Willkommen auf der Welt

Willkommen, Dren !

Dren ist Albanisch und heisst junger Hirsch. Drens Eltern sind aus Kosovo, doch kennen gelernt haben sie sich an einer albanischen Miss-Wahl in Luzern.

Drei Tage nach deiner Geburt hast du deinen Namen erst bekommen: Dren. Das ist Albanisch und heisst so etwas wie junger Hirsch. Deine Eltern wollten, dass du einen albanischen Namen bekommst, aber es sollte einer sein, den man nicht immer buchstabieren muss. Wenn deine Mutter – Liridona heisst sie, und das liest sich jetzt sehr leicht – jemandem in der Schweiz ihren Namen sagt und sich nicht einfach Lilli nennt, wird sie immer gefragt: «Wie schreibt sich das?»

Es war spät nachts, und dein Vater fuhr von der Klinik nachhause, nach Obermumpf AG, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Aber siehe da, zur Abwechslung lief kein Fuchs am Strassenrand entlang. Zwei Rehe, die Mama und ein kleiner Bock, überquerten die Strasse direkt vor seinem Auto. Da kam ihm die Idee, dass Dren ein so hübscher wie simpler und eben albanischer Name wäre.

Deine Eltern stammen beide aus Kosovo, aber sie haben sich in der Schweiz kennen gelernt, auf einer albanischen Miss-Wahl in Luzern. Für sie beide ist ihre Herkunft wichtig, und doch war diese Art Partys, auf denen nur Kosovo-Albaner sind und auf denen albanische Bands spielen, nie ihr Geschmack gewesen. Deine Mutter hat ihren Bruder dorthin gefahren und dann eben doch reingeschaut, dein Vater war mit einem Freund da und machte Interviews. Sie waren die Einzigen, die nicht festlich angezogen waren. Vielleicht sind sie sich deshalb gegenseitig aufgefallen. Jedenfalls ging ihre Liebesgeschichte an diesem Abend los, darüber sind sie sich einig. Uneinig sind sie sich nur darüber, wer wen angesprochen hat.

Sie waren eigentlich nicht auf der Suche nach einem Partner aus Kosovo. Sie sind beide mittlerweile auch mindestens halbe Schweizer. Aber sie sind, wie es immer ist, wenn man nicht in seiner Heimat lebt, weil man dort nicht leben kann, innerlich zerrissen. Und so ist es für beide tröstlich, sich gegenseitig zu haben. Auch wenn sie aus Kosovo unterschiedliche Erfahrungen mitgebracht haben. Die Familie deiner Mutter ist lange vor dem Krieg in die Schweiz gekommen, weil die Grossmutter operiert werden musste und diese Operation in Kosovo nicht möglich gewesen wäre. Damals war deine Mutter acht Jahre alt, die ersten Jahre in der Schule waren hart, sie wurde gehänselt, doch dann fing sie an, sich in der Schweiz zuhause zu fühlen.

Dein Vater, Driton, ist mit 16 aus Kosovo weggegangen. Er sollte 1993 ins Militär eingezogen werden, und für die Serben, die die Albaner unterdrückten, in Kroatien gegen die Kroaten kämpfen. Das kam nicht infrage, also floh er über Mazedonien nach Albanien, wo er sich auf ein Schiff nach Italien schmuggelte, fuhr weiter per Autostopp und wurde in Chiasso für ein paar Tage ins Gefängnis gesteckt, bis er in ein Auffanglager kam. Die Schweizer Behörden brachten ihn dann in ein Lager nach Aarau und verständigten seine Eltern, die bereits in der Schweiz waren. 1999, im Krieg dann, meldeten sich dein Vater und sein Bruder freiwillig, um für die Albaner gegen die Serben zu kämpfen. Doch sie wurden nicht an der Front gebraucht, sondern an den Rechnern. Sie verstanden etwas von Informatik, und im Krieg ist es besonders wichtig, dass die Informationen weiter im Fluss bleiben. Ein Glück, dass es so gekommen ist, vielleicht wärst du sonst ein ganz anderer. Oder gar nicht da.


Dieser Text erschien in der annabelle 05/11
Text: Gabriela Herpell
Foto: Elisabeth Real

Soft Creme von NIVEA

Hilft sofort, reinigt sanft und versorgt gestresste und irritierte Babyhaut mit langanhaltender Pflege.

Mehr infos