Karrieretipps

«Meine grösste Stärke? – Mein Hirn!»

Text: Kerstin Hasse; Fotos: Win Summit

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Patrizia Laeri, Moderatorin und Wirtschaftsredaktorin bei SRF:

«Personal Branding ist wichtiger denn je.»

Yvonne Bettkober, Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft:

«Ich nehme meine Aufgaben sehr ernst und mich selbst weniger ernst.»

Adrienne Fichter, Journalistin:

«Ich warte nicht lange, ich mache einfach.»

Anna Pfeiffer, Grafikerin und Unternehmerin:

«Wir müssen uns vernetzen und Leitern bilden, bis ganz nach oben.»

Vered Raviv-Schwarz, COO von Fiverr:

«Um erfolgreich zu sein, muss man seiner Leidenschaft folgen und das machen, was man liebt.»

Wies Bratby, Juristin und Firmengründerin:

«Kennen Sie Ihren Wert und lernen Sie, wie Sie diesen Wert kommunizieren können.»

Der eigenen Leidenschaft folgen, sich spezialisieren und vor allem: den eigenen Wert kennen. Wir haben sechs erfolgreiche Karrierefrauen nach ihren Tipps gefragt. 

Am ersten Women Inspiration Network Summit* haben wir die sechs Speakerinnen des Events nach ihren persönlichen Karrieretipps, nach ihren Erfolgsrezepten und Stärken gefragt – Tipps und Tricks von Expertinnen aus der Businesswelt. 

Partrizia Laeri, Moderatorin

Die Wirtschaftsredaktorin und Moderatorin beim Schweizer Fernsehen setzt sich für die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt ein.  

annabelle.ch: Was ist Ihre grösste Stärke?
Parizia Laeri: Mein Hirn.

Was war die grösste Hürde, die Sie in Ihrer Karriere bisher überwinden mussten?
Als Mutter im Land mit dem teuersten Betreuungssystem der Welt und fehlenden Tageskindergärten und -schulen weiterhin berufstätig zu sein.

Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Das tun, wofür man brennt. Feuer und Leidenschaft für die Sache bringt einen am weitesten.

Welchen Ratschlag würden Sie einer jungen Frau geben, die sich für einen Job in Ihrer Branche interessiert?
Suchen Sie sich ein Fachgebiet, werden Sie Expertin darin, positionieren Sie sich entsprechend auf Social Media, werden Sie zum journalistischen Influencer. Personal Branding ist wichtiger denn je.

Wie können sich Frauen in der Medienbranche gegenseitig unterstützen?
Keine Frau, kein Mann kam je allein an die Spitze. In der Firmenwelt gibt es bereits eine positive Korrelation: Firmen, die auf mehr Verwaltungsrätinnen setzen, haben auch mehr operative Kaderfrauen. Frauen ziehen also Frauen nach. Das gilt auch für die Medienbranche. Frauen können bei Vakanzen stets Kandidatinnen empfehlen. Frauen sollten gezielt Artikel und Reportagen von Frauen retweeten, teilen und weiter verbreiten. Es lebe die Netzwerkökonomie.

 

Yvonne Bettkober, Director Specialist Team Unit bei Microsoft

Yvonne Bettkober ist in einem afrikanischen Township aufgewachsen, heute arbeitet sie in der Geschäftsleitung von Microsoft. 

annabelle.ch: Was ist Ihre grösste Stärke?
Yvonne Bettkober: Meine Grösste Stärke ist meine Begeisterungsfähigkeit. Ich verliebe mich in inspirierenden Ideen und werde zur Überzeugungstäterin, die dann auch viele andere anstecken und für die Sache begeistern kann.

Was war die grösste Hürde, die Sie in Ihrer Karriere bisher überwinden mussten?
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist ein sehr genau austariertes Equilibrium, dass immer wieder neu justiert werden muss. Glücklicherweise erlaubt unsere Firmenkultur grosse Flexibilität

Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Ich nehme meine Aufgaben sehr ernst und mich selbst weniger ernst. Vielleicht eine Mischung aus afrikanischer Gelassenheit und deutscher Disziplin.

