





Im Café des Anglerclubs das Abflauen der Winde abwarten und Tee trinken.
Alles klar auf der «Patricia»: Rod Knight am Steuer.
Den Fischbestand hegen statt plündern: Die Maschen im Netz sind so weit, dass sich nur ausgewachsene Heringe darin verfangen.
Rod Knights Fang wird sogleich zum Kühlhaus gebracht.
Petri Fair!
Wollen wir weiterhin mit gutem Gewissen Meeresfisch essen, so braucht es mehr Fischer wie die im südenglischen Hastings: Bei ihnen hat Nachhaltigkeit Tradition.
Im alten Seebad von Hastings mit den verlassenen viktorianischen Strandhotels und einem kleinen Vergnügungspark direkt am Meer wartet Paul Joy seit drei Tagen auf die richtige Wetterlage. «Sieht nicht gut aus heute», brummt er. Ein Satz wie ein Refrain, an jedem Morgen der letzten Tage wiederholt. «Wenn der Wind wie heute aus Südosten bläst, können wir nicht raus. Es ist zu gefährlich, die Wellen sind zu hoch, unsere Boote könnten am Ufer zerschellen.» Er geht hinüber zum Anglerclub, im ersten
Stock ist ein Café. Auf mit Stoff bezogenen Bänken sitzen andere Fischer, trinken schwarzen Tee mit Milch, starren durch die Panoramafenster auf weisse Schaumkronen im grauen Ärmelkanal. Keine Unterhaltung ohne Verwünschungen gegen die Regierung oder das Wetter, kein Satz ohne derben Fluch. Der nächste Morgen verspricht Besserung. Aber nicht für Paul Joy.
Einige Tage zuvor im Osten von London: Das Tor zum Billingsgate Market schnappt auf wie ein mechanisches Maul, verschluckt Restaurantchefs, Sushi-Köche, Händler und Hausfrauen, die hier den Fisch für den gerade anbrechenden Tag kaufen wollen. Im Innern der 200 Meter langen Halle bilden die Rufe der weiss gekleideten Fischhändler ein gleichmässiges Rauschen – Preise, Angebote, Gelächter. Billingsgate ist der grösste Fischmarkt Englands. 25 000 Tonnen Meerestiere werden hier jährlich verkauft. Vor den Verkäufern liegt die Ware auf Eis, in Styroporkästen unter kaltem Neonlicht. Wildlachs aus Alaska, flacher, sandfarbener Steinbutt aus der Nordsee, Blauflossentun aus dem Pazifik, schon filetiert und in Zellophan verpackt. An den über hundert Ständen bekommt man fast jeden Speisefisch der Welt, noch aus den entlegensten Ecken wird er per Luftfracht nach London geliefert.
Billingsgate ist eine Illusion. Die immer noch mannigfaltige Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten auf dem Fischmarkt, an jeder Fischtheke oder im Kühlregal jedes Supermarkts verschleiert ein stilles, langsames Verschwinden: das Verschwinden des Fischs. Der Blauflossentunfisch steht kurz vor der Ausrottung, für den Steinbutt sieht es auch nicht gut aus, und in den Flüssen des westlichen Kanadas schwammen dieses Jahr kaum Wildlachse. Weltweit kollabieren die Bestände. Es gibt ernst zu nehmende Prognosen, dass in fünfzig Jahren nur noch Quallen, Krebstiere und Tintenfische die Meere bevölkern.
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