Leihmutterschaft

Leihmutterschaft: Unser Baby, made in Ukraine

Text: Barbara Achermann; Illustrationen: Joel Kimmel
 

  • Agenturensuche im Internet. Den Bauch einer Frau zu mieten, kostet etwa so viel wie ein Mittelklasseauto

Von einer Leihmutter ein Kind austragen lassen, das ist illegal – aber gängige Praxis. Unsere Autorin hat ein Schweizer Paar nach Kiew begleitet. Und berichtet über ein boomendes Geschäft, das einige Risiken birgt.

Eine Zunahme von 1000% von Leihmutterbabys

Biotex bietet Bauchattrappen in drei Grössen an. Die runden Silikonkissen können sich Kundinnen aus Westeuropa um die Taille binden. So täuschen sie ihren Bekannten eine Schwangerschaft vor, während eine Frau im fernen Kiew ihr Kind austrägt. Biotex ist eine von mehreren Dutzend Leihmutteragenturen in der Ukraine und eine von Hunderten auf der ganzen Welt. Sie suchen Frauen, die sich gegen Geld die Embryonen eines fremden Paares einpflanzen lassen. Das Geschäft boomt, allein in der Ukraine sind im vergangenen Jahr laut Irtsa, einer anderen Agentur in Kiew, 2000 Leihmutterbabys geboren worden, weltweit wird von einer Zunahme von tausend Prozent in den Jahren 2006 bis 2010 ausgegangen.

Wir begleiten ein Schweizer Paar aus Solothurn

Den Bauch einer Frau zu mieten, kostet etwa so viel wie ein Mittelklasseauto, rund 30 000 Franken. Alice und David (Namen geändert) können sich diesen Betrag ohne Probleme leisten. Das Paar wohnt in einem Dorf in der Nähe von Solothurn, hat ein mittleres Einkommen, zwei Autos und ein eigenes Haus. Heute frühstücken die beiden in einer komfortablen Villa am Stadtrand von Kiew: fünf Schlaf- und drei Badezimmer, Flachbildschirm, WLAN und ein Hausmädchen rund um die Uhr.

Hier und in verschiedenen Wohnungen im Stadtzentrum werden die internationalen Kunden der Agentur Biotex untergebracht. Alice kann keine Kinder bekommen. Sie hatte Krebs, rang mit dem Tod und musste sich Gebärmutter und Eierstöcke entfernen lassen. Im Normalfall werden Ei und Sperma der künftigen Eltern im Reagenzglas zusammengebracht und anschliessend der Leihmutter eingepflanzt. Alice aber benötigte zusätzlich zur Leihmutter eine Eizellspenderin, eine blonde Studentin, die sie aus einem Katalog auswählte.

Warum nicht einfach ein Baby adoptieren?

Sie und David sind ein sympathisches Paar, offen und unkompliziert. Man fühlt mit ihnen, wenn sie von ihrer schrecklichen Krankengeschichte und dem jahrelang unerfüllten Kinderwunsch erzählen. Bloss, weshalb adoptieren sie kein Kind? «Wir haben uns für eine Adoption angemeldet, dann aber umentschieden», sagt sie. «David will seine Gene weitergeben. Und mir war es wichtig, das Kind von Geburt an bei mir zu haben. Wir möchten kein womöglich traumatisiertes Baby.»

In der Schweiz Leihmutterschaft illegal - es wird aber nicht genügend überprüft

Alice und David sind längst nicht die einzigen Schweizer, die sich auf diese Weise ihren Kinderwunsch erfüllen. Zwar ist es in der Schweiz illegal, eine Leihmuttervereinbarung einzugehen, egal, ob im In- oder Ausland. Im Gesetz, das die Fortpflanzungsmedizin regelt, ist von Menschenwürde die Rede. Ein Kind soll nicht wie eine Ware in Auftrag gegeben und gehandelt werden. Recherchen zeigen aber, dass dies trotzdem immer wieder gemacht wird. annabelle hat Kenntnis von gut dreissig Schweizer Kindern, von denen die Behörden wissen oder aufgrund von Indizien stark vermuten, dass sie von einer Leihmutter ausgetragen worden sind.

