Die Geschichte der Damenuhr – Höchste Zeit, Madame!

Text: Monique Henrich
Illustration: Bella Foster

10. Januar 2012

Die Damenarmbanduhr ist mehr als ein schmucker Zeitmesser. Sie ist Geschichte und Gegenwart und erzählt von Visionärinnen, Models und Königinnen.

Was Uhren betrifft, benötigen die Frauen keine Präzisionsuhr, weil sie sowieso immer zu spät sind – sie sind mehr an Karaten und üppigen Verzierungen interessiert.» Das schrieb 1916 die «Revue Internationale de l’Horlogerie». Und tatsächlich trug die – reiche – Frau ihre Uhr meistens in Form einer mit Edelsteinen besetzten Brosche oder als Kette. Um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg wurden zwar vereinzelt Damenarmbanduhren produziert. Doch erst Ende des Zweiten Weltkriegs, als auch der nackte Arm modisch comme il faut wurde, fing das Uhrenbusiness an zu boomen. In den Siebzigerjahren, dem Jahrzehnt der Quarzwerke, wurden Uhren zur meist in Japan gefertigten Massenware. Ab 1980 gewannen die traditionsreichen Schweizer Uhrenmarken wieder an Boden, und die Nachfrage nach brillantbesetzten und komplizierten mechanischen Damenuhren ist bis heute stark ansteigend – Frauen sammeln mittlerweile nämlich auch Uhren.


Jaeger-Le Coultre

Der Krönungstag von Elizabeth II. in der Londoner Westminster Abbey am nasskalten 2. Juni 1953 war auch eine Krönung für die Uhrmacher im jurassischen Le Brassus: Zu ihrer prunkvollen Robe trug die Queen eine mit Brillanten besetzte Kaliber Jaeger-Le Coultre 101. Exklusiv in der Miniatur, die präzis 14 mm lang, 4.8 mm breit und 3.4 mm hoch ist, tickt auch jetzt noch das kleinste Mechanikuhrwerk der Welt mit einem Fliegengewicht von nur knapp einem Gramm.





Rolex

Versiegelt gegen Staub, Hitze, Kälte und Wasser: Die Rolex Oyster war die erste weltweit patentierte Uhr, die vor schädlichen Einflüssen so geschützt war wie eine Auster und dadurch zur Legende wurde. Auch wenn die Schwimmerin Mercedes Gleitze im Oktober 1927 den offiziellen Versuch, den Ärmelkanal zu durchqueren, kurz vor der französischen Küste aufgeben musste, konnte Rolex-Gründer Hans Wilsdorf einen Triumph feiern: Die Rolex Oyster, von der Sportlerin getragen, hatte die Wasser- und Kälte-Strapazen überstanden, ohne an Ganggenauigkeit einzubüssen. Der clevere Businessmann schaltete für 4000 Pfund in der englischen «Daily Mail» eine Anzeige und machte so die Rolex über Nacht zur Uhrensensation.









Patek Philippe

Die 1916 für eine wohlhabende englische Kundin angefertigte Damenuhr hat in den Geschichtsbüchern der Genfer Uhrenmanufaktur eine besondere Bedeutung: Das kleine Masterpiece war eine der ersten Armbanduhren der renommierten Genfer Uhrmacher, die sich später dann vor allem auf Herrenmodelle spezialisierten. Bemerkenswert war diese Uhr auch in ihrer Machart mit einem komplizierten Werk und der Minutenrepetition, die mit einem feinen Klang die Zeit anzeigte. Im letzten Jahr als neue Grande Complication unter dem Modellnamen Ladies First Réf. 7000 lanciert, ist sie bereits Objet de désir mit einer Wartezeit von zwei Jahren.

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