Rückblick und Interviews

Das war die 10. Mode Suisse

Redaktion: Viviane Stadelmann; Fotos: Alexander Palacios, Mode Suisse

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Iahai, Huber Egloff, Julia Seemann, En Soie

Nadine Strittmatter lief für das Designerduo Huber Egloff

Huber Egloff setzte auf tragbare Schnitte und gedeckte Farben

Das Sonnenemblem bei En Soie zog sich als cooles Detail durch die gesamte Kollektion

Der Künstler Simon Trüeb hat die Illustrationen entworfen, die auf den Stoffen von En Soie zu sehen sind

Bei Steinrohner fanden sich sommerliche Prints mit Kakteen

Tamy Glauser lief unter anderem für Claudia Zuber

Claudia Zuber spielte mit fliessenden Silhouetten

LYN Lingerie sorgte für einen kleinen Überraschungseffekt, als die Models die Wäsche mit Rollschuhen präsentierten

Julia Seemann mixte Oversized-Silhouetten mit silbernen Metalliceffekten und viel Schmuck

Julia Seemanns Kollektion geizte nicht mit Farben: Mustermix trifft auf knalliges Rot

Adrian Reber schickte seine Models mit Bucket Hats über den Laufsteg

Schwarz-weisse Kontraste bei Blank Etiquette by Tosca Wyss

Die Lederaccessoires von YVY werden gerne von Stars wie Gwen Stefani und Kylie Jenner getragen

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf? Bedrucktes Schattenspiel bei Julian Zigerli

Viel Applaus für so viel Mut: Julian Zigerli sorgte mit seiner Show für echte Gänsehaut-Momente

Die Mode Suisse wartete für die zehnte Edition mit einer geballten Ladung an junger Designkunst auf. Wir haben mit drei der Designer gesprochen und die packendsten Momente festgehalten.

Das Jubiläum der Mode Suisse fand am Montag mit der Abschlussshow der «Seléction officielle» ihren Höhepunkt mitten im Herzen des Industrieareals im Puls 5 in Zürich. Elf junge Designer und langjährig treibende Kräfte der Schweizer Designszene präsentierten ihre Mode für die Frühling/Sommer-Saison 2017. Die zahlreich erschienen Gäste kamen in den Genuss einer abwechslungsreichen Show. Packende musikalische Untermalung bot das britische Soul- und Electro-Kollektiv um Pete Josef, die mal swinghafte Trompetenklänge, mal leise Töne anstimmten. 

Reduzierte Schlichtheit und plakative Prints

Doch nicht nur die ausgewählten Songs waren abwechslsungsreich. Besonders die Kollektionen der elf Designer boten ein vielfältiges Bild. Zwischen reduzierter Mode, wie sie das Designerduo Huber Egloff zeigte, setzte Claudia Zuber auf fliessende Stoffe und Julia Seemann auf raffinierte Schnitte mit plakativen Logos. Doch auch spielerische Elemente sorgten für Überraschung auf dem Runway: das Sonnenemblem von En Soie, die mit Kaktusprint bedruckten Entwürfe bei Steinrohner und Models, die auf Rollschuhen entlangschwebend die Kreationen von LYN Lingerie präsentierten. Für berührende Momente sorgte das finale Defilee von Julian Zigerli, bei dem nicht nur professionelle Models, sondern auch seine Schwester Martina Zigerli sowie Freunde des Werkheims Uster unter herzlichem Applaus des Publikums den Laufsteg eroberten. 

Wir haben nachgefragt: Designer von Mode Suisse im Interview

Huber Egloff: «Die aktuelle Kollektion ist ein Potpourri aus unserer Vergangenheit» 

Worauf stützt sich Ihre aktuelle Kollektion?

Andreas Huber: Es ist ein Potpourri aus persönlichen Referenzen unseres Lebens und unserer Vergangenheit, was wir selber tragen und schätzen. Dabei war es uns wichtig, unserer DNA treu zu bleiben.

Raúl Egloff: Es gab keine spezifische Inspirationsquelle. Es sind Essentials, welche wir, unser Umfeld und unsere Kundin gerne tragen. Wichtig ist uns dabei, eine Haltung zu generieren. 

Was wünscht sich Ihre Kundin?

A: Der Fokus in dieser Saison liegt auf dem Produkt. Mit Fabrikation, dem Schnitt und den Details haben wir uns lange beschäftigt. Das Produkt daraus ist harmonisch und organisch gewachsen. Entstanden sind sehr tragbare Teile mit Wiedererkennungswert und hoher Qualität.

Warum zeigen Sie Ihre Kollektion bei der Mode Suisse?

A: Wir haben mit Yannick (Aellen) schon von Anfang an zusammen gearbeitet. Das Tolle an Mode Suisse ist, dass es eine Plattform für die Schweiz bietet, wo die Mode im Vordergrund steht.

Ist es schwierig, in der Schweiz Mode zu machen?

A: Es ist überall schwierig, Mode zu machen! Es ist eine sehr elitäre Branche, es gibt viel Konkurrenz, und alle verfolgen fast die gleiche Verkaufsstrategie. Das Timing und die richtigen Retailkunden sind anfangs essentiell. Ob das in New York, London, Australien oder in der Schweiz ist. Als junges Label hast du es immer schwer. Auch mit sehr erfahrenen Leuten an deiner Seite. Du musst von Anfang an gut planen und deine eigene prägende Sprache entwickeln. Dann kann es etwas fruchten. Wir sind auch noch auf dem Weg dorthin, das international zu etablieren.

R: Es ist aber sicherlich noch ein wenig schwieriger in der Schweiz als in den Modestädten, wo sich die ganze Industrie bewegt. Schon nur für das Networking.