Und das ist bloss die Spitze des Eisbergs. Denn eine Erfassung aller Leihmutterkinder ist schlicht unmöglich, weil niemand genau hinschaut. Das Verbot wird nicht konsequent angewendet, Auslandgeburten werden nur oberflächlich geprüft. Diese Laisser-faire-Politik der offiziellen Schweiz begünstigt im Ausland einen Babyhandel, der weitgehend unreglementiert und anfällig auf Missbrauch ist. Denn das boomende Geschäft birgt Risiken: Läuft nicht alles reibungslos, endet das Ganze nicht selten in einem menschlichen Drama. Es kommt vor, dass die Leihmutter das Neugeborene behalten will oder Paare ihr bestelltes Baby nicht abholen.

Man kann sich also fragen, ob es überhaupt sinnvoll ist, Leihmutterschaften zu verbieten. Schliesslich ist man in einigen Bundesstaaten der USA der Meinung, ein solcher Deal sei eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die Leihmutter macht ein kinderloses Paar glücklich und bekommt im Gegenzug eine faire Entlöhnung. Auch Sarah Jessica Parker, Nicole Kidman und Elton John liessen ihre Kinder von einer fremden Frau austragen.

Eine von hunderten Agenturen: Biotex in Kiew

In der Villa von Biotex sitzt Sophia auf dem Ledersofa und schaut eine Sportsendung. Sie ist hochschwanger, ihre Füsse sind stark geschwollen, nur die Zehenspitzen passen noch durch die Riemchen der Sandalen. Eine Leihmutter? Sie nickt, hebt zwei Finger und sagt «italian» – sie trage für ein italienisches Ehepaar Zwillinge aus. Einen Stock höher wohnt ein deutsches Ehepaar mit einem Neugeborenen, das eine Leihmutter für sie zur Welt gebracht hat, und ein weiteres Schweizer Paar ist vor ein paar Tagen mit Baby nachhause gereist. In der Küche trinken Alice und David den Kaffee aus, während das Hausmädchen den Tisch abräumt. Sie müssen los, in einer halben Stunde werden sie ihre Leihmutter zum ersten Mal treffen und zum Ultraschall begleiten. Sie ist jetzt im fünften Monat schwanger.

So feudal die Villa, so modern die Klinik, in die Alice und David gefahren werden. Sie liegt auf einem grünen Hügel im Zentrum von Kiew. Mit ihren Türmchen und Erkern erinnert sie an ein russisches Märchenschloss. In der Ukraine sind Leihmutterschaften legal, und es wird offensichtlich viel Geld damit gemacht.

Biotex-Direktor Kopkow Valeriy Semyonowich, ein kleiner Mann mit Schnauz, zeigt die neusten Apparaturen für die In-vitro-Fertilisation. Seine Assistentin übersetzt: Pro Monat werden zwischen 10 und 18 Leihmütter befruchtet. 33 700 Franken kostet das All-inclusive-Paket, darin sind auch Eizellspenden enthalten. Aufgerechnet auf die 2000 Leihmutterbabys des vergangenen Jahres, wurden in der Ukraine mit dem Leihmuttergeschäft 2011 rund 67 Millionen Franken umgesetzt.

Biotex schliesst mit den Kunden einen detaillierten Vertrag ab, der 17 klein bedruckte Seiten umfasst. Die Leihmütter müssen Bluttests machen, um zu beweisen, dass sie weder Alkohol noch Drogen konsumieren und sich gesund ernähren. Sie stehen unter ständiger Kontrolle, die Agentur erkundigt sich täglich, wie es ihnen geht. Auch die Paare dürfen ihre Leihmutter jederzeit anrufen und bekommen alle paar Wochen aktuelle Ultraschallbilder zugeschickt. Die Assistentin sagt, das Team um Semyonowich sei zunächst im Adoptionswesen tätig gewesen, habe dann auf Leihmutterschaften umgesattelt und 2009 die Klinik gebaut.

Wie viele Schweizer holen sich Babys in der Ukraine?

Wie vielen Schweizer Kunden hat Biotex ein Baby vermittelt? Valeriy Semyonowich schliesst einen Aktenschrank auf und zeigt auf rund fünfzig Dossiers. «All denen hier.» Eine Krankenschwester wird später sagen: «Bestimmt über dreissig.»

