Filmkritik

Ein Must-See für alle: «Die göttliche Ordnung»

Text: Barbara Achermann

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Nora (Marie Leuenberger, rechts) und Vroni (Sibylle Brunner) an einer Frauendemo in Zürich

Nora versucht, ihr Dorf für das Frauenstimmrecht zu begeistern

Als die Frauen streiken, bestellt Hans (Maximilian Simonischek) seine Frau zur Aussprache

Nora, Theresa (Rachel Braunschweig) und Vroni am Pussy-Seminar in Zürich

Happy End: Hans, Nora und ihre beiden Söhne

annabelle-Redaktorin Barbara Achermann über «Die göttliche Ordnung», den neuen Film zum Schweizer Frauenstimmrecht.

Vergessen Sie 1291 und 1848. Die Zahl, die Sie sich merken müssen, ist 1971. Es ist das wichtigste Datum der Schweizer Geschichte, denn in diesem Jahr begann das patriarchale Regime zu bröckeln, das Frauen wie Kinder behandelte. Nachdem die Männer das Frauenstimmrecht einige Male abgelehnt hatten, sagten sie 1971 mehrheitlich Ja.

Wir jüngeren Frauen und Männer, die damals noch nicht auf der Welt oder noch Kinder waren, wir wissen nicht, wie sich das anfühlte. Aber mit Petra Volpes Film «Die göttliche Ordnung» kriegen wir eine Ahnung davon. Wir spüren im Kinosaal diese oppressive Stimmung, unter der auch Männer mitlitten, diese kleinen Gesten der Herabsetzung und Geringschätzung, die für unsere Mütter und Grossmütter Alltag waren. So von wegen: Das verstehst du nicht. Oder: Hol mir noch ein Bier. Junge Frauen, die rebellierten, kamen ohne Gerichtsverhandlung ins Gefängnis, wollte eine Frau arbeiten, brauchte sie eine Bewilligung des Ehemanns, Vergewaltigung in der Ehe war legal.

An der Filmpremiere schnäuzten einige Zuschauende die Nase. Weil es unglaublich wütend und traurig macht, dass dieses System derart lange aufrechterhalten wurde. Und weil wir es bis heute nicht geschafft haben, es ganz abzuschaffen, sodass Frauen und Männer gleiche Chancen und Pflichten haben: etwa gleich viel verdienen und mit 65 in Rente gehen. Jede Schweizerin und jeder Schweizer sollte diesen Film gesehen haben. Weil er das wichtigste Kapitel unserer Geschichte erlebbar macht, aber auch weil er unterhaltsam ist, klug und spannend. Ab 9. März im Kino. «Die göttliche Ordnung» gewann Ende Januar an den Solothurner Filmtagen den Hauptpreis. Für den Schweizer Filmpreis 2017 (Verleihung: 24. März) ist er als bester Spielfilm und Marie Leuenberger als beste Schauspielerin nominiert

Ab 9. März im Kino. «Die göttliche Ordnung» gewann Ende Januar an den Solothurner Filmtagen den Hauptpreis. Für den Schweizer Filmpreis 2017 (Verleihung: 24. März) ist er als bester Spielfilm und Marie Leuenberger als beste Schauspielerin nominiert

Barbara Achermann

Barbara Achermann ist Redaktorin und Reporterin im Ressort Reportagen. Sie möchte Geschichten erzählen, die in die Tiefe gehen und die man auch noch Wochen später gern liest.

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