Reise-Tipp

Postkarte aus Voralberg in Österreich

Text: Mathias Heybrock; Fotos: Voralberg Tourismus; Sepp Mallaun, Ludwig Berchtold, Michael Gunz

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Der Berg, der kleiner ist: Pistenspass und Gourmetgenuss gehen am Arlberg Hand in Hand. Und beides gibts auf höchstem Niveau.

Ach, den Arlberg gibts gar nicht? Eine junge Einheimische, die mit mir auf dem Sessellift sitzt, klärt mich darüber auf. Sie zeigt auf die kleinen Bergkiefern am Pistenrand, die man hier Arlenbusch nennt. Und erzählt von einer Eigenart der Walser – die noch heute mit dem Wort Berg nicht etwa einen Berg, sondern eine Passhöhe bezeichnen. Die Walser! Um 1300 kamen die Schweizer Einwanderer aus dem Wallis an den Arlbergpass, der Vorarlberg mit Tirol verbindet. Dort bewirtschafteten sie die umliegenden Höhen, die keiner bewirtschaften wollte, etwa den Weiler Bürstegg, auf 1700 Metern oberhalb des mondänen Skiorts Lech gelegen. Zum Dank erhielten sie von den Grundherren weitgehende Autonomie.

Heute ist Bürstegg nur noch im Sommer bewohnt. Man sieht es abseits der Piste in der Sonne glitzern, wenn man vom Kriegerhorn in Richtung Weibermahdlift abfährt. Schön ist es hier oben, eine hügelige Hochebene voller abwechslungsreicher, breiter Bahnen; passend für Genussfahrer wie mich.

Sportiv gehts natürlich auch. Erst recht drüben auf der anderen Seite von Lech, vom Rüfikopf aus über rasante Strecken gen Zürs und zur Madlochabfahrt, die hier als schönste und abwechslungsreichste gilt. Ich passe trotzdem, weil sie, obschon präpariert, im Plan nur als Route für erfahrene Tourengänger aufgeführt ist.

Stattdessen steige ich in den Auenfeldjet, der Lech mit Warth/Schröcken verbindet – einem Familienskigebiet mit leichten bis mittelschweren Pisten, aber auch kitzligen Tiefschneehängen. Unter mir, durchs Hochmoor Auenfeld, muss der Warther Pfarrer gestapft sein, als er anno 1885 die verrückte Idee hatte, seinen Lecher Kollegen auf diesen neumodischen Ski zu besuchen – und so eine Massenbewegung lostrat, die Lech inzwischen Logiernächte nahe der Millionengrenze beschert.

Der Andrang ist im 1500-Einwohner-Ort an den Chalets in XXL erkennbar. Trotzdem hat das lang gezogene Strassendorf seinen Charme bewahrt. Bausünden blieben aus, und auch die ungewöhnliche Dichte an Gourmetrestaurants und Fünfsternehotels hat aus der alten Walsersiedlung noch keinen Jetset-Ort gemacht.

Klar, drüben im 157-Seelen-Nest Warth gehts noch ursprünglicher zu. Dort mögen die Touristen weniger Geld liegen lassen – dafür aber ist man (noch) reicher an Schnee. Durchschnittlich elf Meter machen Warth nach britischer Recherche zum schneesichersten Skigebiet der Alpen. Das gibts doch gar nicht!

Tipps

E S S E N

In Oberlech, im Winter autofrei und bis ein Uhr nachts via Seilbahn erreichbar, befindet sich das kleine Gourmetrestaurant Griggeler Stuba, das sich der Kräuterküche verschrieben hat. Neben 120 Gewächsen aus eigenem Garten gibts auch Wildkräuter. 18 Gault-Millau-Punkte. www.burgvitalresort. com Brettljause (Fleischplättli), Blutwurstgröstl, lauwarmer Krautsalat: Im «Rud Alpe» kriegt man ein Vesper auf Haubenniveau (14 Gault-Millau-Punkte), für das sich auch mitten am Skitag die Talabfahrt nach Lech lohnt. In einer Holzhütte an der Piste 34 sitzt man toll – zieht bei Sonnenschein aber natürlich trotzdem die Terrasse vor. www.rud-alpe.at

Ü B E R N A C H T E N

Der «Haldenhof» oberhalb von Lechs Zentrum hat alles, was ein ordentliches Viersternehaus braucht: nette Zimmer im sachlichen Alpenstil mit guten Betten, ein Spa mit Pool sowie eine sehr, sehr ordentliche Halbpensionsküche. Extra: Jeder Gast bekommt während seines Aufenthalts ein iPad.
www.haldenhof.at

E I N K A U F E N

Seit 1921 fertigt das Lecher Familienunternehmen Strolz Skischuhe – und schaffte als einziges Unternehmen aus jener Zeit den Wandel vom Leder- zum Kunststoffschalenschuh. Individuell angefertigt und passgenau. Der pure Luxus (ein Paar kostet etwa 800 Fr.). Aber Vielfahrer schwören drauf. www.strolz.at Sonja Zimmermann macht «Mode vom Berg» und präsentiert sie in ihrem kleinen Ladengeschäft Lenai & Linai nahe der Kirche von Lech: klare Entwürfe aus robusten Materialien wie Wollwalk und Loden.
www.lenai-linai.at

H I G H L I G H T

Der 22 Kilometer lange Weisse Ring ist ein Volksskirennen, das über sechs Lifte einmal rund um Lech führt und viel Prominenz anzieht. Es findet im Januar statt – aber man kann die Runde jederzeit auch so machen.
www.derweissering.at

Souvenir

Der «Wein am Arlberg » heisst ganz sportlich Schiwago (Schifahren, Wandern, Golfen). Mit dem Kauf unterstützt man die Lecher Bergrettung.
www.schiwago-wein.at

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