Interview

«Ich habe immer auf ein Gilmore-Girls-Comeback gehofft»

Text: Kerstin Hasse; Fotos; Netflix

Drei Gilmore Girls vereint:
Mutter und Tochter:
Gilmore Power:
Drei Generationen:
Eine einzigartige Stadt:
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Drei Gilmore Girls vereint:

Am 25. November kehren die Gilmore Girls auf Netflix zurück. Emily (Kelly Bishop, links), Lorelai Gilmore (Lauren Graham, Mitte) und Rory Gilmore (Alexis Bledel) setzen sich in vier Kapiteln unter anderem mit Richard Gilmores (Edward Herrmann) Tod auseinander.

Mutter und Tochter:

«Die Dynamik zwischen Lorelai und Emily ist noch die gleiche wie früher», sagt Emily-Darstellerin Kelly Bishop im Interview.

Gilmore Power:

Die vier neuen Netflix-Kapitel widmen sich jeweils einer Jahreszeit. Die letzte Folge enthält die berühmten vier letzten Worte, die Serienschöpferin Amy Sherman-Palladino schon vor Jahren niederschrieb und seither wie einen geheimen Schatz hütete. Da die Serie 2007 überraschend abgesetzt wurde, werden diese Worte von der Gilmore-Fangemeinde sehnlichst erwartet. 

Drei Generationen:

Kelly Bishop spielt Emily Gilmore, eine stolze, reiche Frau, die nicht verstehen kann, dass sich ihre Tochter Lorelai für ein anderes Leben entschied, als sie und ihr Mann Richard es vorgesehen hatten.

Eine einzigartige Stadt:

Die Fans dürfen sich auf viel Verrücktheit aus Stars Hollow freuen: Kirk, Miss Patty, Babette, Luke und auch Rorys Ex-Flammen Dean, Jess und Logan tauchen in den vier Episoden auf. (#TeamJess) 

Die Gilmore Girls sind zurück! Am 25. November startet die Miniserie «A Year in the Life» auf Netflix. Wir haben mit Kelly Bishop, die in der Serie die Grossmutter Emily Gilmore mimt, über das Comeback gesprochen.

Ich sass in meinem Jugendzimmer, das ich mir im Untergeschoss meines Elternhauses einrichten durfte. Weisse Backsteinwände, Stereoanlage und – der absolute Wahnsinn – der alte Röhrenfernseher meines Bruders. Die Fernbedienung hatte einen Wackelkontakt, man musste immer zweimal ganz schnell auf den Einschaltknopf drücken, damit das kleine rote Lämpchen am Fernseher auch wirklich aufleuchtete. Irgendwann ertönte das erleichternde Klicken, dann schwarzweisses Rauschen. Ich legte die Dvd ein und tauchte ein – in die Welt der Serie «Gilmore Girls», in die Welt von Stars Hollow, von Lorelai und Rory. Die Serie hatte ich in Italienferien mit meiner Cousine entdeckt und trotz der schrillen italienischen Synchronstimmen wusste ich, das gefällt mir. Als ich mir zurück in der Schweiz die erste Staffel von «Gilmore Girls» kaufte, war ich 13 Jahre alt. 40 Franken gab ich aus, ein gefühltes Vermögen.

Für alle, die die Serie nicht kennen: «Gilmore Girls» erzählt die Geschichte von Lorelai Gilmore und ihrer Tochter Rory. Lorelai, die aus gutem Hause stammt, wird mit 16 Jahren schwanger und verlässt kurz darauf ihr Zuhause, um sich ohne die Hilfe ihrer reichen Eltern Emily und Richard ein eigenes Leben in der Kleinstadt Stars Hollow aufzubauen. Die Serie setzt ein, als Rory selbst 16 Jahre alt ist, und beschreibt die freundschaftliche Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die Hochs und Tiefs in deren Liebesleben und die familiären Spannungen im Clan der Gilmores – all das mit sehr viel Witz, Charme und Koffein. 

