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Willkommen, Massimiliano !
Massimiliano ist in pure elterliche Harmonie hineingeboren worden. Zur Krönung des Glücks hat sein Vater ihm seine neuste Hip-Hop-Platte gewidmet.
Massimiliano! Zwölf Buchstaben hat dein Name – das ist mal eine Antwort auf die Modenamen von heute, die drei, allerhöchstens vier Buchstaben haben: Mia, Lea, Lili, Rosa, Leo, Tim, Ben und so weiter.
Aber dein Name ist nicht nur lang, sondern auch italienisch, weil deine Mutter aus einer sehr italienischen Familie stammt. Sie sagt, sie würde deinen Vater gern heiraten. Sie sagt, sie glaubt, dass dein Vater sie auch gern heiraten würde.Dabei grinst sie frech, denn sie weiss natürlich, dass das genau so ist. Schliesslich hatte dein Vater ihr schon in dem Moment, als er sie zum ersten Mal sah, prophezeit: «Du wirst meine Frau. Ich weiss es.» Was ja eine Ansage ist. Nun wird er wohl recht behalten.
Aber zurück zur italienischen Herkunft: Wenn sie heiraten, wird deine Mutter den Nachnamen deines Vaters annehmen, und wenn du keinen italienischen Vornamen hättest, wäre alles Italienische weg. Und das wäre schlicht undenkbar.
Deine Mutter erzählt, dass du fast im Zug zwischen Bern und Zürich geboren wärst, auf dem Rückweg von einer Party. Ihr habt es noch ins Spital geschafft, deine Eltern allerdings wild kostümiert, ganz im Stil der Achtzigerjahre, das war das Motto der Party. Ein schöner Geburtsmythos.
Deine Mutter erzählt weiter. Wie froh sie ist, dass sie sich gefunden haben, weil sie glaubt, dass sie einfach das richtige, das wirklich richtige Paar sind. Dein Vater, kein Italiener und darum eher still, lächelt in sich hinein. Falls deine Eltern in Zukunft auch nur halb so nett miteinander umgehen wie jetzt gerade, dann sind sie tatsächlich das richtige, das wirklich richtige Paar.
In eurer Küche hängt eine grosse Tafel, auf der mit Kreide geschrieben steht: «Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen werden.» Interessant, dass ausgerechnet Leute, die so gut gelaunt und im Reinen mit sich wirken wie deine Eltern, so einen Spruch in ihrer Küche hängen haben.
Du bist auch ziemlich gut gelaunt. Solange du zu essen hast. Ständig hast du Hunger, sagen deine Eltern, hast seit dem ersten Löffel Brei nach mehr geschrien. Jetzt willst du immer essen, morgens, mittags, abends und dazwischen, wenn es eben geht. Aber das geht natürlich nicht, sagt deine Mutter streng, lacht und tischt sich einen zweiten Teller Nudeln auf. «Wir essen alle so gern.» Und du? Hast die Nudeln längst erledigt und bist, wild entschlossen, auf dem Weg zu den Guetsli im Glas. Dein Vater lenkt dich ab – mit Guetsli ohne Zucker. Es gelingt, denn es ist dir ganz egal, ob die Guetsli mit oder ohne Zucker sind.
Dein Vater ist Musiker und Jurist. Sein Geld verdient er im Rechtsdienst von Schweizer Radio und Fernsehen. Aber mit seiner Musik ist er auch nicht gerade erfolglos. Und stell dir vor: Niemand Geringeres als Lady Gaga hat die letzte Platte seiner Band PVP, die Mundart-Hip-Hop macht, von Platz eins der Schweizer Charts verdrängt. Und stell dir dann auch noch vor: Dein Vater hat dir die Platte gewidmet! Jetzt hofft er sehr, dass Hip Hop noch in ist, wenn Massimiliano Teenager ist.
Dieser Text ist in der annabelle-Ausgabe 13/11 erschienen.
Text: Gabriela Herpell
Foto: Elisabeth Real
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