Kinderwunsch

Wollen Frauen lieber Töchter als Söhne?

Redaktion: Helene Aecherli; Text: Helene Aecherli, Kerstin Hasse, Leta Honegger, Leandra Nef; Foto: iStock

Egal, Hauptsache gesund, sagen Schweizerinnen. So entspannt ist man aber nicht überall.

«Der spezifische Wunsch nach einem Jungen oder einem Mädchen taucht bei uns sehr selten auf. Viel wichtiger ist es den Paaren, ein gesundes Kind zu bekommen», sagt Simone Kobler, Gynäkologin am Kinderwunschzentrum Baden. Aus ihrem privaten Umfeld wisse sie aber, dass sich einige Frauen eher ein Mädchen wünschten. Zu diesem Ergebnis kommt auch der «Tages-Anzeiger». In einer nicht repräsentativen Umfrage gaben 46 Prozent der 2035 befragten Frauen an, sich beim ersten Kind ein Mädchen zu wünschen. Nur jede Fünfte wünscht sich explizit einen Buben. Hauptgrund: Die Frauen hoffen, mit einem Kind, das das gleiche Geschlecht hat wie sie selbst, mehr gemein zu haben. Statistiken zu Adoptionen bestätigen die Präferenz für Töchter jedoch nur bedingt. 2015 wurden in der Schweiz 159 Buben und 170 Mädchen adoptiert.

Dass sich der Wunsch nach Töchtern und derjenige nach Söhnen in westlichen Nationen die Waage halten, zeigen Zahlen zu In-vitro-Fertilisationen aus Mexiko, wo Eltern das Geschlecht ihres Kindes auch aus nicht medizinischen Gründen wählen dürfen: Laut dem Microsort-Labor in Mexiko-Stadt, das Spermien entsprechend den Kundenwünschen sortiert, wurden zwischen 2010 und 2016 49 Prozent Samples mit Spermien bestellt, aus denen weibliche Embryonen, 48 Prozent aus denen ein Bub entstehen soll. 3 Prozent der Samples waren gemischt. In der Schweiz liegen dazu keine Zahlen vor, da jede Art von In-vitro-Geschlechtsbestimmung nur zulässig ist, wenn dadurch Erbkrankheiten abgewendet werden können.

In weiten Teilen der Welt aber gelten weibliche Nachkommen noch immer als Last. Weibliche Föten werden deshalb oft abgetrieben. Laut Bevölkerungsfonds der Uno kamen in China zwischen 1990 und 2010 rund 23 Millionen weniger Mädchen als Buben zur Welt, in Indien waren es gut 13 Millionen.

 

Helene Aecherli

Die Redaktorin will Menschen sicht- und hörbar machen, deren Stimme kaum wahrgenommen wird. Sie ist getrieben von einer fast pathologischen Neugier. Ihre bevorzugten Themen: Naher Osten, Gender, Medizin und Sexualität.

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