Irene und Michael - Belebende Wirkung

Irene Mahrer-Gandola (63), Kulturmanagerin, und Michael Gandola (52), Sozialversicherungsfachmann, sind seit zwanzig Jahren ein Paar, allen Unkenrufen zum Trotz.

20. April 2010

Schweizer Cougars erzählen:

Irene Mahrer-Gandola: Als ich Michael vor über zwanzig Jahren kennen lernte, war er für mich der Inbegriff des neuen Mannes. Die Frauen meiner Generation wollten etwas anderes als ihre Mütter. Sie wagten auszubrechen, ihre Situation zu verbessern, sich für die Gleichberechtigung einzusetzen. Für die gleichaltrigen oder älteren Männer waren diese Ansprüche unbequem. Viele blieben irgendwo in ihrer Entwicklung stehen, waren besitzergreifend und verhielten sich Frauen gegenüber jovial. Dass Michael elf Jahre jünger ist, realisierte ich erst richtig, als er seinen Bart, den er anfänglich trug, abrasierte. Er sah so wahnsinnig jung aus! Bis wir zusammenkamen, verging einige Zeit. Der Altersunterschied war für mich anfänglich eine Hürde, fast ein Tabu. Wir wurden Kollegen, Freunde. Ich dachte aber immer: Wer den bekommt, hat es einmal gut. Als er mir dann eines Tages sagte, er habe sich in mich verliebt, war ich zunächst nur baff. Ich wiegelte ab und meinte, wir können doch gute Freunde bleiben. Gleichzeitig war ich glücklich, und schliesslich liess ich mich auf ihn ein, weil ich überzeugt war, dass wir einander gut tun. Und so war es auch. Er unterstützte mich. Er engte mich nicht ein. Stellte nicht tausend Ansprüche.

So konnte ich mich weiterentwickeln und zu der werden, die ich heute bin. Michael begleitete mich häufig zu repräsentativen Verpflichtungen, die ich auf Grund meiner Tätigkeit in den Medien wahrzunehmen hatte. Sein Selbstbewusstsein erlitt dabei keinen Zusammenbruch. Es störte ihn nicht, nur die Begleitung zu sein. Sein Verhalten erlebte ich als Befreiung aus alten Zwängen. Anfänglich räumte ich der Beziehung wenig Chancen ein. Ich dachte: Vielleicht will er doch noch eine Familie, vielleicht läuft ihm eine Jüngere über den Weg. Dieses Gefühl gab der Beziehung eine spezielle Qualität: Wir standen ohne die verkrampfte Erwartungshaltung, es müsse für die Ewigkeit sein, absolut füreinander ein. Mittlerweile sind wir seit zwanzig Jahren zusammen. Den Altersunterschied bemerke ich in Wellen. Früher schien mir der Unterschied zwischen uns grösser als heute. Ich kann dies aber nur als subjektives Gefühl beschreiben. Mit achtzig, so stelle ich mir manchmal vor, wird der Altersunterschied sich wieder stärker bemerkbar machen. Vielleicht kommt ja aber auch alles anders, weil Frauen im Alter oft besser beieinander sind als gleichaltrige Männer und Michael einen vitalisierenden Effekt auf mich hat. So gesehen sind ein jüngerer Mann und eine ältere Frau die ideale Kombination, um einem guten Alter entgegenzusehen.

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