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Wohnen unterm Dach: Guya Marini im Zürcher Chräis Chäib

Wohnen unterm Dach: Guya Marini im Zürcher Chräis Chäib

Text: Rebekka Kiesewetter; Fotos: Rita Palanikumar

Unterm Dach hat sich Guya Marini vom Modelabel Ikou Tschüss ein helles, buntes Zuhause eingerichtet – mit Freund, Kind und Hund mitten im sündigen Zürcher Chräis Chäib.

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    Der weisse Anstrich am Deckentäfer hat Helligkeit in die Dachwohnung gebracht.

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    Jedes Bild erzählt eine Geschichte.

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    Trägt die Handschrift der Ikou-Tschüss-Designerin: Tochter Ymas Sofa mit den vielen Häkelkissen.

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    Die ECM-Espressomaschine in der Küche zeugt von hoher Kaffeekultur im Hause Marini.

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    Art in Progress: Noch ist Pascal Möhlmanns Yma-Bild auf dem Klavier fast leer.
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    Im Sommer wie eine zweite Wohnung: Die private Dachterrasse.
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    Im Kräutergärtlein ist gut chillen: Hündin Tara.

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    Der weisse Anstrich am Deckentäfer hat Helligkeit in die Dachwohnung gebracht.

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    Jedes Bild erzählt eine Geschichte.

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    Trägt die Handschrift der Ikou-Tschüss-Designerin: Tochter Ymas Sofa mit den vielen Häkelkissen.

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    Die ECM-Espressomaschine in der Küche zeugt von hoher Kaffeekultur im Hause Marini.

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    Art in Progress: Noch ist Pascal Möhlmanns Yma-Bild auf dem Klavier fast leer.
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    Im Sommer wie eine zweite Wohnung: Die private Dachterrasse.
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    Im Kräutergärtlein ist gut chillen: Hündin Tara.

Dass Guya Marini, Co-Gründerin des Modelabels Ikou Tschüss, Ästhetin durch und durch und Nomadin aus Leidenschaft, gerade an einem Ort sesshaft geworden ist, der weder besonders schön noch besonders charmant ist, mag erstaunen. Doch Wohnen hat viel mit Ankommen zu tun. Und Ankommen mit Annehmen. Und Annehmen wiederum mit Einrichten: Wer sich zum Beispiel nie mit dem Seventies-Ausbau – inklusive brauner Täferdecke, Neo-Parkett und Plättlihorror in Küche und Bad – seiner Wohnung anfreundet, obwohl er weiss, dass ihm nicht erlaubt ist, daran etwas zu ändern, hat schon verloren.

Und wer seine Wohnung aus oben genannten Gründen nur als Durchgangsstation auf dem Weg zum Traumschloss sieht, der wird stets im Provisorischen verhaftet bleiben und sein Heim nie mit dem ganz eigenen Stil prägen, der aus einem Fussboden, Wänden und einem Dach ein Zuhause macht.

Leuchtend bunte Kissen
Manchmal muss man sich, wenn die Vorteile überwiegen, mit weniger Optimalem abfinden. Und – wie Guya Marini – das Beste draus machen: Sie hat zum Beispiel die Täferlatten weiss gestrichen, obwohl sich der Hausbesitzer dagegen gesträubt hat. Sie nutzt die Helligkeit der Räume und hebt sie hervor, indem sie weitgehend auf Jalousien verzichtet, Lichtreflexe auf Bilderverglasungen spielen lässt und überall leuchtend bunte Kissen drapiert.

Guya Marini ist angekommen, denn die Gründe, die für ihre Dachwohnung sprechen, sind einige. Die Familie: die dreijährige Yma, die ganz in der Nähe eine tolle Krippe besucht, der Lebenspartner Alex, der in Zürich seine eigene Firma hat; die Lage: im Zürcher Kreis 4, ohne Garten natürlich, dafür mit privater Dachterrasse; das Inseldasein auf dem Dach; das Gefühl, zwar mittendrin, aber doch weit vom Lärm des Langstrassenquartiers zu sein; die Helligkeit; die Ruhe; die Ähnlichkeit zu Paris, Guya Marinis Wahlheimat während 15 Jahren und immer noch ihre erklärte Lieblingsstadt. «Hier im Vieri», sagt sie, «kommt Zürich Paris am nächsten, ist die Stadt multikulti und nicht so gepützelt.»

Langstrassenquartier
Bunt und international ist das Langstrassenquartier, das stimmt. Aber es gibt viele, die mit Kindern dort nicht leben möchten. Zu wenig Grün, zu unsicher, die Beizen, die Betrunkenen, die Drogen, die Etablissements. «Als Yma noch im Kinderwagen sass, waren diese Pornotafeln, die die Striplokale, Sexkinos und Bordelle auf den Trottoirs platzieren, genau auf ihrer Kopfhöhe. Das hat mich sehr gestört. Deshalb bin ich in die Etablissements in der Nähe unserer Wohnung gegangen und habe die Betreiber darum gebeten, die Schilder erst nach neun Uhr morgens aufzustellen. Nach Krippenbeginn also. Und das haben sie gemacht.

