Ferien

First Class: Einmal in der Luxusklasse fliegen

Einmal im Leben fliegen wie die Stars! annabelle-Reporterin Stefanie Rigutto hats ausprobiert.

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Mein Abteil ist so gross wie ein Cinquecento der Sechzigerjahre. Nur bequemer. Der Sessel aus butterweichem Leder ist dermassen gemütlich, dass ich erst über Rumänien darauf kommen werde, dass man ja die Rückenlehne schräg stellen könnte. Aber hey, warum auch immer im selben Sessel sitzen! Schliesslich gibt es ja gleich zwei davon in meinem Abteil. «Für Sitzungen», sagt Joanna, die Flugbegleiterin, «oder wenn Sie jemanden zum Essen einladen möchten.» Gute Idee: Ist Ryan Gosling an Bord? Die Frage, die mich allerdings viel mehr quält, lautet: Wo ist bloss das Täschchen mit den Goodies? «Geduld», beruhigt mich Joanna, «das gebe ich Ihnen gleich nach dem Start.»

Ich sitze im A380 der Singapore Airlines von Zürich nach Singapur. Dass wir abheben, merke ich nur an einem leichten Vibrieren – die Turbinen sind weiter hinten, dort, wo ich normalerweise sitze. Dieses Mal fliege ich First Class. Wie oft bin ich schon durch die Welt geflogen – leider fast immer in der Holzklasse. Wie oft habe ich beim Einsteigen sehnsüchtig nach links geblickt, dorthin, wo die Rihannas und Arianna Huffingtons dieser Welt sitzen. Wie oft habe ich mir – zusammengefaltet in der Eco, den Ellbogen des Nachbarn in den Rippen – ausgemalt, wie es wohl sein muss, einmal, nur einmal ganz vorne im Flieger zu sitzen.

Und jetzt fliege ich tatsächlich First Class. Bei Singapore Airlines heisst dies Suite Class: Man fliegt in einem eigenen Abteil mit Schiebetür und zwei Fensterchen zum Gang hin, vergleichbar mit einer Schlafkabine im Zug. Einem Luxuszug, wohlgemerkt. Der Fernseher zum Beispiel ist doppelt so gross wie derjenige, den ich als Studentin hatte. Und zu den zwei Kissen, die an sich schon sehr gross und sehr bequem sind, kommt noch eine Nackenrolle dazu.

Joanna serviert ein Gläschen Dom Pérignon und drückt mir eine Menükarte in die Hand. Der Mailänder Starkoch Carlo Cracco stellt mir ein sechsgängiges Menü vor, vom Tomatensüppchen übers Rindsfilet bis zum Illy-Kaffee. Ich lege die Karte – so dick wie mein Notizbüchlein – zur Seite: Ich habe mein Essen bereits vor dem Abflug im Internet gebucht. «Book the Cook» heisst das Angebot, wo ich zwischen 15 verschiedenen Speisen auswählen konnte. Ich habe mich für den Hummer entschieden, mit Cognac flambiert, serviert mit Mandelreis, frischem Spinat und Tomaten. Joanna weiss das natürlich längst und flötet: «Grossartige Wahl! Alle lieben dieses Gericht.»

Meine Nachbarn sind ein asiatisches Paar, wobei «Nachbarn» völlig übertrieben ist. Nachbar meint im Flugzeug ja meistens Mundgeruch und der Kampf um die Armlehne, doch die Suiten des asiatischen Paars liegen etwa zwei Meter entfernt. Auch sie reisen das erste Mal in der Suite Class: Joanna muss sie fotografieren und ihnen jedes Detail erklären. Jetzt erst mal die Kopfhörer austesten. Acoustic Noise Cancelling Headphones heissen sie und wirken wie ein Pamir: Sie blenden auch das letzte Geräusch aus. Was hat Joanna gerade gesagt? Ah, sie will mir endlich den Goodybag zeigen. Darin befinden sich ein Parfumfläschchen von Salvatore Ferragamo, eine Lotion, ein Lipbalm. Joanna rüstet mich mit flauschigen Finken aus und einer extraweichen Augenmaske. Dazu kommt ein Pyjama von Givenchy, Grösse S. Es sieht richtig gut aus (Ganzkörperspiegel im WC!).

Wie eine Zeitreise

Klar, eigentlich braucht man all diesen Luxus nicht. Doch der hübsche Pyjama, der aufmerksame Service, das leckere Essen – ganz so wie in den Glanzzeiten der Luftfahrt! Damals flog man nicht eben mal übers Wochenende zum Partymachen nach Berlin – Fliegen war ein «Once-in-a-lifetime»-Erlebnis. Genauso fühle ich mich jetzt. Vielleicht ist diese Zeitreise der wahre Luxus der First Class. Und so sitze ich dann da, in diesem Pyjama, während mir Joanna Satay-Spiesschen serviert. Sie schmecken, als kämen sie direkt vom Grill einer der berühmten Gassenküchen Singapurs. Nach jedem Gang bringt mir Joanna ein heisses feuchtes Tuch für die Hände. Über den Salat mahlt sie frischen Pfeffer, der Hummer ist ein wahres Gedicht, und zum Schluss gibts Sprüngli-Pralinés. Nach dem Essen gehe ich zur Toilette. Das WC-Papier ist zu einer Spitze gefaltet, und die Hände trocknet man mit einem kleinen Frotteetuch ab. Als ich zurückkomme, hat Joanna bereits das Bett hergerichtet, die Kissen drapiert, die Decke aufgeschlagen. Es ist ein richtiges neunzig Zentimeter breites Bett. Wo ist es plötzlich hergekommen? «Magic», kichert Joanna. Dann zeigt sie auf die Wand: Sie hat es von dort heruntergelassen. Trotzdem bin ich ein bisschen neidisch auf das Paar in den Nachbarsuiten: Ihnen hat Joanna ein wunderbar romantisches Doppelbett zubereitet.

Der Flug vergeht mit weiteren heissen Feuchttüchern und Pralinés à gogo. Jedes Mal wenn ich von der Toilette zurückkomme, hat Joanna die Decke neu hergerichtet und die Kissen aufgeschüttelt. Ich schliesse die Tür und drücke den «Bitte nicht stören»-Knopf. «Sweet dreams», flüstert mir Joanna zu.

— Zürich–Singapur in der Suite Class der Singapore Airlines ab 10 000 Franken

Text und Fotos: Stefanie Rigutto

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