Meine Meinung

Was Hänschen nicht lernt ...

Text: Carolina Müller-Möhl; Foto: Pexels

Unternehmerin Carolina Müller-Möhl darüber, was Menschen zum Erfolg führt – und warum sich geistiges Training über die obligatorische Schulzeit hinaus lohnt.

Was ist der Unterschied zwischen erfolglosen und erfolgreichen Menschen? Die erfolglosen Menschen lernen in der Schulzeit, nehmen ihren ersten Job an und hören dann auf, sich weiterzubilden. Erfolgreiche Menschen hingegen hören nie auf zu lernen. Sie bilden sich fort, bleiben stets neugierig und versuchen, sich durch lebenslanges Lernen kontinuierlich neue Fähigkeiten anzueignen. Leider haben das viele noch nicht verstanden, was ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Denn – wir wissen es ja – Gehirnjogging hält gesund und verlängert das Leben! Sogar der Gesetzgeber ist nun in dieser Sache aktiv geworden.

In unserer Bundesverfassung ist die Weiterbildung bereits als Sozialziel festgehalten, und seit dem 1. Januar gilt zudem das neue Weiterbildungsgesetz. Es richtet sich zwar primär an die Anbieter, appelliert aber in einzelnen Bestimmungen auch an die Verantwortung der Individuen. So soll die Weiterbildung als Teil des lebenslangen Lernens im Bildungsraum Schweiz gestärkt werden.

Frei nach dem Motto «Your command is my wish», habe ich Anfang Jahr einen Executive-Kurs an der Singularity University in der Nähe von Palo Alto im Silicon Valley besucht. Singularity möchte einige der grössten Herausforderungen der Menschheit – wie Armut, Bildung, Energie, Gesundheit, Umweltzerstörung, Wasserknappheit und die Besiedlung des Weltraums – lösen und stellt insbesondere die Frage, wie man eine Milliarde Menschen positiv beeinflussen kann. Geschehen soll dies mithilfe «exponentieller Technologien» wie künstliche Intelligenz, Neurowissenschaft, Robotik oder Nanotechnologie. Die Botschaft, die von der Singularity University in die Welt hinausgeht: Wer denkt, er habe Zeit, der irrt. Technologischer Fortschritt geschieht nicht linear, sondern exponentiell.

Unter dem Titel «Lifelong learning – how to survive in the age of automation» argumentierte im Januar auch der «Economist», dass die rasante Entwicklung der Informationstechnologien uns alle dazu zwinge, laufend neue Kenntnisse zu erwerben. Stichwort Coding, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Digitalisierung beschleunige zwar die Schaffung heute noch unbekannter Jobs, aber auch die Zerstörung bestehender Arbeitsplätze. Einige Schätzungen gehen gar davon aus, dass bis zu fünfzig Prozent aller aktuellen Jobs verloren gehen könnten. Genau deshalb sind immer mehr übergreifende Kompetenzen wie Kreativität oder Innovation gefragt. Ganz abgesehen von der zweifellosen Nützlichkeit von Wissen macht Lernen auch grossen Spass. Davon bin ich nicht erst seit meinem Besuch an der Singularity University überzeugt!

Wie und was man sich neu aneignet, ist letztlich eine Frage des persönlichen Interesses. Denn lebenslanges Lernen kann neben dem Kurs an der Universität eine ganze Palette an weiteren Formen bedeuten: selbstständiges Lernen mit Fachliteratur, Lernen am Arbeitsplatz, E-Learning, Lernen beim Zeitungslesen, Reisen oder Erforschen anderer Kulturen. Entscheidend ist nicht die Lernform, sondern die Motivation. Geistiges Training ist ein Verhalten, welches jede und jeder entwickeln kann. Oder wie es schon Mark Twain sagte: «Menschen, die nicht lesen, haben keinen Vorteil gegenüber Menschen, die nicht lesen können.»

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