Postkarte

Postkarte aus Bregenz: Die Riviera am Bodensee

Text: Dietrich Roeschmann; Fotos: Martin Mischkulnig

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Abendstimmungen wie in den Ferien: Fischersteg

Die Sonne anbeten und wegtreten: Pedalos am Hafen

In der Oberstadt, dem einstigen Zentrum von Bregenz, herrscht Idylle pur: Vögel zwitschern, Brunnen plätschern, und zwischen den rauschenden Kastanien an der alten Stadtmauer trägt der Martinsturm seit 400 Jahren geduldig die grösste Zwiebelkuppel Europas. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt.

Die spektakulären Sonnenuntergänge am Seeufer lassen sich auch mit Sand zwischen den Zehen geniessen: Die Beachbar Bregenz an der Seepromenade inszeniert seit Jahren das frohe Strandleben. — Seepromenade 2, www.beachbar-bregenz.com

28 Kilometer

misst das österreichische Bodenseeufer – aber anders als in der Schweiz ist hier jeder Meter öffentlich zugänglich. Der perfekte Ort zum Dösen in der Sonne oder zum Sprung ins Wasser ist das ehemalige Militärbad, das Mili. Auf den Planken des Holzpfahlbaus liegt einem der See zu Füssen. — Reichsstrasse, in der Hauptsaison täglich von 10 bis 20 Uhr, www.stadtwerke-bregenz.at

Gourmetkoch Heino Huber («Deuring Schlössle») und Asian-Fusion-Chef Peirong Chen («Chen’s Dining Bar am See») finden: Gute Küche ist für alle da! Deshalb servieren sie auch Gaumenfreuden fürs kleine Budget. Bodenständig in Hubers «Maurachbund», scharf in Chens «Manga». Dort dinierte auch Daniel Craig, als er 2008 zum Dreh von «Quantum of Solace» in der Stadt war. — Deuring Schlössle, Ehre-Guta-Platz 4, www.deuring-schloessle.at; Maurachbund, Maurachgasse 11, www.maurachbund.com — Chen’s Dining Bar & Manga, Seestrasse 6, www.asiagourmet.at

Deuring Schlössle

Aus der einst etwas biederen Flaniermeile am Bodensee ist eine Kulturstadt von Weltrang geworden. Das ändert nichts an der Bregenzer Gelassenheit.

Der Zug schnurrt die letzten Meter durch die Ebene, und alles ist da: die Sonne, der See, die knatternden Fahnen über den Schiffen im Hafen und an den Hängen die coolen Villen, denen Bregenz seinen Ruf als Zukunftslabor des guten Bauens verdankt. Nur am Bahnhof kommen kurz Zweifel auf: Der Weg in die Stadt führt über eine Parkplatzwüste und mündet in die Fussgängerzone, die sich zwischen faden Instant-Bauten der Siebziger verzweigt. Damit sich Touristen bald nicht mehr wie im falschen Film vorkommen, wird der erst 25 Jahre alte Bahnhof demnächst dem Erdboden gleichgemacht und neu gebaut.

Willkommen in Bregenz, sagt der Taxifahrer, der in der Sonne gegenüber auf Kundschaft wartet: «Wenn wir hier etwas anpacken, dann richtig.» Das Ergebnis dieser Haltung zwischen Laisser-faire und Ehrgeiz ist kaum zu übersehen. Seit 20 Jahren entwickelt sich die Vorarlberger Landehauptstadt mit ihren 28 000 Einwohnern von der biederen Flaniermeile für pensionierte Kreuzfahrer zu einer Kulturstadt von internationalem Rang. Nirgendwo ist das deutlicher zu spüren als im Areal um den frisch renovierten Kornmarkt. In den Cafés und Restaurants, die den Platz säumen, herrscht Hochbetrieb. Mittendrin steht das von Peter Zumthor entworfene Kunsthaus, dessen Glashaut am Abend wie ein Eiswürfel funkelt und tagsüber unvergleichlich mildes Licht in die Räume lässt.

Derweil wird nebenan, im eben eröffneten Vorarlberg-Museum, an der Zukunft der Regionalgeschichte geschrieben. Hinter der spektakulären Betonfassade, verziert mit Tausenden von PET-Flaschen-Böden, erfährt der Begriff Heimat eine multimediale Neuinszenierung.

Absolutes Muss ist der Seeblick aus der schwarzen Panoramakoje, die der Wiener Künstler Florian Pumhösl im obersten Stockwerk eingerichtet hat. In Breitwandformat lässt sich von hier aus das entspannte Treiben der Menschen an der Uferpromenade beobachten.

Viele sind wegen der Bregenzer Festspiele in der Stadt, deren gigantische Kulissen auf der Seebühne Jahr für Jahr eine neue Skyline in den Himmel zeichnen. Wer für Mozarts «Zauberflöte», die Abschieds-Inszenierung von Festspielchef David Pountney, noch Karten sucht, sollte allerdings viel Glück mitbringen: Die Vorstellungen sind fast ausverkauft.

www.bregenzerfestspiele. ch

Tipps:

Schlafen

Frisch umgebaut und vorwiegend in Holz gehalten, gehört das Hotel Schwärzler zu den interessantesten Adressen der Region.
— Landstrasse 9, Tel. 0043 55 74 49 90, schwaerzler.s-hotels.com, DZ ab ca. 190 Franken

1064 m

Im Rücken der Stadt erhebt sich der Pfänder, von dessen Gipfel aus man einen spektakulären Blick auf See, Berge und den exklusiven Villenhang geniessen.
— Pfänderbahn-Talstation: Steinbruchgasse 4; www.pfaenderbahn.at

Lektüre

Wie ticken die Vorarlberger? Die charmanteste Antwort darauf liefert Bernhard Seiter in seinem Roadmovie zwischen Buchdeckeln.
— Bernhard Seiter: Ein Land wie eine Hand. Bucher-Verlag, Wien 2013, 80 Seiten, ca. 12 Franken

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