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Willkommen, Sienna !
Sienna hat zwei ältere Schwestern, die beide noch sehr klein sind. Manchmal lässt sich das Leben halt nicht planen.
Heute freuen sich alle über dich, liebe Sienna, aber am Anfang deiner Geschichte stand ein Schock. Du warst nicht geplant, jedenfalls nicht so schnell – du bist das dritte Kind in drei Jahren! Als deine Mutter Fabienne vor ziemlich genau elf Monaten um acht Uhr früh den Schwangerschaftstest gemacht hat und sich die blaue Flüssigkeit langsam zu einem deutlichen Plus verdichtete, war deine Schwester Chloe zweieinhalb Jahre und deine Schwester Elodie gerade mal acht Monate alt. Sie konnte noch nicht gehen, nicht reden. Natürlich habe sie gewusst, sagt deine Mutter, dass man nach einer Geburt noch vor dem Auftreten der ersten Regelblutung wieder schwanger werden kann. «Ich bin ja nicht blöd.» Trotzdem haben sie und dein Vater nicht richtig verhütet, nur «aufgepasst » oder, wie sie sich lächelnd korrigiert, «nicht richtig aufgepasst». Als in jenen frühen Morgenstunden das blaue Pluszeichen also dein Leben ankündigte, hat deine Mutter heulend ihre eigene Mutter angerufen – und die hat dann erst mal gratuliert.
Danach hat deine Mutter deiner achtmonatigen Schwester Elodie einen Body angezogen, auf dem stand: Ich werde grosse Schwester. Als dein Vater am Abend nachhause kam, las er die Worte, drehte sich zu deiner Mutter um und fragte: «Ist das wahr?» Er fand es super, von Anfang an. Seine Freude war so ansteckend, dass deine Mutter ihre Sorgen vergass. Manchmal braucht es eben zwei, damit man sich freuen kann.
Und tatsächlich, es ging alles gut. Die Geburt war unproblematisch, du bist ein pflegeleichtes Baby. Okay, für Schwester Elodie war es anfangs nicht einfach. Nach so kurzer Zeit schon ein kleines Schwesterchen zu erhalten, das fand sie nicht lustig. Sie hat dich in den ersten Wochen sogar zu schlagen und beissen versucht.
Deine Mutter wirkt bewundernswert gelassen. Sie öffnet ein Gummibärlipäckli ums andere – wenn Erwachsene sich unterhalten wollen, haben Mütter so ihre Tricks. Bis sie, immer noch die Ruhe selbst, Nein sagt. Das war dann das letzte Gummibärchen.
Ihren Job hat deine Mutter längst aufgegeben. Wenn sie vierzig Prozent arbeiten würde, müssten deine Eltern für die drei Krippenplätze 2500 Franken bezahlen. So viel würde deine Mutter gar nicht verdienen! Sie mochte ihren Job in der Personalabteilung einer grossen Firma. Aber draufzahlen, nur damit sie arbeiten kann? Die Kinder um sieben in die Krippe bringen; von Remetschwil, wo ihr wohnt, eine Stunde nach Zürich fahren und dann ohne Mittagspause arbeiten, damit sie um fünf wieder loskann, um die Kleinen abzuholen? Man merkt, sie hat sich das genau überlegt. Es lohnt sich weder finanziell noch sonst wie. Deine Mutter sagt: «Das Zusammensein mit meinen Kindern gibt mir mehr als jeder Job.»
Das glaubt man ihr, vielleicht gerade weil sie manchmal Sätze sagt wie «Wenn ich heute eine Schwangere sehe, bin ich froh, dass ich das hinter mir habe». Oder: «Ich war nicht darauf vorbereitet, dass einen Babys ständig vollkotzen.» Sie lacht ihr entspanntes Lachen, während sie dir den Nuggi sanft in den Mund schiebt. Diesmal werde sie sich eine Spirale einsetzen lassen, sagt sie. «Wir sind komplett.»
Dieser Text erschien in der annabelle-Ausgabe 15/11
Text: Julia Hofer
Foto: Elisabeth Real
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