Welchen Ratschlag würden Sie einer jungen Frau geben, die sich für einen Job in Ihrer Branche interessiert?
Erstens: unbedingt machen! Das ist gerade bei Frauen oft die grösste Hürde, weil wir oft zu selbstkritisch sind. Tech ist gerade in Zeiten der Digitalisierung eine absolut spannende Branche und sie sucht händeringend nach Mitarbeitern. Was gerade Frauen oft übersehen ist, dass in unserer Industrie sehr fortschrittlich und flexibel gearbeitet wird; die Präsenzkultur verschwindet zunehmend. Was man mitbringen muss sind ein gutes Verständnis für Technologietrends und ihrer Implikationen für Unternehmen aller Grössen, viel Neugier und den Willen permanent Neues zu lernen.

 

Adrienne Fichter, Journalistin 

Fichter ist begeistert von der digitalen Welt – diese Leidenschaft hat sie sich als Redaktorin bei der Republik und Autorin zum Beruf gemacht. 

annabelle.ch Was ist Ihre grösste Stärke?
Meine Neugier für das Unerforschte kombiniert mit politischem Denken. 

Was war die grösste Hürde, die Sie in Ihrer Karriere bisher überwinden mussten?
Unsicherheit und Durstrecken während meiner Zeit in einem Web-Start-up.

Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Ich warte nicht lange, ich mache einfach. 

Welchen Tipp würden Sie einer jungen Frau geben, die sich für einen Job in Ihrer Branche interessiert? 
Setzen Sie einen Blog auf, schreiben Sie über Ihr Thema, zögern Sie nicht, beginnen Sie heute. Und schmeissen Sie sich mit Elan in die Hard-Politics-Felder. Suchen Sie eine inspirierende Mentorin (oder einen inspirierenden Mentor), die Sie wirklich fördern möchte. 

Wie können sich Frauen in der Medienbranche gegenseitig unterstützen? 
Indem sie in Sitzungen und in Gesprächen aufeinander Bezug nehmen und sich online retweeten. 

 

Anna Pfeiffer, Grafikerin und Gründerin ihres eigenen Unternehmens Five Skincare 

Die Grafikerin hat im letzten Jahr den Schritt gewagt und ein eigenes Naturkosmetikunternehmen gegründet. 

annabelle.ch: Was ist Ihre grösste Stärke?
Anna Peiffer: Ich kann mich schnell in Themen einarbeiten und ich vertraue auf meine Fähigkeiten.

Was war die grösste Hürde, die Sie in Ihrer Karriere bisher überwinden mussten?
Projektprobleme lassen sich meistens irgendwie meistern. Aber einzusehen, dass eben nicht alle Konflikte lösbar sind, weil Menschen unterschiedliche Rucksäcke tragen und verschieden sind, ist für mich immer wieder schwer.

Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Ich gehe immer meinen eigenen Weg und investiere sehr viel Zeit und Leidenschaft in meine berufliche Tätigkeit, ziemlich unabhängig davon, was gerade die aktuelle Aufgabenstellung ist.

Welchen Tipp würden Sie einer jungen Frau geben, die sich für einen Job in Ihrer Branche interessiert? 
Seien Sie neugierig, seien Sie ehrgeizig, stellen Sie Ansprüche an sich und an Ihren Job. Und dies ganz unabhängig davon in welche Branche Sie gehen. 

Wie können sich Frauen in der Medienbranche gegenseitig unterstützen?
Wir müssen uns vernetzen und Leitern bilden, bis ganz nach oben.

 

Vered Raviv-Schwarz, COO von Fiverr

Die Juristin hat die Branche gewechselt und ist heute COO des grössten Onlinemarktplatzes für freischaffende Dienstleister.

annabelle.ch: Was ist Ihre grösste Stärke 
Vered Raviv-Schwarz: Ich glaube nicht an die grösste Stärke, ich denke, es geht vor allem darum, die eigenen Stärken und Schwächen richtig einzusetzen und so das Potenzial unserer Möglichkeiten zu optimieren. Wenn ich das in Stärke übersetzen müsste, würde ich sagen, es ist meine Stärke, Risiken einzugehen und schnelle Entscheidungen zu treffen. 