Man muss halt mit den Leuten reden. Der Kreis 4 ist ein Quartier von Eigenbrötlern, die alle ihr eigenes Ding machen. Trotzdem sind sie kommunikativ. Netzwerke entstehen auf freundschaftlicher Basis, sind selten mit ökonomischen Interessen verbunden, Kooperationen ergeben sich spontan.» Wird das auch so bleiben, wenn die Mega-Überbauung Europaallee, die sich vom Hauptbahnhof bis weit in den Kreis 4 hinein ausbreitet, erst fertiggestellt ist? «Ich weiss es nicht», sagt Guya Marini, «aber viele der kleinen Geschäfte werden wohl zugrunde gehen. Mit der Gleichmacherei, die mit der Europaallee zwangsläufig verbunden ist, geht wohl viel Spontaneität verloren.»

Die Geschichtenerzählerin
Apropos Eigenbrötler: Hat Guya Marini Kontakt zu den anderen Mietern im Haus? «Nein. Ausser zum Maler Pascal Möhlmann, der ein guter Freund ist. Ausser ihm und uns wohnen hier eine Frau, die jeden Tag wandern geht, einer mir Rennrad, einer mit Hund, ein schweizerisch-thailändisches Ehepaar.» Guya Marini kennt ihre Mitmieter zwar nicht, aber sie ist aufmerksam. Und wie das bei guten Beobachtern oft der Fall ist, ist sie eine Geschichtenerzählerin. Auch in den bunten Kleider- und Accessoires-Kollektionen, die sie zusammen mit Carmen D’Apollonio seit 2006 entwirft.

Die Kissen, die riesig sind und die aus dem, was eigentlich ein normales Ess- und Wohnzimmer ist, einen besonderen, bunten und hellen Raum machen, sind fast alle aus diesen Kollektionen. Da gibt es Motive des italienischen Sommers, Glacefarben, Sumoringer, Hunde, die aussehen wie Wölfe, Waldszenen und Früchte. «Ich mag unsere Dessins gern um mich haben, kaufe keine Einrichtungsgegenstände einfach nur so», sagt Guya Marini. «Zu allem, was hier in der Wohnung ist, habe ich eine besondere Beziehung, auch wenn es vom Flohmarkt ist. Dort kaufe ich ab und zu Dinge, weil ich sie schön finde, und freue mich dann darüber, dass sie mal irgendwo anders standen. Alles, was hier ist, erzählt eine Geschichte.»

Die Geschichte ihrer Familie zum Beispiel oder die vom internationalen Freundeskreis der Familie. Die kleinen Foto-Ensembles, die in allen Räumen hängen. Die Holzstühle: «Mein Vater hat sie restauriert. Er ist ein begnadeter Handwerker. Meine Mama hat gemalt, und er hat die Rahmen für die Bilder gemacht. Seine Hände habe ich geerbt. Auch seine Lust am Machen. Ich konnte schon als Kind nichts ganz lassen, musste immer alles zerschneiden und umändern. Mein Vater hat mir auch das Nähen beigebracht.»

Wollknäuel, Fotos und ein Yma-Bild
Die Wollknäuel auf dem Fenstersims: «Ich habe sie selber gefärbt und kann auch zuhause die Hände nicht stillhalten.» Das kleine Sofa in Ymas Zimmer: «Während meiner Schwangerschaft habe ich fleckige Schaumstoffelemente, die ich auf der Terrasse gefunden habe, umhäkelt.» Ymas Sternli-Bettwäsche: «Die hat ihre Gotte Pia Rykart (www.francisebet.ch) gemacht.» Das Yma-Bild auf dem Klavier: «Der Künstler Pascal Möhlmann malt an einem Bild, das immer weitergeht. Yma wird ihm alle drei Jahre Modell sitzen, bis die ganze Leinwand voll ist.» Eines der Fotos: «Der Fotograf Tobias Madörin hat es mir zum Geburtstag geschenkt.» Das Regal im Essbereich: «Es ist von Inch Furniture. Wendelin Hess, der die Möbel im Westflügel verkauft, ist ein sehr guter Freund.»

Guya Marini scheint tatsächlich angekommen zu sein in Zürich. In Paris hat sie nach wie vor viele Freunde, Firmenpartnerin Carmen D’Apollonio lebt in New York. «Wir besprechen uns meistens über Skype. Bei Ikou Tschüss läuft sehr viel von Zürich aus. Das Atelier ist gleich hinter dem Laden an der Ankerstrasse. Gefertigt werden die Ikou-Tschüss-Sachen in Heimarbeit in einem Dorf in Bosnien.»

Die Heimat: Italien
Guya Marinis Eltern sind, nach langen Jahren in der Schweiz, wieder nach Italien zurückgekehrt; die Verbindung zu ihren Wurzeln zu behalten, ist für Guya wichtig. Mit Yma spricht sie deshalb italienisch. Und sie sagt: «Ich kann mir gut vorstellen, wieder mal an einem anderen Ort zu leben. Wo? Das kann ich nicht sagen. Dort, wo es mich hinzieht. Aber im Moment ist Zürich perfekt für uns.»

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