Editorial von Silvia Binggeli

Meine Hochzeit in Marrakesch

Text: Silvia Binggeli; Foto: Flavio Leone

annabelle-Chefredaktorin Silvia Binggeli über die Magie Marrakeschs und über Herzensangelegenheiten.

Schon Wochen vorher weiss ich, was ich anziehen werde. Etwas, in dem ich mich wohl fühle, aber auch etwas, das diesem grossen Moment gerecht wird, der Szenerie, der Hochzeit in Marrakesch. Marokko, nicht mein zweites Heimatland, aber Afrika, eine Herzensangelegenheit.

Die Temperaturen werden schon in dieser Vorsommerzeit gegen dreissig Grad steigen, mich beschwingen, nach leichten Kleidern verlangen, die den entspannten Körper umspielen. Tausendundein Eindruck, Farben, Düfte, ein Gefühl, das schnell weit weg vom Alltag trägt – und ebenso schnell nah zu einem selbst.

Die Gäste sind aus verschiedenen Ecken der Welt gestaffelt in der Woche zuvor angereist, haben Zeit, sich in Ruhe zu beschnuppern. Wer hier ist, will hier sein, hat Geld für die Reise in die Hand genommen, eine Entscheidung, die verbindet.

Am Vortag der Trauung sitzen wir mittags gemeinsam im Schatten eines riesigen 200-jährigen Pistazienbaums auf niedrigen Hockern an runden Tischen, am Boden von der Sonne ausgebleichte farbige Teppiche, gefüllte Auberginen auf den Tellern, den Geschmack von Arganöl und Aufregung am Gaumen. Wir lachen, erzählen und sinnieren. Abends schaukeln wir gemeinsam zu Jazzklassikern, wir sind eingespielt. Ab und zu muss ich mich kurz zurückziehen – auch viele schöne Eindrücke können tiefes Durchatmen einfordern.

Am nächsten Tag wundert sich längst niemand mehr, dass genau zehn Minuten vor dem Ja der leicht bewölkte Himmel aufbricht und über uns eine kitschig-schöne blaue Stunde freigibt. Später tanzen wir unter dem Sternenhimmel dem Morgen entgegen. Und ich denke: So viel hippiesken Rausch ohne Einfluss von Fremdsubstanzen hat die Welt noch nicht gesehen!

Sicher, eine über Monate bis ins kleinste Detail vorbereitete Hochzeit in Marrakesch ist glamourös und beeindruckt. Was die Tage aber wirklich beseelt, sind die Menschen, die sich mit Haut und Haar auf dieses Abenteuer eingelassen haben. Ich fühle mich tags darauf tatsächlich vom Haaransatz bis zum kleinen Zeh glücklich und denke: Was für ein perfekter Einstieg in die kommenden Wochen! Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Sommer mit vielen einzigartigen Stunden unter Freunden, wo auch immer und wie auch immer.

Übrigens: Meine eigene Hochzeit steht noch in den Sternen.

Silvia Binggeli,
Chefredaktorin
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