Franken, Frauen zehn Rappen mehr.

Einwegrasierer

Bei Einmalrasierern fällt der Preisunterschied zwischen den Geschlechtern voll ins Gewicht: Pro Stück bezahlen Männer für dieses Produkt 1.05 Franken, bei der Ausführung für Frauen kostet ein Stück umgerechnet 2.25 Franken – also über doppelt so viel.

Augencrème

Damit die Augenpartie schön gepflegt ist, bezahlen Männer für 15ml von diesem Produkt 16.80 Franken. Das vergleichbare Äquivalent für Frauen schlägt hochgerechnet mit 28.20 Franken für 15 ml zu Buche. Auch hier enthält die Version für Frauen weniger Produkt, nämlich nur 10 ml.

Rasierschaum

Auch beim Rasierschaum gibt es Unterschiede bei den Preisen zwischen Frauen- und Männerprodukten: 200 ml von diesem Produkt kosten für Männer 24.90 Franken. In der «weiblichen» Variante des Schaums sind nur 150 ml enthalten. Frauen würden für die gleiche Menge doppelt so viel bezahlen: 49.80 Franken.

Friseur

Auch beim Haareschneiden bezahlen Frauen mehr – auch die mit kurzen Haaren.

Wer schön sein will, muss zahlen – ganz besonders wenn man eine Frau ist: Für die gleiche Menge an Produkt greifen Frauen oft tiefer in die Tasche als Männer. Wir zeigen auf, wo die Unterschiede am gravierendsten sind.

Einen Einwegrasierer für Frauen mit zwei Klingen gibt es für 2.25 Franken. Das gleiche Produkt für die Herren kostet allerdings nur 1.05 Franken. Dieser «Frauenaufschlag» lässt sich bei Körperpflegeprodukten, Kosmetika aber auch bei bestimmten Dienstleistungen feststellen. So bezahlt eine Frau für einen Kurzhaarschnitt in der Regel mehr als ein Mann mit derselben Haarlänge. Aufmerksamen Konsumentinnen wird dies längst aufgefallen sein. Und es gibt einen Namen dafür: Pink Tax, rosa Steuer.

Dabei handelt es sich um ein internationales Phänomen westlicher Industrieländer. Frauen zahlen drauf, und zwar nicht für Inhalt oder Qualität, sondern vor allem für Aufmachung und Design. Das bestätigen deutsche und amerikanische Studien. In Kalifornien, New York und Miami ist das Gender Pricing – also der Preisaufschlag für Frauen – zumindest für Dienstleistungen – mittlerweile verboten. Für die Schweiz liegen derzeit noch keine aussagekräftigen Erhebungen vor.

Laut Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz Schweiz, erweist sich eine fundierte Analyse des Gender Pricing als tückisch: Zwar gibt es eine Tendenz zu höheren Preisen bei frauenspezifischen Produkten und Dienstleistungen, die Preisdifferenz liegt jedoch im einstelligen Prozentbereich. Anders in unserem Nachbarland Deutschland: Hier unterscheiden sich die Preise für Männer- und Frauenprodukte um bis zu vierzig Prozent. Die Frage, ob die Differenz ungerechtfertigt sei, lässt sich – zumindest für den Konsumentenschutz –  nicht abschliessend beantworten.

Eigenes Handeln überdenken

Besonders häufig fällt der Preisunterschied auch deshalb nicht auf, weil sich männer- und frauenspezifische Produkte nicht nur im Design, sondern auch im Inhalt unterscheiden: Damit der Preisaufschlag nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, enthalten die Verpackungen unterschiedlich viel Produkt. In der Packung mit Einwegrasierern für Frauen sind beispielsweise vier Stück enthalten, während es bei den Männern zehn Stück sind. Umso brisanter wirkt diese Diskrepanz angesichts der Tatsache, dass Schweizer Frauen im Durchschnitt noch immer bis zu 20 Prozent weniger verdienen als Männer.

Hauptursache für die rosa Steuer – wir ahnen es – soll das Konsumverhalten der Frau sein. Frauen greifen für Schönheit und Wohlbefinden tiefer in die Tasche als Männer.

Was kann man also tun? Das eigene Kaufverhalten analysieren und bei den Pflege- und Kosmetikprodukten öfter zu den etwas herber duftenden aber ansonsten identischen Männerprodukten greifen. Im Endeffekt bestimmt nämlich einzig und allein die Nachfrage den Markt. Beim Coiffeurbesuch oder in der Textilreinigung ist hingegen Feilschen angesagt. Hier gilt: Selbst ist die Frau!

 

Jennifer Bosshard

Die Praktikantin im Ressort Reportagen gehört zur Generation «Why» und bezeichnet sich als begeisterte Sucherin nach dem Sinn des Lebens. Diesen sucht sie momentan im Journalismus.

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