Lustvoller Monat

Was passiert mit unseren Hormonen, wenn wir uns verlieben?

Harvard-Professorin Jacqueline Olds erklärt, woher die Schmetterlinge im Bauch wirklich kommen.

Wenn wir uns verlieben, flutet der Neurotransmitter Dopamin – im Volksmund als Glückshormon bekannt – das Belohnungszentrum unseres Gehirns. Das führt dazu, dass wir motivierter sind und so viel Zeit wie möglich mit unserem Schwarm verbringen möchten. Das ist die schöne Seite des Verliebtseins.

Dopamin ist allerdings nicht das einzige Hormon, das sich beim Verlieben in unserem Gehirn breitmacht. Auch Cortisol, ein Stresshormon, wird ausgeschüttet. Es ist dasselbe Hormon, das uns durchströmt, wenn wir vor einem Tiger davonlaufen oder von einer Brücke springen. Bei einer verliebten Person führt es zur subtilen Angst, dass es mit dem Schwarm nicht klappen könnte. Das erklärt auch die berühmten Schmetterlinge im Bauch: Sie sind nichts anderes als ein Ausdruck von Angst in einer Gefahrensituation.

Wenn man diese erste Phase überwunden hat und sich aus dem Verliebtsein eine engere Beziehung entwickelt, kommen weitere Hormone wie Oxytocin und Vasopressin ins Spiel. Diese beiden Hormone werden auch bei einer Geburt ausgeschüttet. Sie führen zu mehr Anhänglichkeit, man möchte der anderen Person nahe sein. Ausserdem kommt man dadurch ein wenig zur Ruhe.

Das Gefühl des Verliebtseins kann übrigens unterschiedlich lang anhalten. Bei einigen hält es einige Monate, es gibt aber auch Menschen, bei denen das Gehirn auf den Partner auch noch nach zwanzig Jahren ähnlich reagiert wie in den ersten Wochen. Das Stresshormon Cortisol verschwindet allerdings mit der Zeit – dadurch verlieren wir nicht nur die ständige Angst, es könnte etwas schiefgehen, sondern leider auch die Schmetterlinge im Bauch.​

Jacqueline Olds ist Professorin für Psychiatrie an der Harvard-Universität in Boston. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie drei Bücher geschrieben unter anderem über lang anhaltende Ehen.

Text: Leandra Nef; Foto:iStock / StockImages_AT

Leandra Nef

Auf dieser Welt gibt es noch so viele Geschichten zu erzählen! Das freut die Reportagen-Praktikantin, die Neues entdecken, verstehen, hinterfragen – und natürlich darüber schreiben möchte. Unkonventionelle Lebensentwürfe und Gender-Themen interessieren sie besonders.

Alle Beiträge von Leandra Nef

Empfehlungen der Redaktion

Newsletter

Das Beste jede Woche in Ihrer Mailbox