Persönlicher Abschiedsgruss

Adieu Azzedine Alaïa

Text: Tanja Ursoleo 

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Der französisch-tunesische Modeschöpfer hatte in diesem Jahr erstmals nach sechs Jahren wieder eine Haute-Couture-Kollektion gezeigt. Nun ist Azzedine Alaïa - bekannt für seine ikonischen Designs & sein Spiel mit Materialien - im Alter von 77 Jahren in Paris verstorben.

Tanja Ursoleo mit Azzedine Alaïa

Ein persönlicher Abschiedsgruss an den verstorbenen Designer Azzedine Alaïa.  

Mit Azzedine Alaïa verbinde ich meine schönsten Pariser Mode-Erlebnisse. Er war für mich eine Ikone und eine Inspiration. Seine Kreationen verwandeln jede Frau in eine Göttin. Aber vor allem war Monsieur Alaïa eine warme und authentische Persönlichkeit, in einem Business voller Diven und überdimensionierter Egos, eine wahre Ausnahme. Sogar mein Sohn hat den Designer schon getroffen: Zurück aus meinem Mutterschaftsurlaub hatte ich die Betreuung noch nicht optimal organisieren können, also nahm ich meinen Sohn Moses in der Babytrage mit zu meinen Terminen. So landete Mini-Moses bereits mit fünf Monaten in den Armen von Azzedine Alaïa und wurde von ihm geherzt!

Im Rahmen eines grossen Artikels für annabelle hatte ich Zugang zum intimsten Ort dieses Modehauses, hier fand alles statt – die Küche. Die Essen bei Monsieur Alaïa sind in Paris legendär, nur seine engsten Vertrauten dürfen sich an den Tisch des Designers setzen. Ich war als Übersetzerin dabei, da die Journalistin kein Französisch sprach und Monsieur Alaïa kein Englisch sprechen wollte. Ich war nervös den Meister persönlich zu treffen, aber Monsieur Alaïa war so herzlich, dass meine Nervosität in den ersten Minuten verflogen war. «Aber bitte keine Interviewfragen beim Essen», sagte er, «lasst uns essen, es gibt herzhaftes Filet de Boeuf, Salat und zum Dessert hausgemachte Glace.» Und natürlich liess er es sich nicht nehmen, zusammen mit seiner Köchin, selber in der Küche zu hantieren.

Monsieur Alaïa hatte eine rebellische Seite. Er hat sich nie den Erwartungen der Modeindustrie untergeordnet. Im Gegenteil: Seine Modeschauen fanden immer ausserhalb der Fashion Weeks statt und zwei Tage vor Showbeginn wurde man per Telefonanruf eingeladen. Work-Life-Balance? Ein Fremdwort für den Designer. Er war bekannt dafür, nächtelang im Atelier zu arbeiten. Auch die Fittings fanden dementsprechend zu unkonventionellen Zeiten statt. Er nahm kein Blatt vor den Mund - so kam es regelmässig zu kleinen Eklats.

Monsieur Alaïa, ich werde Sie vermissen!

Tanja Ursoleo,
Pariskorrespondentin
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