A: Es ist auch kulturell bedingt. Die Schweiz hat sehr viele Stärken, Mode gehört da noch nicht dazu. Rein vom kulturellen Erbe. Ein Franzose beispielsweise denkt modisch anders, mit viel mehr Emotionen als wir hier. Das ist in der Kultur und Mentalität verankert.

Anna Meier, En Soie: «Ich liebe es, wenn viel los ist»

Warum zeigen Sie Ihre Kollektion bei der Mode Suisse ?

Für uns ist Mode Suisse eine tolle Plattform, weil wir sehr lokal arbeiten. Wir haben schon lange ein Geschäft in Zürich, aber bis auf diesen Laden keine sonstige Plattform. Mode Suisse hingegen erreicht die ganze Schweiz. Persönlich ist es für mich als Designerin in dem Moment auch der Abschluss meiner Arbeit, die ein halbes Jahr gedauert hat.

Woher kam die Inspiration für die aktuelle Kollektion?

Die ganze Familie hat zusammen einen Monat lang in Argentinien verbracht. Die aktuelle Frühling/Sommer-Kollektion basiert auf meinen Erinnerungen und Erlebnissen dieser Reise.

Was gefällt Ihnen besonders daran?

Besonders gefallen mir die Stickereien, die wir in Zusammenarbeit mit einem Künstler kreiert haben. Der Künstler Simon Trüeb hat dafür comic-artige Illustrationen angefertigt. Diese Zeichnungen haben wir in Couture-Manier aufwendig auf einige unserer Kleider sticken lassen.

Warum sind Kleider Ihr Stoff des Lebens?

Bereits als kleines Kind waren Kleider mein Medium. Ich habe mich hundertmal am Tag umgezogen. Für mich selber ist es mittlerweile nicht mehr nur eine Ausdrucksform, aber ich setze mich gern mit den verschiedenen Kodierungen auseinander. Also was die Leute vermitteln wollen, indem sie sich bewusst so oder so anziehen. Markieren sie damit Zugehörigkeit, oder tun sie eine politische Meinung kund? Das finde ich spannend.

Wenn es mit dem Designen nicht geklappt hätte, wie würden Sie heute Ihre Tage verbringen?

Ich könnte mich auch mit einer anderen Materie beschäftigen. Für mich ist es spannend, mit Leuten zusammenzuarbeiten, Projekte anzureissen, Köpfe zusammenzustecken. Das ist das, was mich jeden Morgen aufstehen lässt. Das könnte auch ein Bauernhof sein, prinzipiell. Ich liebe es einfach, wenn viel los ist.

 

Claudia Zuber: «Ich will eine wertvolle Frau zeigen»

Woher kam die Inspiration für die aktuelle Kollektion?

Claudia Zuber: Es gibt dafür kein spezifisches Thema. Mir geht es generell um das Frauenbild, das ich kommunizieren will. Das ist mein Kriterium: Ich will eine wertvolle Frau zeigen.

Eine wertvolle Frau?

Damit meine ich keine Frau, die finanziell besser gestellt ist. Sondern eine, die reich ist an Charakter, Stärke und zudem über ein vielschichtiges Wesen verfügt. Sie fühlt sich selbstverständlich in ihrer Weiblichkeit. Das sind die inhaltlichen Kriterien.

Welche Kriterien gibt es sonst?

Daneben gibt es formale Kriterien, die sich auf die Umsetzung beziehen. Zum Beispiel will ich sie stark zeigen, also kreiere ich dafür einen gestärkten Rücken und gestärkte Schultern. Die Vielschichtigkeit wiederum zeigt sich in den Kontrasten, verspielte Drapierungen treffen auf ganz schlichte, gradlinige Designs.

Haben Sie ein Lieblingsdesign aus der aktuellen Kollektion?

Das habe ich erst einige Zeit nach der Show, wenn ich etwas Abstand dazu habe. Ich entwickle die Kollektion von A bis Z selber, daraus ergibt sich ein Prozess, der meist andauert bis zur Schau. Diejenigen, die mich bereits einmal Backstage erlebt haben, wissen, dass ich eigentlich nie fertig bin und bis zum letzten Augenblick arbeite! Deshalb habe ich diese Distanz meist erst, wenn alles eine Weile vorüber ist.

Könnten Sie sich einen anderen Beruf vorstellen ausser Designerin?

Ich bin inzwischen auch auf der Showproduktionsseite und in der Organisation (von Mode Suisse) sehr involviert, habe auch die Abschlussshow in Basel produziert. Das ist sicherlich eine Richtung, die ich weiterhin verfolgen will. Ich möchte den Modestandort Schweiz als Ganzes fördern, ich glaube daran, dass wir zusammen mit anderen Designern einen starken Auftritt brauchen, um so auch als Einzelne profitieren zu können. Aber ich bleibe bestimmt im Modebusiness.

Gibt es einen Moment als Designerin, der Ihnen immer in Erinnerung bleiben wird?

Das ist wahrscheinlich etwas, worüber ich erst im Nachhinein lachen konnte. Ein Moment während der Fashion Days ist mir filmreif in Erinnerung geblieben: Als ich mit den letzten Teilen im Kleidersack völlig übernächtigt vor meiner Haustür aufs Taxi wartete, während ich gerade noch die Highheels montiert habe. Als ich ankam, haben alle bereits nach mir gerufen, die Models waren schon fast auf dem Laufsteg. Ich bin gerade rechtzeitig mit den finalen Kleidungsstücken eingefahren. Das war ein typischer Claudia-Zuber-Moment!

Viviane Stadelmann

Die stellvertretende Online-Leiterin liebt die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Welt. Sie schreibt besonders gern über Mode, Literatur und Kunst und schwärmt für Schwarzweissfotografie aus vergangenen Zeiten.

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