Jeder hat so ein Jugend-Ding, so ein Buch, eine Filmreihe, eine Serie, die für immer mit dem eigenen jugendlichen Ich verbunden ist. Bei mir waren es die «Gilmore Girls». Ich selbst war eine von ihnen, denn wie sie liebte ich es, Kaffee zu trinken – oder trank ich vielleicht sogar Kaffee wegen der Girls? Ich war fasziniert von dieser Welt, die Serienschöpferin Amy Sherman-Palladino zeichnete. Ich mochte die goldenen Blätter von Stars Hollow, das «Lalala» im Hintergrund, die schlauen, schnellen Dialoge, die meiner eigenen mitteilungsbedürftigen Art entsprachen, die gebündelte Frauenpower, ich liebte Kirk und Lulu, Sookie und Jackson, Emily und Richard, Paris und Doyle und natürlich Lorelai und Rory. Und eigentlich ist die Vergangenheitsform hier völlig unangebracht, denn all das liebe ich heute noch immer. Umso schmerzvoller war es, als ich erfuhr, dass die Serie eingestellt wird. Einfach so. Das war 2007. Überraschend, denn die letzte ausgestrahlte Staffel zeigte nicht das geplante Ende der Serie. Noch Jahre danach googelte ich nach News, aber ausser Blogs, in denen Fans die Geschichte selber weiterschrieben, fand ich nur unglaubwürdige Gerüchte über mögliche Spin-offs oder Kinofilme. Ich hatte die Hoffnung schon verloren, als ich erfuhr, dass Netflix vier weitere Folgen von «Gilmore Girls» produziert. Endlich kriegen wir also unser wohlverdientes Ende. Die Aufregung war gross und wurde auch nicht kleiner, als ich ein Interview mit Kelly Bishop führen durfte, die die Grossmutter Emily Gilmore in der Serie gibt.

annabelle.ch: Kelly Bishop, ich bin eigentlich in der Schweiz aufgewachsen, ein bisschen aber auch in Stars Hollow. Sind Sie sich bewusst, dass Ihre Figur Emily Gilmore eine Grossmutter und Mutter für Frauen rund um den Globus ist?
Kelly Bishop: Nein, das habe ich mir noch nie so überlegt, aber ich mag diese Vorstellung sehr. Ich schätze all meine Enkel! Die Identifizierung mit diesen Figuren ist der Grund, weshalb diese Serie funktioniert. Ich erlebe es auch immer wieder, dass Leute zu mir kommen und sagen: Emily ist wie meine Mutter, oder: Emily erinnert mich an meine Ehefrau. Dann muss ich lachen und sage: Es tut mir leid, dass Sie keine nettere Frau haben. Emily ist keine einfache Person, das mag ich ja gerade an der Rolle. Als ich das Skript zum ersten Mal las, kam mir alles sehr bekannt vor. Meine Grossmutter war sehr ähnlich zu meiner Mutter wie Emily zu ihrer Tochter Lorelai. Und ich durfte mit meiner Mutter eine ähnliche Beziehung geniessen wie Rory mit Lorelai. Deshalb hat die ganze Geschichte sehr viel Sinn für mich gemacht, als ich zum ersten Mal das Skript gelesen haben.

Ihre Kollegin und Lorelai-Darstellerin Lauren Graham erzählte einmal in einem Interview, dass Sie schon vor vielen Jahren während der Dreharbeiten wussten, dass «Gilmore Girls» eine Serie ist, die die Zuschauer noch lange lieben werden. Sie behielten recht, die Fangemeinde ist auch nach dem Ende der Serie im Jahr 2007 weitergewachsen. 
Ich bin froh, dass Lauren sich an dieses Gespräch erinnert – ich höre mich sehr schlau an (lacht). Ich glaube, dass ich ein gutes Gefühl für die Reaktion von Zuschauern habe, ich kann einschätzen, ob eine TV-Serie funktioniert oder nicht. «Gilmore Girls» ist sehr gut geschrieben, das macht die Serie so einzigartig. Es gibt ein Sprichwort in Hollywood, das heisst: Die Bühne ist das Medium des Schauspielers, der Film das Medium des Regisseurs und Fernsehen das Medium der Autoren. Gutes Fernsehen ist nicht möglich ohne ein gutes Drehbuch. Die Charaktere bei Gilmore Girls sind so liebevoll und genau gezeichnet und glücklicherweise auch ausgezeichnet besetzt worden. Die Dialoge sind sehr witzig, sehr clever und manchmal richtig seltsam – aber auch das macht sie aus. Ich war von Beginn an überzeugt, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert sein werden von dieser Show. Ich bin froh, dass es so gekommen ist, wie ich vermutet habe.

