Mode und Offshore

Fashionszene in Panama Papers verstrickt

Redaktion: Miriam Suter; Bilder: Getty Images

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Roksanda Ilincic

Laut Berichten der englischen Zeitung The Guardian sind die serbische Modedesignerin Roksanda Ilincic und ihr Mann Philip Bueno de Mesquita Teilhaber der in England registrierten Firma Greenland Property Ltd. Ilincics Presseabteilung meint gegenüber der Branchenplattform WWD knapp, dass die Designerin «keine Steuern hinterzieht. Sie versteuert ihr weltweites Einkommen in England.» Ausserdem sei Greenland Property eine inaktive Firma, die keine Gewinne abwerfe. 

Rattan Chadha

Rattan Chadha, Gründer und früherer CEO des Labels Mexx sowie der Hotelkette CitizenM, verkaufte 2001 seine Modekette Mexx für über 260 Millionen US-Dollar. Bis zu diesem Zeitpunkt war der heutige Multimillionär Inhaber eines Unternehmens auf den Bahamas, das in den Panama Papers auftaucht. 2014 ging Mexx Bankrott und wurde von der türkischen Firma Eroglu Holding übernommen.

 

 

Giancarlo Giammetti und Valentino Garavani

Das italienische Wochenmagazin L'Espresso meldet, dass zwischen der Offshore-Firma Mossack Fonseca und Garavani und Giammetti Zusammenhänge bestehen. Des Weiteren schreibt L'Espresso, dass Giammetti 2004 eine Firma auf den britischen Jungferninseln registriert habe, die Jarra Overseas SA. Betreffend Valentino scheinen die Zusammenhänge komplexer: Gleichzeitig wie die Jarra Overseas SA wurde auf den britischen Jungferninseln die Paramour Finance Ltd., in deren Zusammenhang Valentinos Name auftaucht, gegründet. Wer konkret beteiligt ist, ist jedoch unklar. Die Firma wurde 2013 mit einem Kapitalwert von 50'000 US-Dollar geschlossen.

Die Recherchen im Fall Panama Papers gehen weiter: Das grösste Leck in der Geschichte des Datenjournalismus hat nun auch Namen in der Modebranche aufgedeckt. 

Das Datenleck liess zahlreiche Steuer- und Geldwäschedelikte sowie den Bruch von UN-Sanktionen rund um den Globus ans Licht kommen. Die Namen, die in den rund 11,5 Millionen Dokumenten des Offshore-Unternehmens Mossack Fonseca auftauchen, sorgen für Furore: Darunter Mitarbeiter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Familienmitglieder des chinesischen Präsidenten Xi Jinping oder der britische Premierminister David Cameron. 

Auch die Modeszene bleibt nicht verschont. Die Branchenplattform WWD berichtete heute, dass mindestens vier grosse Designer Anteile an Firmen besitzen, für die das Offshore-Unternehmen Mossack Fonseca arbeitet oder gearbeitet hat. Wer genau in den Panama Papers vorkommt, und weshalb, lesen Sie in unserer Bilstrecke.

Kriminelle Machenschaften konnten den vier Modemogulen aber bis anhin noch keine nachgewiesen werden. Denn nur weil der Name einer Person in den Unterlagen der Panama Papers auftaucht, bedeutet das nicht unbedingt, dass diese Geld gewaschen oder Steuern hinterzogen hat. Das Gründen und Anwenden von Offshore-Gesellschaften ist nicht illegal. Das Kollektiv aus Investigativ-Journalistinnen und -Journalisten erklärte nach der Veröffentlichung der Recherche auf seiner Website: «Wir beabsichtigen nicht zu behaupten oder zu unterstellen, dass irgendwelche Personen, Firmen oder andere Einrichtungen […] das Gesetz gebrochen oder auf andere Weise falsch gehandelt haben.» 

Noch hat sich keiner der betroffenen Modeschöpfer persönlich zu Wort gemeldet. 

 

Miriam Suter

Die Junior Online Editor schreibt am liebsten über Musik und andere kulturelle und gesellschaftliche Themen. Dabei interessiert sie vor allem das Rollenbild der Frau in unserer Gesellschaft.

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