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Willkommen, Mimi !
Als deine Mutter in St. Gallen studierte, rief deine Grossmutter jede Nacht aus Kamerun bei ihr an und fragte: «Wann bekommst du endlich ein Kind? Du wirst zu alt.» Eine 22-jährige Frau, die noch keine Kinder hat, ist in Afrika fast nicht denkbar.
Nach sechs Monaten in der Schweiz wollte deine Mutter nach Hause zurück. Aber ihre Eltern, selbst Händler, liessen das nicht zu. Sie sollte etwas lernen in dem Land, das ohne Rohstoffe und Kolonien floriert. Aber wie sie das machen sollte – Kinder kriegen und ein Wirtschaftstudium abschliessen –, hatte ihr keiner gesagt.
Deine Mutter hat dann nicht fertig studiert, aber Kinder bekommen. Und Unternehmerin ist sie auch noch geworden, doch nun erstmal zu dir: Sara Marie, genannt Mimi, das vierte Kind, ein Mädchen, ein Wunder. Denn der Kinderarzt hatte deinen Eltern prophezeit, nach drei Jungs – Luca (9), Stéphane Noah (5), Nicolas (3) – sei es nahezu unmöglich, dass aus dir ein Mädchen würde. Als es dann aber doch so kam, freute sich dein Vater wie verrückt. Er fand die Vorstellung toll, nach drei Söhnen sein kleines Mädchen eines Tages zum Traualtar führen zu können. Jetzt kann man nur hoffen, dass du ihm diesen Wunsch irgendwann erfüllst, nicht am Ende ein Hippiemädchen wirst und das Heiraten blöd findest.
Bleiben wir im Hier und Jetzt. Da läuft mitten in Rüschlikon laut afrikanische Kindermusik. Deine drei Brüder, die alle so hübsch aussehen, dass man sie am liebsten gleich mitnehmen würde, tollen in einem Riesenknäuel Kinder im Garten herum. Zwischendurch kommt immer mal wieder einer auf die Terrasse, küsst dich von oben bis unten ab, hebt dich hoch, läuft mit dir ums Haus und legt dich wieder hin. Du lässt das alles mit dir geschehen, guckst nur grossäugig und bewundernd. Ist ja auch toll: drei grosse Brüder, die einen das Süsseste auf der Welt finden. Von nebenan wird Solveig zum Abendessen gerufen. Sie saust los und ist fünf Minuten später wieder da, kaut noch auf ihrem letzten Bissen herum. Bloss nichts verpassen – alle Kinder aus der Nachbarschaft sind schliesslich hier.
Deine Mutter, Francette, ist Mama Afrika. Ihr Haus steht jedem offen, immer. Sogar wenn es frisch geputzt ist. Und mittwochs – hier kommen wir zur Unternehmerin – geht es bei euch zu wie auf einem afrikanischen Markt. Kistenweise werden Früchte ins Lager geliefert, die mit dem Flugzeug aus Kamerun kommen, und für die Zürcher Wochenmärkte verladen. Zu Hause packt deine Mutter auf Bestellung opulente Körbe und verkauft das Obst auch gleich der Nachbarschaft. Und das kam so: Nachdem deine Mutter enttäuscht war von den exotischen Früchten, die sie in Zürich kaufte, rief sie ihre Schwester an, ob sie ihr nicht die guten Mangos von zu Hause schicken könnte. Von denen probierten Freunde, waren begeistert und sagten: Das wäre doch eine Geschäftsidee. Die Frau eines Kollegen deines Vaters packt ebenso gern an wie deine Mutter – «wir sind eben Managerfrauen» –, und so machten sich die beiden mit einem Obstimport selbstständig.
Eine neu gegründete Firma und vier Kinder, das ist schon eine Herausforderung. Aber deine Mutter lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie sitzt, natürlich umringt von Kindern, in der Abendsonne auf der Terrasse, schneidet saftig-süsse Ananas und Mangos in Stücke. Solveig sagt in die Runde: «Seit Francette hier wohnt, kennen wir alle unsere Nachbarn.»
Mehr Infos zum Früchteimport von Mama Francette finden Sie hier.
Dieser Artikel ist erschienen in annabelle 17/10
Text: Gabriela Herpell
Foto: Elisabeth Real
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