Kurz gefragt

Warum kann Sport Krebs vorbeugen?

Redaktion: Helene Aecherli; Foto: iStock / Catherine Lane

Warum kann Sport Krebs vorbeugen?
  • 76 400 Frauen lebten im Jahr 2015 in der Schweiz mit einer Brustkrebsdiagnose. Bei rund 51 800 waren zu diesem Zeitpunkt bereits fünf und mehr Jahre seit Diagnosestellung vergangen, etwa 24 600 befanden sich noch in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose. Die gute Nachricht: Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt 85 Prozent. 10 Jahre nach der Diagnose leben noch knapp 70 Prozent der von Brustkrebs betroffenen Frauen. Quelle: Schweizerischer Krebsbericht 2015, nicer.org

Wir haben bei Jean-Marc Lüthi, Chefarzt des Onkologiezentrums Thun-Berner Oberland und Sportlehrer, nachgefragt. 

«Sport aber auch andere körperliche Aktivitäten wie Hausarbeit können sich auf Krebskrankheiten wie folgt auswirken: Sie ver- mindern das Risiko, an Krebs zu erkranken oder, falls schon eine Erkrankung besteht, einen Rückfall zu erleiden. In einer unheilbaren Situation kann Sport den Verlauf der Krankheit verbessern, Nebenerscheinungen der Therapie lindern, die Lebensqualität erhöhen, das Leben sogar verlängern. Warum Sport diese Wirkung hat, weiss man nicht genau. Studien zeigen aber, dass körperliche Aktivität bei allen Krebserkrankungen entzündungshemmend wirkt und den Insulinstoffwechsel beeinflusst. Letzteres ist wichtig, weil Insulin als Wachstumsfaktor gilt. Doch nicht nur Insulin, sondern auch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen – ebenfalls ein Tumorwachstumsfaktor – wird durch Sport reduziert. Dies ist gerade im Zusammenhang mit Brustkrebs zentral, denn gut achtzig Prozent der Brusttumore zeigen eine Hormonabhängigkeit. Zudem beugt Sport Übergewicht vor, einem der Risikofaktoren für Brust- und andere Krebsarten. Und: Sport hat positive Auswirkungen auf die Psyche und wirkt antidepressiv. Fünfmal pro Woche eine Stunde für sportliche Aktivitäten sollte das Ziel sein. Doch Vorsicht, zu viel kann einen gegenteiligen Effekt haben: Ist die körperliche Belastung beim Sport so hoch, dass man danach total erschöpft ist, schadet das dem Immunsystem mehr, als wenn man sich gar nicht bewegt.»
 

Helene Aecherli

Die Redaktorin will Menschen sicht- und hörbar machen, deren Stimme kaum wahrgenommen wird. Sie ist getrieben von einer fast pathologischen Neugier. Ihre bevorzugten Themen: Naher Osten, Gender, Medizin und Sexualität.

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