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Postkarte aus Teneriffa

Text: Frank Heer; Fotos: Gabi Vogt

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Postkartenidyll: Das Dorf Garachico von oben

Wie ein anderer Planet: Der Teide-Nationalpark

Badeplausch

1. Die Lava-Becken von Garachico (El Caletón): Natürliche «Wannen» in allen Grössen und Tiefen.
2. Playa el Socorro bei Los Realejos (Foto, links): Schwarzer Sand, glasklares Wasser.
3. Puerto de la Cruz: In den alten Hafen tuckern morgens noch immer Fischerboote, doch an Wochenenden und abends wird gebadet.

Garachico

Icod de los Vinos

Teide

Garachico

Der König der Kanaren — Nationalpark statt Hotelburgen, schmucke Buchten statt Massentourismus: Die Nordküste von Teneriffa ist das Reich des mächtigen Vulkans Teide.

Das ist er nun also, der mächtige Teide, der König der Kanaren, der sich den ganzen Tag nicht blicken liess, weil er lieber trotzig über den Wolken sass. Doch jetzt, am Abend, wo die Herbstsonne die Küste und das Meer und die Dächer von Garachico in gleissendes Licht taucht, wenn die Luft nach Salz und gebratenem Fisch riecht, jetzt will auch der Teide wissen, was in seinem Reich passiert.

Solange er nur guckt und nicht spuckt! Zuletzt tat er es 1909. Zwar ohne Schaden anzurichten, doch der grosse Ausbruch von 1706, der einen Teil von Garachico samt Hafen unter glühender Asche begrub, lebt nicht nur in den Geschichtsbüchern weiter. Noch immer schneidet der erstarrte Lavastrom das Dorf in zwei Teile.

Garachico

Garachico liegt an der Nordküste von Teneriffa und ist neben dem Teide und dem Drachenbaum von Icod de los Vinos das gefragteste Fotomodell der Insel. Von seiner imponierendsten Seite zeigt sich das Dorf von oben herab geknipst, wenn der Blick bei der Anfahrt über eine verflixt kurvige Strasse plötzlich schroff in die Tiefe stürzt. Erst über Terrassen und windschiefe Palmen, dann über den Atlantik – und dazwischen, wie in stürmischer Nacht ans felsige Ufer gepeitscht, die weissen Häuser von Garachico. Ein mächtiger, schwarzer Monolith, der Roque de Garachico, ragt keine hundert Ruderschläge vom Ufer aus der Gischt.

Dass sich Garachico als Postkartenidyll in den letzten Jahrzehnten kaum veränderte, verdankt es vielleicht einer Katastrophe. 1977 kollidierten auf dem Flughafen von Teneriffa – damals noch einem der gefährlichsten der Welt – zwei Jumbos, 583 Menschen starben beim schwersten Unfall in der Geschichte der Luftfahrt.

Er hatte zur Folge, dass der Flughafen durch einen neuen, den Aeropuerto Sur, an der Südküste ersetzt wurde, einer staubtrockenen, öden Gegend. Für den Tourismus bedeutete die Verlegung der Piste eine Neuorientierung. Für die brachialen Hotelanlagen, die hier entstanden, ist Teneriffa bis heute berüchtigt, während sich in den Norden nur noch wenige Touristen verirren.

Wir sind froh, als die Retortenlandschaften von Los Cristianos, Playa de las Americas und Costa Adeje im Rückspiegel des Mietwagens verschwinden, wir durch lichten Kiefernwald kurven, Pässe bezwingen und in verschlafenen Dörfern Café cortado trinken. Und immer wieder lässt von Ferne der Teide wissen, wer der König der Kanaren ist.

Die Ureinwohner Teneriffas, die Guanchen, waren überzeugt, dass in seinem Innern der Teufel haust. Über dem Krater strahlt der Mond mit der sinkenden Sonne um die Wette, ein grandioses Schauspiel, das in der Sioux-Bar von Garachico an diesem Abend niemand beeindruckt. Dort spielt am TV über der Theke gerade RCD Espanyol de Barcelona gegen Real Madrid.

Visionär

Im Nordosten Teneriffas, auf einem Hochplateau gelegen, erstreckt sich das Universitätsstädtchen La Laguna. Die 1496 im visionären Schachbrettraster angelegte Stadt mit ihren Palästen, Kathedralen und Klöstern gilt als Urgrossmutter modernen Städtebaus. Restaurants, Cafés und originelle Läden machen La Laguna zum entspannt-urbanen Herzen der Insel.
Don’t Panic: Kunst, Mode, Krempel und selbst bedruckte T-Shirts; Tabares de Cala 15, La Laguna, www.dontpanic.es
Der Bodegón Tocuyo ist eine Institution: mehr Höhle als Tapas-Bar; hier bekommt man grandiosen Rohschinken, Ziegenkäse und lokalen Wein ab Fass aufgetischt; Juan de Vera 16, La Laguna

Schwermut ade
Auf einer fünftägigen Visite bestieg der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt 1799 den Teide. Kaum ein anderer Ort, so schwärmte er, schien ihm geeigneter, die Schwermut zu verscheuchen, als Teneriffa. Auch lobte er «die Abwesenheit der Sklaverei, deren Anblick anderswo so empörend ist».

 

 

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Grad beträgt auf Teneriffa die durchschnittliche Lufttemperatur von November bis Januar. Das Meer misst selten weniger als 20 Grad.

Ausserirdisch

Scharfkantige Lavazungen, rostrote Wüsten und gigantische Äcker aus erstarrtem Obsidian, die aussehen, als hätte der Teufel die Erde gepflügt. Ein Besuch im Teide- Nationalpark ist wie ein Trip auf einen anderen Planeten. Ein fantastisches Wanderparadies!
www.pico-del-teide.com

Fisch und Wein
La Tasquita de Eduardo (Foto, oben) Lokale Produkte, tolle Weine, reizendes Ambiente, zünftige Portionen.
— Esteban de Ponte 35, Garachico, Tel. 0034 922 83 01 62 La Casa Pache Abseits vom Trubel im Zentrum von Puerto. Winzig, urig, sehr kanarisch, sehr beliebt.
— Calle de la Verdad 6, Puerto de la Cruz, Tel. 0034 922 37 25 24 Restaurante El Burgado Strandkneipe mit frischen Fischgerichten, Meeresfrüchten und prächtigen Sonnenuntergängen.
— Playa las Arenas, Buenavista del Norte, Tel. 0034 922 12 78 31

 

Wo übernachten?


Hotel San Roque (Foto): Einst ein baufälliges Herrschaftshaus, heute eine gediegene Pension. Das Restaurant gehört zu den feinsten Adressen der Insel.
Esteban de Ponte 32, Garachico, Tel. 0034 922 13 34 35, www.hotelsanroque.com, DZ ab 175 Fr Hotel Parador: Das «Parador» liegt in einem Krater beim Teide. Einer der weltweit besten Orte, um den Sterne zu bestaunen.
Las Cañadas del Teide, Teide-Nationalpark, La Orotava, Tel. 0034 922 38 64 15, www.parador.es, DZ ab ca. 120 Fr.

Vier Stunden
Edelweiss Air fliegt montags, mittwochs und samstags direkt von Zürich nach Teneriffa Sur. Die Flugzeit beträgt rund vier Stunden. Hinund Rückflug ab ca. 390 Franken.
www.edelweissair.ch

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