Wo die Wildnis ruft

Postkarte aus Seattle

Der Nordwesten der USA: Ein idealer Ort, um auf Abenteuerreise zu gehen.

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Viel Grün in der Stadt: Blick auf Downtown Seattle mit dem Wahrzeichen Space Needle vom Volunteer Park aus.

Lucca ist DER Laden für kleine, eigenwillige Dinge: nach Zedern duftende Räucherstäbchen, konservierte Schmetterlinge oder Karten und Drucke aus eigener Manufaktur.

 

– 5332 Ballard Ave NW, luccagreatfinds.com

Rockstar unter den Boutique-Hotels: Das erste Ace-Hotel eröffnete in Seattle, in der Lobby gibts passende Souvenirs.

Garantiert frisch: Im «The Walrus and the Carpenter» kommt auf den Tisch, was morgens gefischt wurde.

Macht müde Wanderer munter: «The Great Outdoors» im Lost Lake Café.

Wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ändern Menschen auch ihre Vorlieben. Für meine Freunde gab es lange nichts Besseres als die flirrende Energie New Yorks. Nun haben sie die Ostküstenmetropole gegen den Pazifischen Nordwesten getauscht und sind nach Seattle im Staat Washington gezogen. Warum? Hier, sagen die begeisterten Outdoor-Aktivisten, liegt die Wildnis gleich vor der Haustür: Im Westen die endlosen Strände der Pazifikküste und die Regenwälder der Olympic-Halbinsel. Im Osten Mount Rainier, dieser Riese von einem Berg, und die Gipfel der Kaskadenkette, die von Kalifornien nach British Columbia reicht. Im Süden erstrecken sich Oregons Vulkanlandschaften und im Norden die endlosen Weiten Kanadas.

In Seattle kam schon immer beides zusammen: die Annehmlichkeiten der Zivilisation und der Ruf der Wildnis. Die 1853 gegründete Holzfällersiedlung wurde während des Klondike-Goldrauschs zum Knotenpunkt für Glücksucher auf ihrem Weg nach Norden. Später machte Kurt Cobain von Nirvana das Holzfällerhemd zum Modeaccessoire der Grunge-Bewegung. Klar, auch Multis wie Microsoft oder Amazon wurden hier gross und mächtig. Trotzdem gibt es immer noch viel Platz für eigenwillige Lebensentwürfe. Vielleicht hat es auch mit der Landschaft zu tun, dass sich die Menschen an der Nordwestküste eine Lässigkeit bewahrt haben, die anderswo verloren ist. Statt angestrengte Individualisten trifft man unaufgeregte Freigeister.

In Seattle gibts gute Läden, Museen, Restaurants und Musikclubs. In dieser Mischung ist die Stadt der ideale Ort, um auf Abenteuerreise zu gehen – oder zurückzukehren: von einem Kayaktrip in der 150 Kilometer langen Bucht oder einem mehrtägigen Trekking in einem der drei Nationalpärke direkt um die Ecke. Die Topografie des Stadtgebiets ist zudem so hügelig, dass man die Quartiere wie Berge besteigen kann. Und wem das alles noch nicht abenteuerlich genug ist, steigt in die Fähre und kuttert die Pazifikküste entlang bis Alaska.

Tipps:

«The Walrus and the Carpenter»
Was Fischer morgens fangen, kommt hier abends auf den Tisch. Hinter der Theke knacken junge Leute Austern oder schneiden Heilbutt zum hauchdünnen Carpaccio. Statt Vorspeisen und Hauptgerichte gibt es viele kleinere Portionen. Unbedingt probieren: die gerösteten Datteln. Reservieren kann man nicht, aber an der Bar des «Barnacle» gleich nebenan auf einen Tisch warten – natürlich bei einem lokalen Bier.
– 4743 Ballard Ave NW, thewalrusbar.com

Starbucks – das Original Nr. 1 
Entweder man meidet Starbucks, oder man mag die Kette mit dem teuren Kaffee. Am Pike Place Market hatte 1971 alles angefangen. Heute ist der Flagship Store neun Blocks weiter in einem alten Fabrikgebäude – mit Live-Rösterei, Bibliothek und mehreren Theken.
– 1124 Pike St

Ace Hotel – das Original Nr. 2
1999 entstand in diesem alten Hafengebäude das erste von neun Ace Hotels. Heute sind sie die Rockstars unter den Boutique-Hotels.
– 2423 1st Ave, DZ ab ca. 230 Fr., Tel. 001 206 448 47 21, acehotel.com

REI Store
Welcome im Transa der USA. Nur, dass REI noch gigantischer und vor allem günstiger ist. Wer Touren machen will, kann sich hier mit allem eindecken. Das Beste: Park-Ranger geben Tipps zu Wanderrouten, verkaufen Karten und stellen allfällige Bewilligungen für Trips in den Nationalpärken aus.
– 222 Yale Ave N, Tel. 001 206 223 19 44, rei.com

The Crocodile
Hier haben sie alle gespielt, die lokalen Bands, die später berühmt wurden: Nirvana, Pearl Jam, Alice in Chains. Das «Crocodile» hat in den Neunzigern Rockgeschichte geschrieben, tolle Musik gibt es dort noch immer.
– 2200 2nd Ave, thecrocodile.com

Lost Lake Café and Lounge
Halb Diner, halb Bar, gedämpftes Licht, viel Holz, ausgestopfte Tiere und wurdeKitschlandschaften an den Wänden. Der Drink The Great Outdoors aus Whisky, Apfelwein und Ingwersirup hilft nach einer harten Wanderwoche wieder auf die Beine.
– 1505 10th Ave, lostlakecafe.com

Timber Museum
Erstaunlich, dass es in Seattle kein Holzfällermuseum gibt. Dabei war die Holzindustrie lang die wirtschaftliche Grundlage der Region. Wer mehr erfahren will, fährt nach Forks. Die dreistündige Fahrt auf die Olympic Peninsula lohnt sich auch wegen des grandiosen Nationalparks mit Sandstränden, Regenwäldern und Berggipfeln.
– 1411 South Forks Ave, Forks, Tel. 1 360 374 96 63, forkstimbermuseum.org

Anreise
Derzeit gibt es keine direkten Flüge ab der Schweiz nach Seattle, hingegen nach Portland OR, rund drei Autostunden entfernt.
– visitseattle.de

Text: Carole Koch; Fotos: Bruno Augsburger

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