Willkommen auf der Welt

Willkommen, Lara Mia !

Lara Mia hat als Frühchen die ersten Wochen ihres Lebens im Spital verbracht. Ihre Mutter hatte grosse Angst um sie gehabt – und dann Vertrauen gefasst.

Um ein Haar wäre es schiefgegangen. Schwangerschaftsvergiftung. Aber wer weiss so etwas schon? Deine Mutter, die mit ihren erst 22 Jahren natürlich nicht von werdenden Müttern umgeben war, hatte wohl davon gehört. Aber welche Symptome die Krankheit genau hat, wusste sie nicht. Oder woher sie überhaupt kommt.

Bis zur 32. Schwangerschaftswoche war alles super gelaufen. Aber dann: Wasser in den Beinen, geschwollenes Gesicht. Deine Mutter war schlapp, ihr war übel, Rückenschmerzen, aber das kann ja mal vorkommen. Eine Grippe, dachte sie und schleppte sich zur Verabredung mit ihrer Freundin. Die einzige, die schon ein Kind hatte. «Du siehst furchtbar aus», sagte sie erschrocken. «Du musst zum Arzt. Vielleicht hast du eine Schwangerschaftsvergiftung.»

Am Morgen danach fühlte sich deine Mutter noch elender. Der Frauenarzt schaute sorgenvoll und schickte sie ins Kantonsspital St. Gallen. Dort erkannten sie den Ernst der Lage. Sie versuchten, die Geburt um zwei Tage zu verzögern, um der Mutter Spritzen zur Förderung deiner Lungenreife geben zu können. Doch am nächsten Morgen, am 3. Dezember – dein Vater, der unbedingt bei der Geburt dabei sein wollte, war gerade zur Arbeit gefahren –, wurden deine Herztöne schlechter. Sie warteten mit dem Kaiserschnitt nur noch, bis dein Vater auf schnellstem Weg zurück war.

«Wäre meine Freundin nicht gewesen», sagt deine Mutter, «wäre Lara heute nicht hier. Und ich vielleicht auch nicht mehr.» 1555 Gramm hast du gewogen, als sie dich geholt haben. Dein ganzer Körper war noch mit Flaum bedeckt. Sie haben dich für zwei Wochen in einen Brutkasten auf der Frühchenstation gelegt. Am Anfang, sagt deine Mutter, hätte sie schon Angst gehabt, dass du stirbst. Aber dann hat sie Vertrauen gefasst. Trotzdem konnte sie nachts nicht ruhig schlafen, denn sie musste Milch für dich abpumpen, dreimal jede Nacht. Als würde sie stillen, nur dass du halt nicht gemütlich neben ihr lagst, sondern im Kinderspital, wohin sie dich nach der Zeit im Brutkasten gebracht hatten. Deine Mutter ist jeden Tag zu dir gekommen und hat dich auf ihren Bauch genommen. Dabei musste sie darauf achten, dass die Kabel an dir dranblieben. Denn du hast manchmal vergessen zu atmen. Dann ging der Alarm los, und du musstest geweckt werden. Ausserdem wurdest du über eine Sonde zusätzlich ernährt. Du warst einfach zu wenig oft wach, um genug Muttermilch zu trinken.

Am 30. Januar – der eigentlicher Geburtstermin – hast du 3100 Gramm gewogen und warst 49 Zentimeter lang – wie andere Babys, wenn sie geboren werden. Jetzt sieht man dir das Frühchen überhaupt nicht mehr an. Und die Kette mit dem kleinen goldenen Kreuz, die du seit deiner Taufe um den Hals trägst, lässt dich noch älter wirken.

Du bist – und das ist ja ganz selten – die perfekte Mischung aus deinen Eltern: Die Augenpartie ist ganz die Schweizer Mama, Nase, Mund und Kinn sind der portugiesische Papa. Der Papa, der sich für dich und die Mama wirklich und wahrhaftig geändert hat: vom Macho, der sich mit seinen portugiesischen Kollegen vom Bau ständig in Cafés herumtrieb, zum Familienvater, der solche Ausflüge nur noch sehr vereinzelt unternimmt. Dein Vater möchte, dass deine Mutter glücklich ist. Als er aber ständig mit seinen Jungs unterwegs war, hat sie eines Abends gesagt: «Rui, ich bin nicht mehr glücklich.» Das hat gereicht.


Dieser Text erschien in der annabelle 22/10
Text: Gabriela Herpell
Foto: Elisabeth Real

Soft Creme von NIVEA

Hilft sofort, reinigt sanft und versorgt gestresste und irritierte Babyhaut mit langanhaltender Pflege.

Mehr infos