La Vita Felice, eine Agentur in der ostukrainischen Stadt Charkow, schreibt, sie habe «mehrere Dutzend Schweizer Kunden» betreut. Zwar kann man diese Angaben wegen der medizinischen Schweigepflicht nicht nachprüfen, dennoch erstaunt es, wenn Konsul Jean-Daniel Glauser von der Schweizer Botschaft in Kiew sagt: Man habe bei der Ausreise von Paaren mit Baby bisher erst dreimal eine Leihmutterschaft vermutet, letztmals 2011.

In der Schweiz gibt es statistische Erhebungen darüber, wie viele Feldhasen jedes Jahr von Zügen überfahren werden, aber über die Häufigkeit von Leihmutterschaften gibt es keine Zahlen. Auf Bundesebene ist man offensichtlich noch nicht auf das Thema sensibilisiert. Auch die Öffentlichkeit kennt erst einen einzigen Fall von Leihmutterschaft in der Schweiz, über den das Schweizer Fernsehen vor zwei Jahren berichtete. Also fragten wir direkt bei denjenigen Stellen nach, die für Auslandgeburten zuständig sind: die Zivilstandsämter und die Botschaften.

Von Kanton zu Kanton variiert die Anzahl Fälle stark

Die Botschaften bearbeiteten 21 Fälle, die kantonalen Behörden über 30. Bemerkenswert ist, dass die Zahlen von Kanton zu Kanton stark schwanken. Während Zürich sich noch nie mit einem Verdacht auf Leihmutterschaft befasste, waren es im halb so bevölkerungsreichen Kanton Waadt bereits rund ein Dutzend Fälle. Dort verlässt man sich nicht nur auf die Angaben der Schweizer Botschaft, sondern fordert von den Eltern zusätzliche Informationen, wenn sie etwa von einer Indienreise mit einem Baby zurückkommen.

Auch der Kanton Bern bearbeitete rund 15 Fälle. Doch sie würden längst nicht alle Leihmutterkinder erfassen, sagt Karin Schifferle, Leiterin des Zivilstandsdiensts im Kanton Bern. «Wenn zwei Männer mit einem Neugeborenen einreisen oder die angebliche Mutter fünfzig Jahre alt ist, gehen wir von einer Leihmutterschaft aus. Nicht aber bei jüngeren heterosexuellen Paaren. Es ist uns bewusst, dass die Dunkelziffer hoch ist.»

Das erste Treffen mit der Leihmutter

Alice und David sind beide im zeugungsfähigen Alter. Daher wird sehr wahrscheinlich niemand misstrauisch werden, wenn sie demnächst ihr Baby in die Schweiz mitnehmen. Aber noch denken sie nicht an die Heimreise.

In der Lobby von Biotex in Kiew winkt Alice mit dem Ultraschallbild: «Es ist ein Mädchen!» David strahlt. Die Leihmutter sei sympathisch, sie habe erzählt, dass sie die Bewegungen des Kindes spüre. Trotzdem hat sich Alice plötzlich geschämt: «Sie ist 22 Jahre alt und hat bereits ein zweijähriges Kind. Ich mache mir keine Illusionen. Das Mädchen ist arm und tut es wegen des Geldes.»

Bei Biotex heisst es, die Leihmutter bekomme für ein Baby 6000 Franken. So viel verdienen andere Frauen nicht einmal in zwei Jahren. Das durchschnittliche Monatsgehalt in der Ukraine beträgt 300 Franken.

Leihmutterschaft = Ausnutzung einer wirtschaftlichen Notlage?

Ob ein Leihmutterschaftsdeal die Ausnutzung einer wirtschaftlichen Notlage ist, wird vor allem in Frankreich und den USA kontrovers diskutiert. Kritiker sagen, die Frauen würden zu Produktionsmaschinen degradiert, man spricht von «baby farming». Die psychischen Folgen für die meist jungen Mütter seien nicht absehbar. Befürworter hingegen begrüssen, dass dank der Leihmutterschaft unfruchtbare oder homosexuelle Paare das Kinderglück erleben dürfen und die Leihmütter nicht nur finanziell, sondern auch emotional profitieren.