Was war die grösste Hürde, die Sie in Ihrer Karriere bisher überwinden mussten?
Eine Karriere in der Start-up-Welt bringt eine ganze Reihe von Hürden mit sich. Man muss sich ständig selbst beweisen. Ich habe von einer Anwaltskanzlei in ein Tech-Unternehmen gewechselt. Ich musste mich von Beginn an in vier verschiedenen Firmen beweisen und dabei neue, grössere Rollen einnehmen, die ich bis dahin noch nicht innegehabt hatte. Die Start-up-Welt ist risikoreich, manche Unternehmen haben Erfolg, andere nicht. Die Dynamik ändert sich ständig und man muss sich auf einen steinigen Weg vorbereiten. 

Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Es gibt meiner Meinung nach drei wichtige Säulen. Erstens: Harte Arbeit – es gibt nichts umsonst, man muss in die eigene Karriere investieren und sich engagieren. Zweitens: Gehen Sie Risiken ein. Man kann nicht wachsen, wenn man sich nicht aus seiner Komfortzone bewegt und mit dem noch Unbekannten experimentiert. Wenn ich die Möglichkeit hatte eine neue Rolle, neue Verantwortung oder eine neue Branche einzunehmen, sagte ich immer Ja. Drittens: Bauen Sie Beziehungen auf. Manche Leute nennen es «Networking», aber meiner Meinung nach gewinnt man, wenn man wichtige Beziehungen mit Kolleginnen und Kollegen, Business-Partnern oder Mentorinnen und Mentoren eingeht.

Welchen Tipp würden Sie einer jungen Frau geben, die sich für einen Job in Ihrer Branche interessiert? 
Gehen Sie keine Kompromisse ein. Um erfolgreich zu sein, müssen Sie Ihrer Leidenschaft folgen und das machen, was Sie lieben. Wenn Sie das tun, dann wird sich alles andere ergeben. 

Wie können Frauen in der Medienbranche sich gegenseitig unterstützen?
Es gibt viele Wege. Eine Möglichkeit ist es, Vorbilder zu schaffen – indem man selbst den Mund öffnet, indem man anderen Frauen die Möglichkeit gibt, aufzutreten und indem man den Erfolg anderer Frauen in der Branche hervorhebt. Vor allem in der Medienindustrie ist es zudem wichtig nicht zu vergessen, dass man die Macht hat, sein Publikum zu beeinflussen und dessen Perspektive zu verändern. Ich glaube zudem an Mentorenarbeit und in professionelle Netzwerke, in denen Frauen von dem Wissen und der Expertise anderer Frauen profitieren können. In meinem Berufsfeld treffe ich auf viele junge Unternehmerinnen und Managerinnen und ich versuche mein Bestes, um Ihnen das Werkzeug zu geben, um erfolgreich zu sein. 

 

Wies Bratby, Juristin und Gründerin der Firma Women In Negotiation

Die Juristin coacht Frauen in ihrer Firma, damit sie ihre Lohnverhandlungen erfolgreicher führen. 

annabelle.ch: Was ist Ihre grösste Stärke?
Wies Bratby: Wenn ich Leidenschaft für etwas empfinde, schaffe ich es auch, Leute mitzureissen.

Was war die grösste Hürde, die Sie in Ihrer Karriere bisher überwinden mussten?
Ich musste lernen zu verstehen, wo und wie ich meinen Wert einbringe. 

Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Kenne deinen Wert UND lerne, wie du diesen Wert kommunizieren kannst. 

Welchen Tipp würden Sie einer jungen Frau geben, die sich für einen Job in Ihrer Branche interessiert? 
Ich würde jeder Frau in jeder Branche dazu raten, dass sie lernt über ihren Wert zu verhandeln. Das gelingt, indem man Selbstvertrauen aufbaut – und danach fragt.

Wie können Frauen in der Medienbranche sich gegenseitig unterstützen?
Indem sie unentwegt sich gegenseitig aufbauen, sowohl untereinander als auch gegen aussen im Gespräch mit anderen Leuten. 

 

*annabelle ist Medienpartner des WIN Summit. Der Anlass soll Frauen aus der Medienbranche miteinander vernetzen. 

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihre Generation gerade stellt. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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