Willkommen auf der Welt, Julian!

Text: Gabriela Herpell
Fotos: Elisabeth Real

12. Januar 2010

Am liebsten sitzt Julian auf der Hüfte seiner Mutter. Seine Eltern sind aus Zürichs Zentrum an den Stadtrand gezogen, um ihm frische Luft zu verschaffen – und sich selbst eine Wagenburg zu errichten.

Wenn man jemandem zutrauen würde, hundert Stunden pro Woche zu arbeiten und dabei erst noch eine kleine Kinderschar bestens zu umsorgen, dann Isabelle Rottmann. Die 33 Jährige steht neben dem Tisch, einen Fuss auf der Bank, und schaukelt das Baby, das rittlings auf ihrem Oberschenkel sitzt. Wenn sie aufhört, brüllt Julian, und die Tränen tropfen von seinen langen Wimpern. Dann schaukelt sie weiter, unermüdlich, und der kleine dunkelhaarige Bub sieht aus, als würde er lächeln. Aber dafür ist er eigentlich noch zu klein.

Isabelle und Michael haben das Haus in Zürich-Oerlikon erst kurz vor Julians Geburt bezogen. Drei Kinder würden locker reinpassen, mit einem eigenen Zimmer für jedes. «Betriebswirtschafter denken prozessorientiert», sagt Isabelle lachend und voller gesunder Selbstironie. Julian ist ihr erstes Kind, sie hat noch viel vor.

Zuletzt wohnten Isabelle und Michael in «einer coolen Loftwohnung mitten in Zürich». Eigentlich wollten sie auch mit Familie so urban leben. Aber dann lag eines Morgens Feinstaub auf dem Balkon. Wo würden sie mit dem Baby hingehen, damit es frische, saubere Luft atmen und etwas Ruhe bekommen könnte?

Jetzt wohnen sie im Reihenhaus. «Man fühlt sich hier wie in einer Wagenburg», sagt Isabelle, denn die Häuser stehen alle um einen Innenhof herum. «Da muss ich nur die Tür aufmachen. In der Stadt hatten wir zwar Blumen auf unserem süssen Balkon, aber die waren mehr zum Anschauen. Hier essen wir im Sommer wirklich abends draussen. Das ist toll.» Ihr Heim ist elegant eingerichtet. Ein Supergrill auf der Terrasse, die Hochglanzküche ist zum Wohnzimmer hin durch eine Bar abgeteilt, auf dem langen, schmalen Nussholztisch lagern appetitliche, rotwangige Äpfel in einer grossen Obstschale, daneben das unvermeidbare «Nuscheli» fürs Baby und der aufgeklappte Laptop. Die Krabbeldecke auf dem Boden bleibt unbenutzt, weil Julian viel lieber auf dem Bein der Mutter herumturnt.

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