Apropos Mode

Das geht in die Hose

Redaktion: Jacqueline Krause-Blouin, Foto: Getty

  • Cooler als das kleine Schwarze: Schauspielerin Katharine Hepburn im Dreiteiler (1947)

Die Hose hat es in der Damengarderobe weit gebracht – von der Illegalität zur Boyfriendjeans. Zu weit? Die stellvertretende Chefredaktorin Jacqueline Krause-Blouin über speziell angefertigte Menswear für Frauen. 

Es gab eine Zeit, in der das Tragen von Hosen für Frauen illegal war. Und es dauerte, bis Schlüsselfiguren wie Coco Chanel, Marlene Dietrich, die Teddy Girls und auch Yves Saint Laurent Gendergrenzen langsam aufweichten. In Zeiten von Genderfluidität gehört Cross Dressing nun aber zum guten Ton, und die «Boyfriend-Jeans» sind zum festen Begriff geworden. Ein gut geschnittenes Männerhemd, eine Oversize-Lederjacke und ein Männermantel sind heute absolute Keypieces im gut sortierten Kleiderschrank der modebewussten Frau.

Was als emanzipatorisches Statement begann, ist aber auch knallhartes Business geworden. Denn natürlich ist es dem Einzelhandel ein Dorn im Auge, wenn die Boyfriend-Jeans tatsächlich vom Boyfriend stammen. Das bedeutet schliesslich, dass nur eine Hose pro Pärchen verkauft wird. Gewiefte Verkäufer halten nun dagegen. Im hippen Kaufhaus Le Bon Marché in Paris gibt es seit 2015 in der Damen- abteilung einen Bereich mit dem liebevollen Namen «Le Vestiaire Volé aux Hommes» (die dem Mann gestohlene Garderobe), in der Männermode in kleinen Grössen verkauft wird. Der Umsatz stieg seit der Eröffnung Jahr für Jahr um 15 Prozent.

Die französische Marke Ami Paris treibt das Ganze noch einen Schritt weiter. Nicht etwa mit einer Frauen- oder Unisex-Linie, nein, jetzt kommts: mit Menswear for Women. Richtig gelesen, Männermode für Frauen. Das Problem ist nur, dass Menswear for Women irgendwie keine Menswear mehr ist, oder? Ich bezweifle stark, dass wir Frauen uns derart für dumm verkaufen lassen. Das Beste am Boyfriend-Look ist nun mal, dass er vom Boyfriend kommt. Das hat etwas Nonchalantes, Spontanes, einen Hauch Rock’n’Roll. Ohne dieses Gefühl des Unangepassten geht der Spass verloren. Ich bin gespannt auf die Reaktionen, wenn Ami Paris im Herbst die erste Kollektion präsentiert. Sollten die gleichen Jeans, verarbeitet aus weniger Stoff, weil kleiner, auch noch zwanzig Prozent mehr kosten, nur weil Frauen das Zielpublikum sind, präsentiere ich persönlich jedenfalls eher meinen Mittelfinger als meine Kreditkarte.

Jacqueline Krause-Blouin

Die stellvertretende Chefredaktorin interessiert sich für Mode, Musik, Theater und alle Facetten der Popkultur. Und für aussergewöhnliche Frauen: berühmt oder berüchtigt, tot oder lebendig.

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