Luststreifen Film Festival

Zehn Jahre queere Filmkultur

Text: Kerstin Hasse 

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Am Festival Luststreifen in Basel werden Filme aus aller Welt gezeigt:

Von «Hobbyhorse Revolution» aus Finnland ...

... über den Film «Bar Bahar» aus Israel, 

den russischen Spielfilm «The Student»

und den deutschen Dokumentarfilm «Less»

bis hin zum Pornoepisodenfilm «Shutter» zeigt das Festival die Vielfalt queerer Filmkultur

Das Luststreifen Film Festival in Basel feiert in diesem Jahr das zehnjährige Jubiläum. Zeit für zehn Fragen an Festival-Organisatorin Ledwina Siegrist. 

annabelle.ch: Ledwina Siegrist, hätten Sie gedacht, dass das queere* Filmfestival Luststreifen zehn Jahre alt wird?
Ledwina Siegrist: Ich bin nun seit sechs Jahren dabei, und in dieser Zeit hat sich viel getan. Am Anfang lag der Fokus des Festivals vor allem auf homosexuellem Inhalt, das Festival entstand ja auch durch den Einsatz einiger Mitglieder der Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel. Dann hat sich das Festival aber immer mehr geöffnet. Seit ich dabei bin, haben wir stets versucht, die Diversität der Gesellschaft in unserer Filmauswahl zu widerspiegeln. Wir haben viele Grenzen gesprengt, aber auch wenn wir uns über das Jubiläum freuen, ist die Arbeit noch nicht getan. 

Wie meinen Sie das?
Es gibt in der Schweiz noch immer viele Vorurteile und Normen, die den Diskurs bestimmen. Es braucht noch viel mehr Diversität in unserer Gesellschaft. Ich kämpfe für eine Zukunft, in der Menschen weder aufgrund von Geschlecht, Gender, Hautfarbe, Nationalität noch wegen ihres Körpers diskriminiert oder benachteiligt werden. Ich möchte eine Gesellschaft, in der sich alle repräsentiert und sicher fühlen. Wir versuchen unseren Teil beizutragen indem wir Fragen stellen, neue Bilder zeigen und uns durch das Festival am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen.

Und gelingt Ihnen das?
Ich denke schon. Wir können Sichtbarkeit schaffen für die Anliegen der queeren Community in der Schweiz. Wir werfen einen kritischen Blick auf die Geschlechternormen, wir hinterfragen sexuelle Stereotypen und bieten gleichzeitig kulturell hochstehendes Programm, das inhaltlich vielfältig ist. 

Wer trifft sich am Festival?
Wir möchten eine Plattform generieren, einen Ort, der nicht Mainstream ist, an dem sich Sinn- und Kunststschaffende treffen, die sich vernetzen möchten.

Es ist also nicht nur eine Veranstaltung für die Community – ein Szenetreff sozusagen?
Nein, es ist ein Festival für Leute, die neugierig sind, die sich für Kunst und Film interessieren und die sich gleichzeitig Fragen stellen zu den heteronormativen Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterstereotypen. 

Sie erwähnten, dass sich das Festival am Anfang vor allem auf homosexuelle Kultur konzentrierte. Wie stellen Sie das Programm heute zusammen?
Wir sind gewachsen, wir zeigen mittlerweile Filme aus der ganzen Welt, und jährlich werden mehr internationale Filme eingereicht. Ich reise zudem an Festivals in ganz Europa auf der Suche nach Filmen, die zu uns passen könnten. Mittlerweile zeigen wir Spiel-, Dokumentar- und Kunstfilme. Ausserdem haben wir für das Festival stets einen Fokus. 

Was ist der Fokus in diesem Jahr?
«The Future is queer» – eine Anspielung auf die Diskussionen und Protestmärsche, die es im vergangenen Jahr gab. Der mediale Hype hat dazu geführt, dass die queer-feministische Bewegung selbstbewusster auftritt, und diese Einstellung wollen wir mit unserem Fokus unterstreichen.

Auf welche Filme freuen Sie sich ganz besonders?
Ich freue mich auf ganz viele Filme! Der Dokumentarfilm «Less» zum Beispiel ist sehr spannend. Er befasst sich damit, wie queere und nichtqueere Frauen mit der Diagnose Brustkrebs umgehen. Ein sehr berührender Film, der Geschlechterideale hinterfragt. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Festivals?
Unser Ziel ist es natürlich, eine Veränderung im gesellschaftlichen Diskurs zu erreichen. Ich hoffe, dass das Festival wachsen kann, und weiter an Aufmerksamkeit gewinnt und damit auch die Sichtbarkeit der queeren Kultur zunimmt. 

Luststreifen heisst das Festival – gibt es denn auch lustvolle Streifen zu sehen?
Viele unserer Filme befassen sich mit Sexualität und sexueller Identität – es ist aber kein Sexfilm-Festival. Wer Lust auf nackte Haut hat, kann sich die Liquid Porn Shorts ansehen, das sind erotische Kurzfilme für Erwachsene, die mit gängigen sexuellen Machtstrukturen brechen und Körperdiversität zeigen. Auch spannend ist der Episodenporno «Shutter» der Fotografin Goodyn Green, der explizit Lust und Sexualität zelebriert. 

*Der englische Begriff queer beschreibt eine Geschlechtsidentität, die von der gesellschaftlich verbreiteten heterosexuellen Norm abweicht. 

Ledwina Siegrist (28 ) ist seit sechs Jahren für die Filmprogrammation beim Luststreifen Film Festival verantwortlich. Das Festival startet heute, 28. September, und dauert bis Sonntag, 1. Oktober. Die Filmvorführungen finden zum ersten Mal an zwei Spielorten statt, im Neuen Kino Basel und im Kult.Kino Camera. Weitere Infos hier

 

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin findet Menschen und ihre Geschichten spannend. Egal ob die Geschichte traurig oder schön, klein oder gross ist – sie erzählt sie gern.

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