In amerikanischen Talkshows erzählen glückliche Leihmütter, dass sie einzig aus Nächstenliebe für eine andere Frau ein Baby austragen und auch noch nach der Geburt einen engen Kontakt zu den Kindern pflegen. Seit Hollywoodstars ihre Kinder von Leihmüttern gebären lassen, ist das «baby business» in den USA weitgehend salonfähig. Man geht davon aus, dass es heute gegen 500 Agenturen im Land gibt.

Fakt ist jedoch auch, dass in den meisten Fällen ein grosses ökonomisches Gefälle besteht zwischen Auftraggeber und Leihmutter. Befragungen in verschiedenen US-Bundesstaaten haben ergeben, dass Leihmütter häufig in bescheidenen Verhältnissen leben und schlecht ausgebildet sind – Hispanics, Soldaten-Gattinnen oder Working Poor. Zudem ist das Leihmuttergeschäft kaum reguliert. Immer wieder kommt es zu Gerichtsfällen, weil Leihmütter bei der hormonellen Fruchtbarkeitsbehandlung oder während der Schwangerschaft krank werden, oder weil sie die ausgetragenen Kinder behalten wollen oder das versprochene Geld nie erhalten.

Das Verfahren ist nicht Risikofrei - Betrug kommt nicht selten vor

Die Haager Konferenz für Internationales Privatrecht listet in einem aktuellen Bericht weltweite Missbrauchsfälle auf: Leihmutterschaften, die zu Menschenhandel und Kinderpornografie führten; ein Geschwisterpaar aus Frankreich, beide über 60, das ein Leihmutterkind bestellte, um seine Erbschaft zu sichern; oder eine Israelin mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium, die ein Kind in Auftrag gab und kurz vor der Geburt starb. In den USA berichteten die Medien von der Besitzerin der Leihmutteragentur Surro Genesis, die mit dem Geld ihrer Kunden untertauchte, ohne Arztkosten oder Leihmütter bezahlt zu haben. Eine Leihmutter liess daraufhin das Kind abtreiben.
Auch Alice und David hatten zunächst Pech. Bevor sie nach Kiew kamen, versuchten sie in Charkow, über die bereits erwähnte Agentur La Vita Felice ein Kind zu bekommen. Zweimal wurden ihrer Leihmutter angeblich mehrere befruchtete Eizellen eingepflanzt, doch sie soll alle nach wenigen Tagen oder Wochen wieder verloren haben. Das zumindest hat man dem Paar erzählt. «Vielleicht sind wir aber auch betrogen worden. Soll ja häufig vorkommen», sagt David. Die meisten Agenturen zahlt man ratenweise. Alice und David hatten fast 15 000 Franken an La Vita Felice überwiesen, wissen aber nicht mit Bestimmtheit, ob überhaupt je eine Frau für sie befruchtet worden ist.

Selbst wenn die Babys auf der Welt sind, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Denn nicht nur in der Schweiz, auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern sind Leihmutterschaften verboten, unter anderem in sämtlichen Nachbarstaaten sowie in Norwegen und Schweden. Immer wieder werden Paare an der Grenze gestoppt und dürfen mit ihren Leihmutterkindern nicht in die Heimat reisen. Vor zwei Jahren wurde ein Schweizer Paar an der Ausreise aus Georgien gehindert. Das Schweizer Fernsehen hatte den Fall publik gemacht.

Die Schweiz muss sich endlich dem Problem stellen

Nationalrätin Jacqueline Fehr wäre froh, es gäbe die Möglichkeit der Leihmutterschaft erst gar nicht. «Dieses Thema überfordert uns ethisch, sozial und gesellschaftlich.» Trotzdem müsse sich die Schweiz nun endlich dem Problem stellen. Jacqueline Fehr hat Ende September ein Postulat im Nationalrat eingereicht, das den Bundesrat auffordert, einen umfangreichen Bericht zu verfassen.

Marlène Hofstetter geht noch weiter. Sie will Leihmutterschaften legalisieren, denn: «Verhindern kann man sie sowieso nicht mehr.» Marlène Hofstetter ist verantwortlich für den Bereich Adoption der Stiftung Terre des Hommes und fordert nun auch internationale Regeln für Leihmutterschaften. Nur so könnten Leihmütter, Kinder und Eltern geschützt werden. Die momentane Situation in der Schweiz sei unbefriedigend. Das Verbot werde ständig umgangen.

