Villa Necchi Campiglio - Mailänder Diskretion in Perfektion

Text: Annette Frommer
Foto: Anka Bardeleben

24. August 2010

Die Villa mitten in Stadtzentrum strahlt Macht, Eleganz, Klassik und Reichtum aus. Ein Ort für eine tragische Geschichte wie sie im Film „Io sono l’amore“ erzählt wird. Und die Kulisse der aktuellen Modestrecke der annabelle, welche die Eleganz einer Dame in Szene setzt.

Der Film „Io sono l’amore“ („I Am Love“) mit der zauberhaften Tilda Swinton in der Hauptrolle, hat noch einen weiteren Filmstar: die Villa Necchi Campiglio. Als Schauplatz für seinen tragischen wie schönen Film suchte Regisseur Luca Guadagnino einen Ort, der sowohl Reichtum als auch etwas Verhaltenes ausstrahlt – Charakteristiken, für die la Famiglia Recchis im Film steht. Der beinahe unwirklich elegante Ort, eine Oase der Gelassenheit mitten im pulsierenden, versmogten Mailand, steht auch für eine Welt, die so nicht mehr real zu existieren schein – wenn auch im unsterblichen italienischen Stilgefühl überlebt hat. Die Räume der Industriellenvilla mit Rautenstuckdecken und Nussbaumparkett strahlen Disziplin und Klasse aus. Der Mensch, der hier lebt, muss am Ziel seiner Wünsche angekommen sein. Wenn im Film jedoch unterdrückte Gefühle und die Sehnsucht nach Freiheit Gattin und Mutter Emma (Tilda Swinton) aus der scheinbaren makellosen Existenz ausbrechen lässt, dann muss das entsprechend tragischen Folgen haben. Für Mittelmass und Lauwarmes hat es hier keinen Platz.

Entworfen wurde die Mailänder Industriellenvilla vom italienische Architekten Piero Portaluppi. Erbaut zwischen 1932 und 1935, Blütezeit der faschistischen Architektur, galt der Bau als Statussymbol für Italiens stolze neue Elite. Damals wirkte er unglaublich modern, verfügte über einen Tennisplatz und den ersten beheizten Pool der Stadt – der Pool, der im Film Schauplatz des tragischen Finals wird. Die Schwestern Gigina und Nedda Necchi und Giginas Mann wohnten in der Villa, die Produktion von Nähmaschinen und Motoren für Haushalte verhalf dem kinderlose Ehepaar und der Schwester zwischen den Zwanziger- und Sechzigerjahren zu ihrem Wohlstand. 1943 wurde die Villa zwischenzeitlich zu einem Hauptsitz der Faschisten, während sich die eigentlichen Bewohner aufs Land zurückzogen. Danach taten sich die Necchis schwer mit der unterkühlten Einrichtung und der Vergangenheit zwischen den Mauern. So sollte Designern Tomaso Buzzi der Villa wieder Wärme einhauchen, sein Einrichtungskonzept ist unter Puristen jedoch noch heute umstritten.

Gigina Necchi, die ihren Ehemann und ihre Schwester überlebte, vermachte das Gebäude nach ihrem Tod 2001 der staatlichen Stiftung zum Erhalt von Natur- und Kulturdenkmälern. Heute ist die Villa der Öffentlichkeit zugänglich. Die Schauplätze des Films - die grosszügige Eingangshalle, der Garten und der Pool, die Veranda und der Salon – sind auch in der annabelle Modestrecke inszeniert. Wie gerufen kam unseren Stylisten die Schwermut und auch optische Melancholie, die den neuen, eleganten Silhouetten dieser Saison inne wohnen.

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