Das Ende der Serie 2007 Jahren kam sehr überraschend. Seither wünschten sich Fans ein Revival. Haben Sie geglaubt, dass es dazu kommen wird?
Ich hatte seit dem überraschenden Ende damals eine sehr enge Beziehung zu Amy Sherman-Palladino, wir haben oft gemailt, und wenn sie in New York war, haben wir uns zum Mittagessen getroffen. Bei jedem Treffen habe ich sie auf dieses Thema angesprochen. Ich habe sie jahrelang dazu gedrängt, einen Film zu machen. «Sex and the City» bekam einen Film und der kam sehr gut an, also sagte ich ihr: Wir sollten das auch machen. Warner Bros. war nie richtig von dieser Idee überzeugt, und erst durch Netflix und die andauernde Popularität der Serie auf der ganzen Welt konnte sich auch Warner Bros. dafür erwärmen. Ich bin absolut entzückt und erfreut über dieses Netflix-Revival. Und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie befriedigend es ist, von Leuten aus der ganzen Welt zu hören, dass sie diese Serie lieben. 

Der Trailer für das Revival ist bereits erschienen. Darin sehen wir Emily Gilmore in Jeans und T-Shirt, ein überraschender Anblick, kennen wir doch sonst nur in Costume und Perlenkette. 
Ja, anscheinend überrascht das wirklich sehr viele Menschen, ich habe so viele Rückmeldungen auf diese kurze Szene erhalten! Alle Leute fragen mich, was dahintersteckt. Es gibt einen bestimmten Grund, weshalb ich Jeans und Shirt trage, und natürlich werde ich den nicht verraten. In voller Länge ist die Szene grossartig. Es war schwierig sie zu drehen, sie ist sehr lang, viele Leute kommen darin vor, aber es ist ein wirklich guter Moment – alles ist ein bisschen verrückt.

Was wir wissen ist, dass Emily durch den Tod ihres Mannes Richard mit einer grossen Trauer umgehen muss. Leider mussten Sie auch im echten Leben Abschied nehmen von Richard-Darsteller Edward Herrmann, der 2014 gerstorben ist. 
Ja, das stimmt. Ich habe ihn unglaublich vermisst auf dem Set, weil wir wirklich gute Freunde waren und wir immer sehr gut zusammenarbeiten konnten. Ihn zu sehen und in seiner Nähe zu sein, war immer eine grosse Freude für mich.

Was würde er über die Netflix-Serie «A Year in the Life» sagen?
Oh, wenn Ed hier wäre, wäre er überglücklich. Er hätte die Chance sofort gepackt und mitgemacht. Er hätte es geliebt, und ich denke, egal wo er jetzt gerade ist, er hat wahrscheinlich schon alle Folgen gesehen, denn jetzt kann er ja tun und lassen, was er will. Er hat bestimmt seine Freude gehabt. 

Die Liebe zwischen Emily und Richard berührte einen als Zuschauerin in den ersten sieben Staffeln immer sehr.
Es gibt verschiedene Momente in diesen vier neuen Kapiteln, in welchen man diese Liebe auch spürt. Es ist schön geschrieben, sehr berührend, ohne aber melodramatisch zu werden. Edward ist nicht mehr bei uns, aber er ist sehr wohl präsent in diesen Folgen. Der Verlust von Richard verändert Emilys Reise komplett. Und deshalb fühlt sich auch an, als ob er doch noch ein Teil der Serie ist, auch wenn er es leider nicht mehr ist.

Die Beziehung zwischen Emily und ihrer Tochter Lorelai hat sich über die sieben Staffeln weg sehr verändert, nur langsam schienen sich die beiden anzunähern. Wie geht es ihnen heute?
Sie befinden sich noch fast am gleichen Punkt wie damals, nur mit einer anderen Garderobe, denn beide sind älter geworden. Manchmal verstehen sie sich, dann driften sie wieder vor lauter Missverständnissen auseinander. Die Zuschauerinnen werden sich wieder sehr gut an diese Beziehung erinnern können, die Dynamik ist gleich geblieben.

Die meisten Fans wissen, dass die Serienschöpferin und Drehbuchautorin Amy Sherman-Palladino schon vor vielen Jahren die letzten vier Worte der letzten Szene für die Serie niedergeschrieben hat. Seit dem abrupten Ende «Gilmore Girls» werden diese Worte sehnlichst erwartet. Sie haben sie gehört. Sind sie gut?
Tatsache ist, dass diese Worte nicht im Skript zu den neuen Kapiteln stehen, sondern einfach die Bemerkung: Und die letzten vier Worte werden gesprochen. Ich habe etwas gehört auf dem Set, weiss aber nicht, ob es wirklich die letzten Worte waren. Wir werden uns also alle gedulden müssen. Mehr werde ich nicht verraten.

Gilmore Girls: A Year in the Life, ab dem 25. November auf Netflix. 

 

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Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihre Generation gerade stellt. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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