Die Legalisierung hat viele Für- und Widersprecher

In Artikel 31 des Schweizer Bundesgesetzes über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung steht geschrieben: «Wer bei einer Leihmutter ein Fortpflanzungsverfahren anwendet, wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft. Ebenso wird bestraft, wer Leihmutterschaften vermittelt.» Der Reproduktionsmediziner Peter Fehr kennt den Artikel 31. Trotzdem hat er schon einige Paare an Leihmutterkliniken in den USA überwiesen. In seiner Praxis in Schaffhausen behandelt er mehrere Patientinnen, deren einzige Möglichkeit, ein Kind zu bekommen, eine Leihmutterschaft ist. «Ich kenne das grosse Leid dieser Paare. Selbstverständlich helfe ich ihnen», sagt er. Auch Peter Fehr will Leihmutterschaften legalisieren.

Unter Fachärzten gehen die Meinungen aber auseinander. Brida von Castelberg, Co-Chefärztin der Frauenklinik Triemli in Zürich, weiss von einer Schweizerin, die nicht aus medizinischen, sondern aus ästhetischen Gründen eine Leihmutter engagiert hat: «Damit ihr Körper straff bleibt und sie weiterhin Tennis spielen kann.» Die Frauenärztin hat eine klare Haltung zu solchen Wellness-Leihmutterschaften: «Dekadent.»

Alice und David packen ihre Koffer

Sie werden ihren Eltern, Geschwistern und besten Freunden vom ersten Ultraschall erzählen. Aber an die grosse Glocke hängen sie ihre ungewöhnliche Schwangerschaft bestimmt nicht. «Das ist unsere ganz persönliche Geschichte.»

Wenn sie das nächste Mal nach Kiew fliegen, wird ihre Leihmutter bereits in den Wehen liegen. Sind sie rechtzeitig bei ihr im Spital, dürfen sie bei der Geburt dabei sein. Das Neugeborene wird ihnen sogleich übergeben, zusammen mit einer staatlichen Urkunde, auf der sie als rechtliche Eltern eingetragen sind. Vielleicht kann die Leihmutter das Baby noch kurz anschauen oder sogar in die Arme nehmen. Es ist aber schon nicht mehr ihr Kind.

Die Rolle der Schweizer Behörden

Wer mit einem Neugeborenen in die Schweiz einreisen will, muss bei der Schweizer Botschaft eine Geburtsurkunde für sein Baby vorlegen und einen Eintrag ins Personenstandsregister beantragen. Der Antrag wird via Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten zum Amt für das Zivilstandswesen weitergeleitet und dann an die kantonale Zivilstandsbehörde des Heimatorts des Vaters. Ein administrativer Vorgang, der ein paar Tage in Anspruch nimmt, bei dem die Elternschaft aber normalerweise nicht hinterfragt wird.

Einzig bei offensichtlichen Fällen von Leihmutterschaft, wenn die Mutter über 45 ist oder zwei Männer als Eltern in der Geburtsurkunde eingetragen sind, stellt die Botschaft oder das Zivilstandsamt Nachforschungen an.

Schweizer, die eine Leihmutter suchen, reisen in die USA und die Ukraine, nach Indien, Thailand, Russland oder Georgien. Denn in diesen sechs Ländern sind Leihmutterschaften legal und werden weitgehend kommerziell betrieben, mit wenigen Klicks findet man viele Agenturen im Internet.

Zumindest aus rechtlicher Sicht wäre es konsequent, wenn die Behörden Paare, die aus einem dieser Ländern mit einem Baby zurückkommen, kontrollierten. Aber Mario Massa, Leiter des Eidgenössischen Amts für das Zivilstandswesen, sagt, diese Schweizer Touristen seien nicht per se verdächtig. «Wir sind mobil, machen Geschäfts- oder Ferienreisen, besuchen Verwandte auf der ganzen Welt.» Da könne es auch vorkommen, dass ein Kind in Russland geboren werde.

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